Iran

Schon neun Nächte: US-Angriffe auf Iran eskalieren

US-Truppen sterben so häufig wie seit Monaten nicht mehr – doch Washington setzt die Angriffe auf den Iran unbeirrt fort.

20.07.2026, 01:39 Uhr

USA greifen Iran erneut an – Teheran meldet Explosionen und Vergeltungsschläge

Die USA haben im Krieg mit dem Iran in der neunten Nacht in Folge Ziele in der Islamischen Republik bombardiert. Nach Angaben des für die Region zuständigen US-Kommandos Centcom sollten damit weitere militärische Fähigkeiten geschwächt werden, die nach US-Darstellung für Angriffe auf Handelsschiffe und zivile Besatzungen in der Straße von Hormus genutzt werden.

Die Meerenge bleibt ein zentraler Brennpunkt des Konflikts. Sie ist für den weltweiten Handel mit Öl, Gas und Düngemitteln von herausragender Bedeutung.

Militärische Anlagen und Netzwerke im Visier

Centcom erklärte nach der jüngsten Angriffswelle am Morgen, attackiert worden seien militärische Kommandozentralen, Anlagen zur Flugabwehr und Küstenüberwachung, Vorrichtungen für Raketenabschüsse und Drohnenstarts sowie Kommunikationsnetzwerke.

Aus dem Iran wurden Explosionen in mehreren Landesteilen gemeldet. Betroffen waren nach Berichten iranischer Medien unter anderem Tabris im Norden, die Hafenstadt Tschahbahar am Golf von Oman, Konarak in der Provinz Sistan-Belutschistan, Mahschahr in der Provinz Chusestan sowie Bandar Imam Chomeini am Persischen Golf. Die der Revolutionsgarde nahestehende Agentur Fars berichtete außerdem über Detonationen im Raum Sirik nahe der Straße von Hormus sowie aus der Provinz Buschehr.

In Teheran wächst unterdessen die Sorge vor möglichen Angriffen auf die Millionenmetropole, falls der Krieg weiter eskaliert.

Bahrain und Kuwait erneut unter Beschuss

Der Iran reagierte erneut mit Vergeltungsangriffen auf Staaten mit US-Militärpräsenz in der Region. Die Streitkräfte in Kuwait meldeten am Morgen neue iranische Drohnenangriffe. In Bahrain, wo sich die größte US-Marinebasis der Region befindet, heulten in der Früh abermals die Sirenen.

Die US-Botschaft in Manama hatte in der Nacht mitgeteilt, es gebe Hinweise auf mögliche iranische Angriffe auf nicht näher benannte Ziele im Zentrum der Hauptstadt. US-Bürger wurden aufgefordert, den Anweisungen der Behörden zu folgen.

Ölpreis steigt über 90 Dollar

Die neue Eskalation wirkte sich auch auf die Märkte aus: Die Ölpreise stiegen erneut und kletterten erstmals seit Anfang Juni wieder über die Marke von 90 US-Dollar.

Rubio signalisiert Gesprächsbereitschaft

Trotz der anhaltenden Angriffe gibt es erstmals seit Tagen auch wieder Hinweise auf eine mögliche diplomatische Annäherung. US-Außenminister Marco Rubio sagte, Washington bleibe gesprächsbereit. Man sei „stets offen für Diplomatie“, sofern Teheran bereit sei, sich an eine Vereinbarung zu halten. Sollte sich ein entsprechendes Fenster öffnen, würden die USA das begrüßen.

Nach iranischen Angaben gingen in Teheran zugleich Vorschläge von Vermittlern für eine Wiederaufnahme von Verhandlungen ein. Außenamtssprecher Ismail Baghai bestätigte dies laut der staatlichen Nachrichtenagentur Irna, betonte aber zugleich, der Iran werde sich weiter entschlossen verteidigen.

Trump: Iran erneut „sehr hart getroffen“

US-Präsident Donald Trump begründete die jüngsten Angriffe mit dem Tod mehrerer US-Soldaten. Diese „großartigen Patrioten“ seien im Einsatz gewesen, damit der Iran keine Atomwaffen bekomme, sagte Trump nach seiner Rückkehr vom WM-Endspiel vor Reportern. Die Angriffe seien „zu Ehren“ der Gefallenen erfolgt. Zugleich erklärte er, die USA hätten den Iran in der Nacht erneut „sehr hart“ getroffen.

Bereits zuvor war bekannt geworden, dass erstmals seit Monaten wieder zwei US-Soldaten durch iranischen Beschuss getötet wurden. Zudem meldete Centcom den Tod eines weiteren US-Soldaten, der im Nordirak bei der kontrollierten Sprengung nicht detonierter Munition aus einer abgeschossenen iranischen Einwegdrohne ums Leben gekommen sein soll. Damit stieg die offiziell bekannte Zahl der im Krieg gefallenen US-Soldaten zuletzt auf 17.

Schiff in der Straße von Hormus angegriffen

Auch auf See bleibt die Lage angespannt. In der Straße von Hormus wurde nach Angaben der britischen Schifffahrts-Sicherheitsbehörde UKMTO nahe der omanischen Küste ein Schiff angegriffen. Anschließend brach an Bord ein Feuer aus; die Besatzung wurde evakuiert.

Die iranischen Revolutionsgarden teilten laut Fars mit, in der Meerenge seien zwei Öltanker „explodiert“. Diese hätten versucht, über eine aus iranischer Sicht „unsichere Route“ in die Straße von Hormus hineinzufahren oder sie zu verlassen. Teheran beansprucht weiterhin, die sichere Durchfahrt verlaufe nur über eine vom Iran vorgegebene Route entlang seiner Küste. Der Streit um die Kontrolle und Nutzung der Meerenge bleibt damit ein Kernpunkt des Konflikts.

Trump sieht Iran militärisch schwer geschwächt

Trump widersprach erneut der Darstellung Teherans zur Kontrolle der Passage. Die USA kontrollierten die Straße von Hormus, sagte er, der Iran kontrolliere „gar nichts“. Zugleich behauptete der Präsident, die Islamische Republik habe militärisch nahezu alles verloren und verfüge nur noch über begrenzte Raketen- und Drohnenkapazitäten.

US-Medien zufolge bereitet Washington zugleich weitere Schritte in der Region vor. Das „Wall Street Journal“ und die „New York Times“ berichteten unter Berufung auf US-Beamte, die USA verlegten zusätzliche Kampf- und Tankflugzeuge in den Nahen Osten. Demnach sollen unter anderem F-16 vom US-Stützpunkt Spangdahlem in der Eifel sowie F-35 vom britischen Stützpunkt RAF Lakenheath in die Region geschickt werden.

Nach einem Bericht des „Wall Street Journal“ neigt Trump zudem dazu, die Einsätze gegen den Iran noch auszuweiten. Als mögliche Optionen gelten demnach intensivere Luftangriffe, der Einsatz von Bodentruppen zur Besetzung iranischer Inseln nahe der Straße von Hormus sowie ein Angriff auf die iranische Atomanlage „Pickaxe Mountain“. Trump hatte bereits mit einem Schlag gegen den Komplex im Berg Kuh-e Kolang südlich der Nuklearanlage Natans gedroht.

Laut der „Washington Post“ bereiten sich die USA damit auf einen womöglich umfassenderen Krieg vor. Ein US-Beamter verwies demnach allerdings auch auf schwindende Waffen- und Munitionsbestände, die einer weiteren Eskalation Grenzen setzen könnten.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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