Politik

Hallervorden-Eklat bei Sven Schulze?

Hallervorden mischt CDU-Wahlkampf auf: Mit Schulze steht er trotz harter Differenzen auf der Bühne – und löst heftigen Streit aus.

01.08.2026, 12:51 Uhr

Hallervorden-Auftritte bei CDU-Wahlkampfterminen lösen weiter Debatte aus

Der Schauspieler Dieter "Didi" Hallervorden sorgt mit seinen Bühnenauftritten bei Wahlkampfveranstaltungen von Sachsen-Anhalts CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze weiter für Diskussionen. Nach Terminen in Halle und Magdeburg soll das Format in der kommenden Woche wie geplant in Dessau und Naumburg fortgesetzt werden, sagte CDU-Landesgeneralsekretär Mario Karschunke der dpa. Die Veranstaltungen seien sehr gut gebucht, für Dessau am Montag lägen rund 600 Anmeldungen vor.

Unter dem Titel „Kultur braucht Freiheit“ stehen Hallervorden, Schulze und eine Moderatorin gemeinsam auf der Bühne. Im Mittelpunkt stehen Fragen danach, was Freiheit persönlich bedeutet, was eine lebendige Demokratie braucht und welche Rolle Kunst, Meinungsfreiheit und gesellschaftlicher Zusammenhalt dabei spielen.

Hallervorden bringt dabei auch musikalische Beiträge ein und setzt einen starken Schwerpunkt auf das Thema Frieden. Der 90-Jährige lehnt die aktuelle Verteidigungs- und Rüstungspolitik ab. Zudem greift er erneut seine frühere Kritik an der israelischen Politik auf: In einem Hintergrundvideo zu einer Gesangseinlage ist kurz ein Bild einer Demonstration mit dem Schriftzug „Stoppt den Völkermord in Gaza“ zu sehen.

CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann wies diese Darstellung gegenüber der „Bild“ zurück. Für die CDU Deutschlands sei klar, dass es in Gaza keinen Völkermord gebe. Die Partei stehe an der Seite Israels und der Ukraine im Kampf gegen Terror und Aggression. Zugleich betonte Hoppermann, Freiheit bedeute auch Verteidigungsfähigkeit. Die CDU stehe zwar zur Meinungs- und Kunstfreiheit, doch auch Kunst müsse deutlichen Widerspruch aushalten.

Schulze wirbt für offene Debatten

Schon bei der Veranstaltung in Magdeburg hatte Schulze auf der Bühne deutlich gemacht, dass er bewusst auch andere Positionen zulassen wolle. Sinngemäß sagte er, er wolle kein Land regieren, in dem alle nur das sagten, was er selbst denke. Zu seinem Verständnis politischer Kultur gehöre ausdrücklich auch Gegenrede.

Der CDU-Landesverband erklärte, das Format sei bewusst als Gespräch angelegt worden. Es solle zeigen, dass Menschen trotz unterschiedlicher Auffassungen respektvoll miteinander im Austausch bleiben können. Streit dürfe nicht verlernt werden; verschiedene Meinungen müssten nebeneinander stehen können, ohne dass der Respekt füreinander verloren gehe. Zugleich machte die Partei klar, dass sich weder Schulze noch die CDU Sachsen-Anhalt sämtliche dort geäußerten Positionen zu eigen machten.

CDU: Hallervorden bot Schulze Unterstützung an

Nach Angaben des Landesverbands war Hallervorden selbst mit dem Wunsch auf Schulze zugegangen, ihn im Wahlkampf zu unterstützen. Von Beginn an sei klar gewesen, dass der in Sachsen-Anhalt geborene Künstler für seine eigenen Texte und Inhalte selbst verantwortlich sei und sich diese nicht vorgeben lasse. Die CDU betonte zudem, ihre politischen Positionen ergäben sich aus Beschlüssen und den Aussagen ihrer Verantwortungsträger – nicht aus künstlerischen Beiträgen von Gästen.

Hallervorden will AfD-Mehrheit verhindern

Hallervorden mischt sich nach eigenen Angaben in den Wahlkampf ein, um eine AfD-Regierung zu verhindern. Er hatte der dpa erklärt, wenn SPD, Grüne und FDP an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterten, könne die AfD bereits mit 40 Prozent die absolute Mehrheit erreichen. Das wolle er unbedingt verhindern.

Fünf Wochen vor der Wahl liegt die in Sachsen-Anhalt vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestufte AfD laut Umfragen deutlich vor der derzeit regierenden CDU und den übrigen Parteien.

Kampagne mit weiteren Kulturschaffenden

Gemeinsam mit anderen Kulturschaffenden wie Tatort-Schauspieler Axel Prahl und Komiker Oliver Kalkofe hat der 1935 in Dessau geborene Hallervorden zudem eine Kampagne gestartet. Darin empfehlen die Beteiligten Wählerinnen und Wählern, ihr Kreuz bei CDU, SPD, FDP, Grünen oder Linken zu machen.

In dem bei den CDU-Veranstaltungen vorgetragenen Lied richtet sich Hallervorden an Bundeskanzler Friedrich Merz und Verteidigungsminister Boris Pistorius. Darin heißt es: „Wenn ihr glaubt, dass Krieg sich lohnt, kämpft doch dort, wo keiner wohnt. Kämpft gefälligst auf dem Mond!“ Bei seinem Auftritt in Halle sagte der Künstler außerdem, auf Bundesebene würde er für Friedrich Merz keine Werbung machen – bei Sven Schulze sei das etwas anderes.

Quelle: dpa/bearbeitet

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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