Die UEFA hat den Fußball-Weltverband FIFA trotz des Rückzugs der umstrittenen Investorenpläne erneut scharf kritisiert. Der europäische Verband erklärte, die aktuelle FIFA-Führung habe nicht nur das Vertrauen der UEFA verspielt, sondern auch das vieler weiterer Mitglieder der internationalen Fußballgemeinschaft. Zugleich begrüßte die UEFA, dass die FIFA unter Präsident Gianni Infantino den Plan aufgegeben hat, kommerzielle Rechte an Weltmeisterschaften an Investoren zu veräußern.
Auch der Deutsche Fußball-Bund verschärfte nun seine Kritik. DFB-Präsident Bernd Neuendorf warf Infantino vor, das Projekt eigenmächtig, intransparent und letztlich unverantwortlich im Sinne des Fußballs vorangetrieben zu haben. Die Abläufe rund um den gescheiterten Investorendeal müssten nun vollständig aufgeklärt werden.
Kritik an intransparentem Vorgehen
Dem Schritt der FIFA waren heftige Widerstände vorausgegangen. Vor allem aus Europa kam deutlicher Protest, doch auch die Verbände aus Asien sowie Nord- und Mittelamerika stellten sich gegen das Vorhaben. In der Nacht zum Samstag zog die FIFA ihre Pläne schließlich zurück, Anteile an den kommerziellen Rechten ihrer Wettbewerbe wie der Männer- und Frauen-WM sowie der Club-WM an private Investoren zu verkaufen.
Die UEFA bezeichnete das Vorhaben als fragwürdigen und intransparenten Vorgang. Der Deal sei hinter den Kulissen vorbereitet worden und habe mit Offenheit nichts zu tun gehabt. Zudem warf der Kontinentalverband Infantino vor, es versäumt zu haben, die milliardenschweren FIFA-Reserven den nationalen Verbänden und damit dem Fußball selbst zugutekommen zu lassen.
Nach den Plänen der FIFA sollte ein Teil der WM-Rechte in eine Tochtergesellschaft übertragen werden, um durch den Einstieg externer Investoren hohe Einnahmen zu erzielen. Medienberichten zufolge setzte der Weltverband den Mitgliedsverbänden für eine Zustimmung eine Frist bis zum 19. September und stellte dafür zusätzliche Zahlungen in Aussicht.
DFB lobt geschlossene Haltung der UEFA
Neuendorf bezeichnete den Rückzug der FIFA als unausweichlich. Der Versuch, FIFA-Wettbewerbe für private Investoren zu öffnen, sei klar gescheitert. Nach seiner Einschätzung trug dazu auch das geschlossene Auftreten der UEFA-Mitgliedsverbände maßgeblich bei.
Zugleich forderte der DFB-Präsident gemeinsam mit der UEFA und anderen Konföderationen einen grundlegenden Kulturwandel innerhalb der FIFA. Entscheidungen müssten wieder in den Gremien von den Mitgliedern diskutiert und getroffen werden.
UEFA verlangt Konsequenzen
Die UEFA machte deutlich, dass ein solches Vorgehen nicht akzeptabel sei. Geheime Absprachen, die unter Zeitdruck von nicht klar benannten Akteuren vorbereitet würden und deren Nutzen für den Sport zweifelhaft sei, dürften kein Modell für die Zukunft sein. Deshalb müssten die Verantwortlichen benannt und zur Rechenschaft gezogen werden.
Zugleich kündigte der europäische Verband an, rasch Gespräche mit Partnern in aller Welt aufzunehmen, um neue Modelle für die Verteilung der FIFA-Einnahmen zu entwickeln. Die Rücknahme des Vorschlags wertete die UEFA als Erfolg für den gesamten Fußball. Zugleich betonte sie, dass dies nur ein erster Schritt sei: Der Plan sei zwar vom Tisch, doch die Wiederherstellung des Vertrauens in die FIFA beginne erst jetzt.
Infantino gerät damit weiter unter Druck; aus dem Fußball und auch aus der Politik werden zunehmend Rücktrittsforderungen laut.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber