Europol-gestützter Schlag gegen internationale Schleusernetzwerke
Bayerische Staatsanwaltschaften und die Bundespolizei haben gemeinsam mit Europol einen wichtigen Erfolg gegen die international organisierte Schleusungskriminalität erzielt. In Saarbrücken und in Serbien wurden drei Haftbefehle vollstreckt, außerdem durchsuchten die Ermittler sechs Gebäude. In Saarbrücken waren nach Angaben der Bundespolizei 240 Einsatzkräfte im Einsatz; die Maßnahmen dauerten am Vormittag noch an.
Die Ermittlungen richten sich unter anderem gegen einen syrischen Familienclan und werden im Rahmen einer von Europol koordinierten „Operational Task Force“ geführt. Nach Einschätzung der Behörden sind die Beschuldigten Teil eines international vernetzten Täterkreises mit Kontakten bis nach Libyen.
Lebensgefährliche Schleusungen über das Mittelmeer
Die Staatsanwaltschaft Traunstein und die Bundespolizei München werfen einer Gruppe mit Verbindungen zu einer libyschen Miliz vor, seit Oktober 2024 mindestens 125 überwiegend syrische Migranten auf Booten von Libyen zur italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa und damit in die Europäische Union gebracht zu haben. Nach bisherigen Erkenntnissen erzielte das Netzwerk damit mindestens 875.000 Euro Gewinn. Die Überfahrten über das Mittelmeer galten teils als lebensgefährlich.
In diesem Zusammenhang wurde in Saarbrücken ein 26-jähriger Syrer festgenommen, der als mutmaßlicher Hauptbeschuldigter gilt. Der Mann war den Behörden den Angaben zufolge bereits seit Februar 2025 bei mehreren Grenzkontrollen aufgefallen.
Weitere Festnahmen in Serbien
Auch auf der Balkanroute verzeichneten die Ermittler einen Erfolg: Auf Betreiben der Staatsanwaltschaft Landshut wurde in Serbien ein 31-jähriger Syrer aufgrund eines internationalen Haftbefehls festgenommen. Er soll dem berüchtigten „Sarawi“-Schleuserclan angehören und wird von Europol als „High Value Target“ eingestuft.
Zeitgleich nahm eine serbische Spezialeinheit in Belgrad im Auftrag der Staatsanwaltschaft Weiden einen 32-jährigen Syrer fest. Ihm wird vorgeworfen, zwischen Juni 2023 und Juni 2024 an 37 Schleusungsfällen beteiligt gewesen zu sein, bei denen mindestens 625 Menschen transportiert worden sein sollen. Für Schleusungen über die Balkanroute nach Deutschland verlangte das Netzwerk laut Ermittlern bis zu 10.000 Euro pro Person.
Ermittlungen laufen nach dem „Traunsteiner Modell“
Alle drei Verfahren werden nach dem seit 2018 bestehenden „Traunsteiner Modell“ geführt. Dabei arbeiten spezialisierte Abteilungen für grenzüberschreitende Kriminalität eng mit internationalen Ermittlern zusammen.
Die Ermittlungen dauern an.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber