Bayern plant schrittweise Einführung eines In-/Out-Systems im Nahverkehr
Im bayerischen öffentlichen Nahverkehr soll ab dem kommenden Jahr nach und nach ein sogenanntes In-/Out-Ticketsystem eingeführt werden. Das geht aus einer Antwort des Verkehrsministeriums auf eine Anfrage der Grünen im Landtag hervor. Fahrgäste sollen sich demnach vor Beginn ihrer Fahrt einchecken, erhalten damit ihre Fahrberechtigung und checken sich am Ziel wieder aus. Tarifkenntnisse seien dafür nicht nötig, da der Fahrpreis erst im Anschluss automatisch berechnet werde.
Hinter dem System steckt eine technische Lösung per Smartphone: Nutzer geben beim Einstieg in Bus oder Bahn an, wann die Fahrt beginnt, und markieren auch ihr Ende. Auf dieser Grundlage ermittelt das System dann den passenden Preis. Nach Angaben des Ministeriums sollen so künftig auch Fahrten durch ganz Bayern möglich werden, selbst über die Grenzen einzelner Verkehrsverbünde hinweg. In einigen Regionen, etwa in München, gibt es ein solches Verfahren bereits. Dort ist es unter dem Begriff „Swiping“ bekannt, weil Fahrgäste zum Start und Ende der Fahrt über das Display wischen.
Einheitliches Ticketsystem für ganz Bayern wird nicht weiterverfolgt
Von der Idee eines landesweit einheitlichen Ticket- und Tarifsystems rückt die Staatsregierung laut Ministerium inzwischen ab. Zur Begründung heißt es, nach der Ankündigung des Deutschlandtickets sei die Strategie für den Landestarif angepasst worden. Die Einführung des Deutschlandtickets gelte nun als zentrale Aufgabe in diesem Bereich.
Grüne fordern attraktivere Angebote für Gelegenheitsfahrer
Die Grünen im Landtag kritisieren diesen Kurs. Der mobilitätspolitische Sprecher der Fraktion, Markus Büchler, bedauerte, dass die Staatsregierung das Bayern-Ticket nicht weiterentwickeln wolle. Es genüge nicht, sich auf das Deutschlandticket zu verlassen. Vor allem für Menschen, die Bus und Bahn nur ab und zu nutzten, müssten endlich ansprechende Angebote geschaffen werden.
Aus Sicht Büchlers braucht es zudem ein möglichst einfaches System beim Ticketkauf und bei den Tarifen. Wer mehr Menschen für den Nahverkehr gewinnen wolle, müsse außerdem sicherstellen, dass alle Regionen Bayerns in einen leistungsfähigen Verkehrsverbund eingebunden sind. Gerade in Schwaben und Niederbayern gebe es hier noch Defizite. Ohne Verkehrsverbund sei ein moderner öffentlicher Nahverkehr kaum sinnvoll umzusetzen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber