Zwei Wochen vor der Kongresswahl: Viele US-Bürger hadern mit Trump und der Lage im Land
Als Donald Trump zu Monatsbeginn seine Wahlkampftour aufnahm, schlug er in Texas ungewöhnlich selbstkritische Töne an. Bei einem Auftritt vor Beschäftigten eines Lkw-Herstellers in Denton pries der US-Präsident zwar erneut seine Politik, räumte aber zugleich ein, dass seine Regierung ihre Erfolge womöglich schlecht vermittle. Ein Fehlerbekenntnis war das nicht – wohl aber ein seltener Hinweis darauf, dass seine Politik derzeit bei vielen Menschen in den USA nicht gut ankommt.
Nur noch zwei Wochen bleiben bis zu den wichtigen Kongresswahlen am 3. November. Trumps Umfragewerte bleiben schwach, viele Amerikaner fühlen sich mit ihren Problemen allein gelassen. Besonders groß sind die Sorgen bei den Lebenshaltungskosten, den Energiepreisen und dem Zustand der Politik insgesamt.
Teures Leben setzt viele Familien unter Druck
Viele Menschen in den USA leiden unter wirtschaftlicher Unsicherheit und steigenden Ausgaben. Nach einer repräsentativen Erhebung des Pew Research Center aus dem Sommer verfügt mehr als die Hälfte nicht über genug Ersparnisse, um drei Monate ohne Einkommen zu überbrücken. Mehr als jeder Vierte gibt an, laufende Rechnungen nicht vollständig begleichen zu können.
Ob Miete, Lebensmittel, Mobilität oder medizinische Versorgung: Für zahlreiche Haushalte wird es schwer, die grundlegenden Kosten zu decken. Dazu kommen Belastungen durch Schulden sowie Sorgen um die Altersvorsorge.
Ein erheblicher Teil der Bevölkerung gibt dafür auch Trump die Schuld. In einer Ende September veröffentlichten AP-NORC-Umfrage sagten 65 Prozent, die ungewöhnlich hohen Preise seien eher auf seine Politik zurückzuführen als auf Umstände, die außerhalb seines Einflusses lägen.

Vor allem hohe Spritpreise treiben den Frust
Besonders deutlich zeigt sich die Unzufriedenheit an den Zapfsäulen. In einem Land, in dem viele Menschen auf das Auto angewiesen sind, wirken sich steigende Kraftstoffpreise unmittelbar auf den Alltag aus. Laut einer aktuellen Pew-Umfrage äußerten rund drei Viertel der Erwachsenen große Sorgen über Energie- und Benzinkosten.
Für Trump und die Republikaner ist das kurz vor den Zwischenwahlen problematisch. Der Präsident war mit dem Versprechen angetreten, Kriege zu beenden, und hatte 2024 auch von der Unzufriedenheit über die wirtschaftliche Lage profitiert. Ende Februar begann jedoch gemeinsam mit Israel der Krieg gegen den Iran, der die Treibstoffpreise nach oben trieb. Fast acht Monate später ist der Konflikt weiterhin ungelöst.
Wie stark das im Alltag ankommt, zeigt das Beispiel eines Farmers aus Iowa. Caleb Renner sagte der "New York Times", Trump habe Zusagen gebrochen und genau das Gegenteil von dem getan, weshalb er ihn gewählt habe. Als Landwirt, der auf Diesel für seine Maschinen angewiesen ist, spürt er die Folgen besonders deutlich.
Im September stieg der durchschnittliche Dieselpreis in den USA erstmals über sechs Dollar je Gallone. Nach Angaben des Automobilclubs AAA lag er am Montag landesweit bei 6,3187 Dollar. Für Benzin wurden im Schnitt 4,2953 Dollar pro Gallone fällig. Vor einem Jahr lagen die Werte noch deutlich niedriger: 3,6308 Dollar für Diesel und 3,0362 Dollar für Benzin.
Inflation bleibt ein drängendes Thema
Die hohen Energiekosten schlagen auch auf die allgemeine Preisentwicklung durch. Im September stiegen die Verbraucherpreise im Jahresvergleich um 3,7 Prozent. Damit näherten sie sich wieder dem höchsten Niveau seit mehr als drei Jahren an. Bereits im Mai hatte die Inflationsrate infolge des Iran-Kriegs 4,2 Prozent erreicht.
Damit entfernt sich die US-Wirtschaft weiter vom Zwei-Prozent-Ziel der Notenbank Fed. Das erhöht den Druck auf die Währungshüter, die Zinsen weiter anzuheben, um die Konjunktur zu bremsen. Trump fordert allerdings schon seit längerem niedrigere Zinsen.
Auch im Supermarkt wird es für viele enger
Nicht nur beim Tanken, auch beim Einkaufen wächst der Frust. Nach der Pew-Umfrage machten sich zuletzt ebenfalls rund drei Viertel der Erwachsenen große Sorgen über die Preise für Lebensmittel und andere Konsumgüter. Besonders bei Produkten wie Rindfleisch sind die Kosten gestiegen.
Trump versuchte, durch zusätzliche Importe die Preise für Hackfleisch und mageres Rindfleisch zu senken. Damit verärgerte er jedoch Viehzüchter – ausgerechnet eine wichtige Wählergruppe. Viele von ihnen befürchten, dass mehr Importe ihre Erlöse drücken und ihre wirtschaftliche Lage verschlechtern.
Für dieses Vorhaben setzte der Präsident sogar vorübergehend Zölle auf ein bestimmtes Kontingent von Rindfleischimporten aus. Dabei zählen Zölle eigentlich zu seinen bevorzugten handelspolitischen Instrumenten, mit denen er andere Staaten unter Druck setzen will.
Allerdings tragen gerade diese Einfuhrabgaben nach Einschätzung von Experten selbst zu höheren Preisen bei. Die Tax Foundation schätzt, dass US-Haushalte im laufenden Jahr im Schnitt mit zusätzlichen Kosten von 820 Dollar belastet werden. Das Tax Policy Center kommt sogar auf 920 Dollar.
Große Unzufriedenheit mit Politik und Institutionen
Neben den wirtschaftlichen Nöten treibt viele Menschen auch die politische Entwicklung im Land um. In einer AP-NORC-Umfrage vom Oktober äußerten sich etwa zwei Drittel der Wähler pessimistisch über die amerikanische Politik. Rund acht von zehn wünschen sich tiefgreifende Veränderungen oder sogar einen grundlegenden politischen Neuanfang.
Auch das Vertrauen in die Institutionen des Bundes ist laut Gallup auf einen Tiefpunkt gesunken. Nur etwa ein Drittel der Befragten gab im September an, ein starkes Vertrauen in die Regierung zu haben. Beim Kongress, über dessen Zusammensetzung nun abgestimmt wird, fiel der Wert sogar noch schlechter aus.
Neben Wirtschaft und Demokratie spielen bei den Midterms außerdem Gesundheitsversorgung, Bildung, Einwanderung, der Krieg gegen den Iran und Gewaltkriminalität eine wichtige Rolle. Welche Themen den Ausschlag geben, unterscheidet sich je nach politischem Lager deutlich – mit einer wichtigen Ausnahme: Die Wirtschaft steht für Wähler beider Parteien ganz oben auf der Agenda.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber