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Unglaublich: Stefan Raab wird 60

Vom Metzger zum TV-Phänomen: Stefan Raab wird 60 – doch wer glaubt, sein letztes Kapitel sei geschrieben, irrt gewaltig.

20.10.2026, 04:30 Uhr

Stefan Raab wird 60: Zwischen Kultfigur und Comeback

Stefan Raab feiert an diesem Dienstag, dem 20. Oktober, seinen 60. Geburtstag. Auch wenn er selbst dazu schweigt, wird über ihn umso mehr gesprochen. Beim Deutschen Fernsehpreis etwa würdigten ihn mehrere Wegbegleiter. Dragqueen Olivia Jones sprach von einem Mann, der das Fernsehen auf neue Weise geprägt und ungewöhnliche Ideen erfunden habe. Moderator Jan Köppen erinnerte an „TV total“ und an große Fernsehereignisse, die seine Jugend mitbestimmt hätten. Dass man Raab sein Alter kaum ansehe, darin waren sich beide einig.

Früher hätte Raab eine solche Ehrung womöglich mit Ironie kommentiert – oft auf Kosten anderer. Ehrfurcht vor dem Lebenswerk älterer Entertainer gehörte nicht gerade zu seinen Markenzeichen. So sang er 1999 Rudi Carrell direkt ins Gesicht spöttische Zeilen über dessen Humor. Carrell war damals 64, Raab gerade 32.

Heute ist Raab selbst in einem Alter angekommen, in dem man auf ein Werk zurückblickt. Er ist damit zwar noch nicht automatisch mit Fernsehgrößen wie Rudi Carrell, Karl Moik oder Dieter Thomas Heck gleichzusetzen. Dennoch gibt es eine Parallele: Auch bei ihm unterscheidet man inzwischen zwischen einem viel zitierten Frühwerk und einer späteren Schaffensphase, deren langfristige Bedeutung sich erst noch zeigen muss.

Der Schnitt kam 2015

Dass seine Karriere so klar in zwei Abschnitte zerfällt, hat Raab selbst entschieden. Der Wendepunkt liegt im Jahr 2015. Deutschland war gerade Fußball-Weltmeister, als er ankündigte, seine Fernsehkarriere zu beenden und sich aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen. Kurz vor Weihnachten verabschiedete er sich tatsächlich ein letztes Mal von seinem Publikum, wünschte noch viel Spaß – und verschwand danach über Jahre fast vollständig von der Bildfläche.

Stefan Raab wird 60
Bei seinem neuen Haussender RTL ist Raab sogar mal bei «Let's Dance» zu sehen gewesen. (Archivfoto) Quelle: Rolf Vennenbernd/dpa

Bis dahin hatte er sich in rund zwei Jahrzehnten ein beeindruckendes TV-Reich aufgebaut. Beim Musiksender Viva war der gelernte Metzger aus Köln-Sülz zu einem Moderator geworden, den man unmöglich übersehen konnte. Laut, frech, energiegeladen und äußerst geschickt darin, sich selbst in Szene zu setzen: Wo Raab auftauchte, war Aufmerksamkeit garantiert.

„TV total“ als Startrampe für ein ganzes Fernsehuniversum

Den Durchbruch beim Massenpublikum schaffte er mit der Late-Night-Show „TV total“. Die Sendung war weit mehr als nur ein Quotenerfolg – sie wurde zum Ausgangspunkt für immer neue Ideen. Manche Konzepte verschwanden schnell wieder, andere entwickelten sich zu festen Größen im deutschen Fernsehen. Dazu zählten spektakulär inszenierte Promi-Wettkämpfe wie das „TV total Turmspringen“ oder seine Projekte rund um den Eurovision Song Contest.

2010 gewann Lena Meyer-Landrut mit Unterstützung Raabs den ESC. 2013 durfte er sogar das Kanzlerduell mitmoderieren – ein Zeichen dafür, welchen Einfluss er längst im deutschen Fernsehen hatte.

Immer mit vollem Einsatz

Raab war bekannt dafür, sich nicht zu schonen. Im Laufe seiner Karriere sammelte er Verletzungen wie ein Profisportler: Gehirnerschütterung, Jochbeinbruch, Nasenbeinbruch, Kieferhöhlenbruch, Innenbandriss, Meniskusschaden, ein Riss am Mittelfinger und zahllose Schürfwunden. Besonders sichtbar wurde dieser kompromisslose Einsatz in „Schlag den Raab“, jener Samstagabendshow, mit der er bewies, dass große neue Unterhaltungsshows im deutschen Fernsehen doch noch möglich waren.

Warum er 2015 plötzlich aufhörte, blieb letztlich offen. Sicher ist nur: Fast zehn Jahre später kehrte er überraschend zurück.

Das Comeback bei RTL

Im September 2024 stieg Raab in einer Düsseldorfer Halle eine lange Treppe hinunter, trat erneut zu einem Boxkampf gegen Regina Halmich an und verkündete danach schweißgebadet, aber gut gelaunt, dass er wieder Shows machen wolle. Für seinen neuen Haussender RTL war das ein großer Erfolg. Raab inszenierte sich dabei fast wie ein wiedergekehrter Heilsbringer des Entertainments – und das Publikum spielte begeistert mit.

Danach folgten neue Formate und viele Ankündigungen. Doch nicht alles funktionierte wie früher. Die wöchentliche Sendung „Du gewinnst hier nicht die Million bei Stefan Raab“, eine Mischung aus bekannten Raab-Zutaten wie „TV total“ und „Schlag den Raab“, wurde schon bald wieder abgesetzt. Das Nachfolgeformat „Die Stefan Raab Show“ bekam einen neuen Platz im Spätprogramm.

Ausgerechnet ein anderes Projekt entwickelte sich zum Überraschungshit: die Nostalgie-Quizsendung „Wer weiß wie wann was war?“. Gerade weil sie nicht sofort wie eine Neuauflage eines alten Raab-Konzepts wirkte, kam sie beim Publikum gut an und wurde schließlich sogar mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet.

Viel Erfolg, wenig Einblicke ins Private

Wie Raab selbst seine Karriere einordnet, bleibt weitgehend unbekannt. Interviews gibt er kaum, auch jetzt wurde eine Anfrage wieder abgelehnt. Über sein Privatleben ist ebenfalls nur wenig bekannt. Er besuchte das Bonner Aloisius-Kolleg, ein Jesuitengymnasium. Außerdem soll er ein Faible fürs Segeln haben. Und auch seine Nähe zum 1. FC Köln gilt als wahrscheinlich – nicht nur wegen seiner Herkunft aus Köln-Sülz. Zuletzt schrieb er dem Verein sogar ein neues Fanlied.

Was er in Zukunft noch plant, weiß daher vor allem er selbst. Für ein endgültiges Urteil über sein spätes Werk ist es ohnehin noch zu früh. Olivia Jones mahnt jedenfalls davor, ihn vorschnell abzuschreiben. Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur sagte sie, manche Menschen seien zwar beratungsresistent, Raab aber nicht. Er gehe, glücklicherweise, immer noch ein Stück weit mit der Zeit.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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