Politik

Farage wirft hin – was steckt hinter dem Rückzug?

Farage schmeißt sein Mandat hin – und plant sofort sein Comeback. Steckt hinter dem überraschenden Schritt mehr als nur Taktik?

07.07.2026, 15:33 Uhr

Farage legt Mandat nieder und will erneut kandidieren

Nigel Farage, Vorsitzender der rechtspopulistischen Partei Reform UK, gibt seinen Sitz im britischen Parlament auf. Zugleich kündigte er bei einer Pressekonferenz in London an, bei der fälligen Nachwahl erneut antreten zu wollen.

Reform UK liegt in Großbritannien seit Monaten in mehreren Umfragen vorn. Farage, der als früherer Wortführer der Brexit-Bewegung bekannt wurde, war zuletzt wegen umstrittener Spenden und Zuwendungen in die Schlagzeilen geraten.

In einer emotionalen Rede sagte Farage, er sei „noch nie wütender“ gewesen. Er warf Medien vor, eine Kampagne gegen ihn und seine Familie zu führen. Dadurch werde auch die Sicherheit seiner Angehörigen gefährdet. Nun sollten die Wählerinnen und Wähler seines Wahlkreises Clacton in Essex über sein Verhalten urteilen. Er werde kämpfen, um die Abstimmung zu gewinnen, kündigte er an.

Ein Termin für die Nachwahl steht bislang noch nicht fest. Kurz nach seinem Rücktritt schrieb Farage auf X, seine Partei habe angeboten, die Kosten der Nachwahl zu übernehmen. Da Reform UK die Abstimmung selbst ausgelöst habe, sei das nur folgerichtig.

Abgeordnete im Vereinigten Königreich müssen Nebeneinkünfte und Spenden offenlegen, auch wenn diese bis zu ein Jahr vor ihrer Wahl erfolgt sind. Genau dazu gab es in den vergangenen Wochen wiederholt Nachfragen an Farage.

Vorwürfe zu Spenden und Unterstützung

Nach einem Bericht der Sunday Times soll Farage Unterstützungsleistungen seines langjährigen Verbündeten George Cottrell nicht ordnungsgemäß angegeben haben. Demnach habe Cottrell, der wegen Betrugs verurteilt wurde, im Jahr vor Farages Einzug ins Unterhaus unter anderem Sicherheitsdienste und Personal finanziert oder organisiert. Farage weist die Vorwürfe zurück und betont, alle Regeln eingehalten zu haben.

Zudem berichtete der Guardian, der 62-Jährige habe kurz vor seiner Wahl zum Abgeordneten ein Geldgeschenk von fünf Millionen Pfund erhalten, das nicht als Spende deklariert worden sei. Farage spricht von einem persönlichen Geschenk ohne Bedingungen. Der Fall wird inzwischen vom Beauftragten für parlamentarische Standards geprüft. Im schlimmsten Fall hätte ihm ein zeitweiliger Ausschluss aus dem Unterhaus gedroht – verbunden mit einer unsicheren Nachwahl. Diesem Szenario kam er mit seinem Rücktritt nun zuvor.

Parteien werfen Farage Ablenkungsmanöver vor

Auf die Ankündigung reagierten politische Gegner scharf. Noch-Premierminister Keir Starmer sprach von einem „verzweifelten Stunt“ und sagte, Farage stecke „bis zum Hals in Skandalen“.

Aus dem Umfeld des wahrscheinlichen neuen Premiers Andy Burnham hieß es, Farage habe mit seinem Rückzug lediglich ein Ablenkungsmanöver gestartet. Auch aus der Opposition kam Kritik: Tory-Chefin Kemi Badenoch erklärte, Farage breche unter dem Druck zusammen. Grünen-Chef Zack Polanski bezeichnete ihn als „Betrüger“.

Politische Zukunft weiter offen – und aussichtsreich

Ein Ende von Farages politischer Karriere ist damit allerdings kaum verbunden. Reform UK führt seit mehr als einem Jahr die Umfragen vor Labour und den Konservativen an. Der Aufschwung der Partei wird vor allem Farage selbst zugeschrieben.

Bei den Kommunal- und Regionalwahlen im Mai gewann Reform UK in England, Schottland und Wales Hunderte Mandate. Das setzte Labour und Starmer zusätzlich unter Druck. Angesichts der aktuellen Umfragewerte erscheint sogar ein künftiger Einzug Farages in die Downing Street nach der nächsten Parlamentswahl nicht ausgeschlossen.

Nicht Farages erster taktischer Rückzug

Für den als „Mr. Brexit“ bekannten Politiker ist es nicht das erste politische Comeback-Manöver. Nach dem Brexit-Referendum 2016 trat er zunächst als Ukip-Chef zurück, kehrte später aber an der Spitze der neu gegründeten Brexit-Partei zurück. Diese wurde später in Reform UK umbenannt.

Auch den Vorsitz dieser Partei gab Farage nach dem EU-Austritt 2021 zunächst ab, bevor er kurz vor der Parlamentswahl im Juli 2024 wieder an die Parteispitze zurückkehrte.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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