Sport

Wimbledon-Schock: Struff scheitert an Sinner

Struff bringt Wimbledon-Favorit Sinner ins Wanken – doch kurz vor der Sensation platzt der deutsche Traum.

07.07.2026, 16:47 Uhr

Zverev erstmals im Wimbledon-Viertelfinale – mit Kampfansage gegen Angstgegner Fritz

Alexander Zverev hat in Wimbledon zum ersten Mal das Viertelfinale erreicht und geht trotz seiner Negativserie mit viel Selbstvertrauen in das Duell mit Taylor Fritz. Der Weltranglisten-Dritte setzte sich in seiner am Vortag unterbrochenen Achtelfinalpartie gegen den Tschechen Jiri Lehecka mit 6:4, 7:5, 3:6, 7:6 (8:6) durch. Für Jan-Lennard Struff endete der starke Lauf dagegen im Viertelfinale mit einem 5:7, 6:7 (4:7), 3:6 gegen Titelverteidiger Jannik Sinner.

Zverev mit Premiere – und klarer Ansage vor Fritz

Für Zverev ist es die Wimbledon-Premiere im Viertelfinale. Im Siegerinterview nahm der Hamburger seinen langen Anlauf mit Humor: "Wer hätte gedacht, dass ich nur zwölf Jahre brauche, um dahin zu kommen." Zufrieden ist er damit aber noch nicht. "Ich bin unglaublich glücklich. Natürlich will ich noch drei Matches hier spielen", sagte er.

Schon am Mittwoch geht es weiter: Als zweites Match nach 14.00 Uhr trifft Zverev auf Taylor Fritz und kämpft um den Einzug ins Halbfinale. Obwohl er die vergangenen sieben Duelle mit dem US-Amerikaner verloren hat, reist der Deutsche mit einer selbstbewussten Kampfansage an.

"Wenn ich so spiele, wie ich es die letzten zwei, drei Monate getan habe, dann sehe ich gute Chancen", sagte Zverev. Noch deutlicher wurde er bei der Beschreibung seiner eigenen Ansprüche: Wenn Vorhand, Aufschlag und Rückhand mit dem richtigen Tempo kämen, werde er das Match gewinnen. "Es ist relativ simpel", meinte er.

Mit Blick auf das Viertelfinale der beiden starken Aufschläger erwartet Zverev allerdings kein Spektakel: "Es wird wohl nicht sehr unterhaltsam."

Schwierige Fortsetzung gegen Lehecka

Die Achtelfinalpartie war am Montagabend bei einer 2:0-Satzführung und einem Stand von 3:3 im dritten Durchgang wegen der Wimbledon-Sperrstunde um 23.00 Uhr Ortszeit unterbrochen worden. Rund 17 Stunden später ging es auf dem Centre Court weiter – unter deutlich veränderten Bedingungen.

Zverev erklärte später, ihn habe überrascht, dass diesmal nicht wie am Vorabend unter geschlossenem Dach, sondern unter freiem Himmel gespielt wurde. Die Umstände seien komplett anders gewesen, daran habe er sich erst anpassen müssen. Entsprechend fand er zunächst nicht mehr zu seiner souveränen Form zurück.

"Mental ist es schwieriger als physisch", sagte Zverev über den schnellen Wiedereinstieg am nächsten Tag. Bei Prime räumte er ein: "Ich habe gar kein Gefühl gehabt."

Lehecka startete stark in die Fortsetzung und holte sich mit drei schnellen Spielen den dritten Satz. Auch im vierten Durchgang wirkte Zverev phasenweise energieloser als am Vorabend und hatte vor allem mit dem Aufschlag des Weltranglisten-14. Probleme. Im Tiebreak brachte er den Sieg schließlich doch ins Ziel. Den zweiten Matchball hatte er zuvor noch mit einem Doppelfehler vergeben, ehe er beim dritten den Erfolg perfekt machte.

Gegen Fritz soll diesmal alles anders laufen

Um seine Titelhoffnung am Leben zu halten, muss Zverev erstmals seit mehr als zwei Jahren wieder gegen Fritz gewinnen. Die aktuelle Niederlagenserie gegen den Weltranglisten-Siebten hatte ausgerechnet in Wimbledon begonnen – vor zwei Jahren im Achtelfinale.

Auf Rasen verlor der Deutsche gegen Fritz zudem das Finale von Stuttgart 2025 und zuletzt auch das Halbfinale in Halle. Dort war Zverev nach eigenen Angaben wegen eines fehlerhaften Sensors von seiner Diabetes-Erkrankung beeinträchtigt worden. Abgesehen von diesem Match sei er gegen Fritz zuletzt meist nicht in Bestform gewesen, während der Amerikaner besser gespielt habe. Diesmal soll das anders werden.

Der Erfolg gegen Lehecka könnte ihm zusätzlich Selbstvertrauen geben: Es war sein erster Wimbledon-Sieg gegen einen Top-20-Spieler.

Struff verabschiedet sich stolz und enttäuscht

Für Jan-Lennard Struff endete der überraschende Lauf in London im Viertelfinale. Der 36-Jährige musste sich dem italienischen Weltranglistenersten Jannik Sinner mit 5:7, 6:7 (4:7), 3:6 geschlagen geben, wirkte danach aber zugleich gefasst, enttäuscht und stolz.

Struff erwischte den besseren Start und war anfangs sogar der stärkere Spieler. Zwei Sätze lang setzte er Sinner mit seinem mutigen und aggressiven Tennis immer wieder unter Druck. Selbst vom knapp verlorenen ersten Satz und einem Rückstand im zweiten Durchgang ließ er sich nicht aus dem Konzept bringen und erspielte sich einen Satzball.

In der entscheidenden Phase ließ die Kraft dann etwas nach. "Im dritten Satz ist die Energie leider weggegangen für ein, zwei Spiele, das hat er dann gnadenlos ausgenutzt", sagte Struff. Der vergebene Satzball werde ihm aber nicht den Schlaf rauben.

Struffs Lauf als Signal nach harter Saison

Trotz des Ausscheidens zog Struff ein positives Fazit. Dass er diesen Erfolg mit 36 Jahren geschafft habe, sei für ihn ein Beleg dafür, niemals aufzugeben. "Ich bin natürlich auch stolz. All der Kampf und alles – das ist es wert", sagte der Davis-Cup-Spieler. Er hoffe, dass ihn dieses Ergebnis weiter anschiebe. Nach einer bislang schwierigen Saison sei Wimbledon ein Höhepunkt seiner Karriere gewesen.

Auch ohne den Sprung ins Halbfinale bleibt Struffs Turnier in London ein großer Erfolg. Der Warsteiner erreichte nicht nur erstmals das Achtelfinale des Rasenklassikers, sondern direkt sein erstes Grand-Slam-Viertelfinale – als ältester Viertelfinal-Debütant bei einem Major.

Lob von Sinner für Struff

Sinner blieb diesmal ein körperlicher Einbruch erspart und darf weiter vom Titel träumen. Nach dem Match zollte er Struff großen Respekt. Der Italiener betonte, Struff habe sich seinen Erfolg verdient und sei zudem ein großartiger Mensch. Gerade zu Beginn habe er selbst große Probleme gehabt, weil der Deutsche besser ins Match gefunden habe.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen