Zverev erstmals im Wimbledon-Viertelfinale – nun wartet Angstgegner Fritz
Alexander Zverev hat in Wimbledon zum ersten Mal das Viertelfinale erreicht. Der deutsche Tennisstar setzte sich in seiner am Vortag unterbrochenen Achtelfinalpartie gegen den Tschechen Jiri Lehecka trotz spürbarer Probleme mit 6:4, 7:5, 3:6, 7:6 (8:6) durch. Für Jan-Lennard Struff endete zuvor der überraschende Lauf bis in sein erstes Grand-Slam-Viertelfinale mit einem 5:7, 6:7 (4:7), 3:6 gegen Titelverteidiger Jannik Sinner aus Italien.
Zverev mit Premiere – im Viertelfinale wartet Fritz
Zverev feierte in London seine Viertelfinal-Premiere und nahm den langen Anlauf mit Humor. „Wer hätte gedacht, dass ich nur zwölf Jahre brauche, um dahin zu kommen“, sagte der Hamburger im Siegerinterview selbstironisch. Zufrieden ist der Weltranglisten-Dritte damit aber noch nicht: „Ich bin unglaublich glücklich. Natürlich will ich noch drei Matches hier spielen.“
Schon am Mittwoch geht es für den Mitfavoriten weiter. Einen Monat nach seinem Grand-Slam-Triumph in Paris spielt Zverev in London um den Einzug ins Halbfinale. Gegner ist Taylor Fritz, die Partie ist als zweites Match nach 14.00 Uhr angesetzt.
Um seine Titelhoffnung am Leben zu halten, muss Zverev erstmals seit mehr als zwei Jahren wieder gegen den US-Amerikaner gewinnen. Die vergangenen sieben Duelle hat der Deutsche verloren. Mit Blick auf das Viertelfinale der beiden starken Aufschläger sagte Zverev: „Es wird wohl nicht sehr unterhaltsam.“
Schwierige Fortsetzung gegen Lehecka
Zverevs Achtelfinale war am Montagabend bei einer 2:0-Satzführung und einem Stand von 3:3 im dritten Durchgang wegen der Wimbledon-Sperrstunde um 23.00 Uhr Ortszeit unterbrochen worden. Rund 17 Stunden später fand der Deutsche bei der Fortsetzung auf dem Centre Court zunächst nicht mehr zu seiner souveränen und selbstbewussten Form vom Vorabend zurück.
„Mental ist es schwieriger als physisch“, sagte Zverev über die Aufgabe, direkt am nächsten Tag wieder antreten zu müssen. Gegen Lehecka fehlte ihm deutlich das Gefühl. „Ich habe gar kein Gefühl gehabt“, erklärte er bei Prime.
Während Zverev Mühe hatte, startete Lehecka furios in die Fortsetzung und holte sich mit drei schnellen Spielen den dritten Satz. Auch im vierten Durchgang wirkte Zverev energieloser als am Abend zuvor und tat sich vor allem gegen den Aufschlag des Weltranglisten-14. schwer. Im Tiebreak brachte er den Sieg schließlich doch über die Linie und verwandelte nach insgesamt 3:22 Stunden seinen dritten Matchball. Den zweiten hatte er bei eigenem Aufschlag mit einem Doppelfehler vergeben.
Erster Wimbledon-Sieg gegen einen Top-20-Spieler macht Mut
Der Erfolg könnte Zverev zusätzlich Selbstvertrauen geben: Es war sein erster Wimbledon-Sieg gegen einen Top-20-Spieler. Ausgerechnet gegen Fritz hatte vor zwei Jahren in London die aktuelle Niederlagenserie begonnen. Auf Rasen verlor Zverev gegen den Weltranglisten-Siebten zudem das Finale 2025 in Stuttgart und zuletzt auch das Halbfinale in Halle. Dort hatte ihn seine Diabetes-Erkrankung beeinträchtigt, weil ein Sensor einen falschen Wert angezeigt hatte.
Struff fordert Sinner und verkauft sich stark
Für Jan-Lennard Struff endete der unerwartete Erfolgslauf in Wimbledon im Viertelfinale. Der 36-Jährige musste sich dem italienischen Weltranglistenersten Jannik Sinner mit 5:7, 6:7 (4:7), 3:6 geschlagen geben, verkaufte sich dabei aber erneut stark. Nach 2:35 Stunden war das Wimbledon-Märchen des ältesten Grand-Slam-Viertelfinaldebütanten beendet.
Struff erwischte den besseren Start und war mit seinem aggressiven, mutigen Spiel anfangs sogar der bessere Spieler. Zwei Sätze lang konnte der Außenseiter den Favoriten immer wieder ärgern und setzte Sinner unter Druck. Auch vom knapp verlorenen ersten Satz und einem Rückstand im zweiten Durchgang ließ sich der Sauerländer nicht aus dem Konzept bringen und erspielte sich sogar einen Satzball, den Sinner jedoch abwehrte.
In der entscheidenden Phase machte sich dann bemerkbar, dass Struff etwas die Kraft ausging. „Im dritten Satz ist die Energie leider weggegangen für ein, zwei Spiele, das hat er dann gnadenlos ausgenutzt“, sagte Struff bei Prime. „Ich war topmotiviert, aber den Fokus zu halten, war das schwierig.“
Lob von Sinner für Struff
Sinner blieb diesmal ein körperlicher Einbruch erspart und darf weiter vom Titel träumen. Nach dem Match zollte er Struff großen Respekt: „Er verdient alles, was er erreicht hat. Er ist eine großartige Person. Am Anfang hatte ich das Gefühl, dass er besser angefangen hat als ich, ich hatte zu kämpfen“, sagte der Italiener.
Struffs Wimbledon-Auftritt bleibt ein großer Erfolg
Auch ohne den Sprung ins Halbfinale ist Struffs Turnier in London ein großer Erfolg. Der Warsteiner kämpfte sich nicht nur erstmals ins Achtelfinale des Rasen-Klassikers, sondern sogar in sein erstes Grand-Slam-Viertelfinale.
Dieser Lauf steht auch für seine Hartnäckigkeit. Struff musste in seiner Karriere immer wieder Rückschläge wegstecken und sich zurückkämpfen. Vor Wimbledon hatte er eine schwierige Saison erlebt, in der ihm kein einziges Mal zwei Siege nacheinander gelungen waren.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber