Bayern

Wiesnzelt-Knall: Flößerstadl verdrängt Münchner Stubn

Wiesn-Wende in letzter Minute: Klaus Bartl bekommt doch noch sein Zelt – doch der Streit um die Vergabe brodelt weiter.

07.07.2026, 16:49 Uhr

Nach wochenlangem Streit ist nun auch die Vergabe des letzten noch offenen Wiesnzelts entschieden: Nach Angaben von Münchens Wirtschaftsreferent und Oktoberfestleiter Christian Scharpf (SPD) soll Gastronom Klaus Bartl den Zuschlag erhalten. Das neue Festzelt soll den Namen Bartls Flößerstadl tragen.

Ursprünglich hatte der Münchner Wirt Alexander Egger bereits den Vertrag der Stadt für den Standort in Aussicht. Er ließ jedoch die Frist zur Unterzeichnung verstreichen.

Aufbau unter großem Zeitdruck

Wie Scharpf nach einer internen Besprechung erklärte, habe es fraktionsübergreifend breite Zustimmung gegeben, nun einem anderen Bewerber die Chance zu geben. Er zeigte sich erleichtert, dass mit Bartl rasch ein Nachfolger gefunden worden sei, der sich zutraue, Zeltbau und organisatorische Vorbereitung in nur zehn Wochen zu bewältigen. Die Stadt wolle ihm dafür einen Vertrag für eine Hühnerbraterei anbieten.

Die Zeit drängt: Mit dem Aufbau der übrigen Festzelte wurde bereits Ende Juni begonnen. Ein komplett neues Zelt in so kurzer Zeit aufzustellen, gilt als große logistische Herausforderung. Scharpf verwies jedoch auf viel Unterstützung innerhalb der Wirtefamilie und zeigte sich deshalb optimistisch, dass Bartls Flößerstadl rechtzeitig fertig wird.

Wiesn-Plätze sind heiß begehrt

Bartl betreibt bislang die Almwirtschaft in Haar sowie den Campingplatz in Thalkirchen, der bei internationalen Oktoberfest-Besuchern seit Jahren Kultstatus genießt. Schon seit längerer Zeit hatte er sich immer wieder um einen Platz auf der Wiesn bemüht. Für dieses Jahr war seine Bewerbung zunächst jedoch abgelehnt worden, wie er der "tz" sagte.

Aufbau des 191. Oktoberfestes
Ende Juni hat der Aufbau des Oktoberfestes begonnen. (Archivbild) Quelle: Peter Kneffel/dpa

Warum Egger die ihm gebotene Möglichkeit letztlich nicht nutzte, blieb unklar. Ein Sprecher erklärte dazu lediglich, man wolle die Angelegenheit nicht weiter kommentieren. Egger hatte sich ursprünglich um ein großes Festzelt beworben, war dabei aber nicht zum Zug gekommen.

Rechtsstreit um die Zeltvergabe bleibt offen

Seitdem sorgt Egger mit seinem Vorgehen für Diskussionen und Verärgerung unter den anderen Wiesnwirten. Er stellt das bisherige Vergabeverfahren der Stadt grundsätzlich infrage. Vor Gericht lässt er prüfen, ob die großen Traditionszelte – insbesondere das Paulaner-Zelt und das Schottenhamel, in dem traditionell angezapft wird – nach europäischem Vergaberecht vergeben werden müssten.

Das hätte eine europaweite Ausschreibung zur Folge. Andere Wirte warnen, dass das Oktoberfest dadurch seinen besonderen Charakter verlieren könnte. Aus ihrer Sicht dürfe das Volksfest nicht an internationale Großkonzerne fallen.

In erster Instanz blieb Egger mit seinem Antrag vor der Vergabekammer Südbayern erfolglos. Gegen diese Entscheidung legte er jedoch Rechtsmittel ein. Das Bayerische Oberste Landesgericht will nun am 11. September mündlich darüber verhandeln – nur acht Tage vor dem Start des Oktoberfests am 19. September. Egger kündigte an, alle juristischen Möglichkeiten ausschöpfen zu wollen, um aus seiner Sicht echte Chancengleichheit auf der Wiesn durchzusetzen.

Für die diesjährige Wiesn wird das allerdings wohl nichts mehr ändern: Der Aufbau des Paulaner- und des Schottenhamel-Zelts läuft bereits. Letzteres befindet sich seit mehr als 150 Jahren in den Händen der Familie Schottenhamel.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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