Kritik an Ehrung für AfD-Politiker in Oberfranken wächst
Nach der umstrittenen Auszeichnung eines AfD-Politikers steht der Bezirk Oberfranken weiter in der Kritik. Stephan Doll, Vorsitzender der Allianz gegen Rechtsextremismus in der Metropolregion Nürnberg, forderte den Bezirkstag auf, die verliehene Ehrung wieder abzuerkennen.
Die Allianz erklärte, sie reagiere mit großem Unverständnis und scharfer Kritik auf die Verleihung der silbernen Ehrenmedaille an den AfD-Politiker Michael Genniges. Eine glaubwürdige Haltung gegen Rechtsextremismus dürfe nicht an einer feierlichen Veranstaltung enden, sagte Doll. Die Ehrung sei ein schwerwiegender Fehler, weil sie zur gesellschaftlichen Normalisierung einer rechtsextremen und völkisch geprägten Partei beitrage.
Warnung vor politischer Aufwertung
Doll betonte weiter, wer einen aktiven AfD-Funktionär und Mandatsträger öffentlich ehre, würdige nicht nur dessen kulturellen oder ehrenamtlichen Einsatz. Eine solche Auszeichnung verschaffe zugleich gesellschaftliche Anerkennung und politische Legitimation für eine Partei, die die freiheitlich-demokratische Grundordnung angreifen wolle. Die Argumentation, man habe lediglich einzelne Verdienste berücksichtigt, bezeichnete er als historisch folgenschwere Fehleinschätzung.
Jedes Jahr vergibt der Bezirk Oberfranken Ehrenmedaillen an Persönlichkeiten, die sich in Politik, Kultur oder Ehrenamt um das Gemeinwohl verdient gemacht haben. Im Mai gehörte auch der frühere Buchhändler Michael Genniges aus Scheßlitz bei Bamberg zu den Geehrten. Bereits im November 2025 hatte eine Mehrheit im von der CSU dominierten Bezirkstag einen entsprechenden Antrag der AfD-Fraktion unterstützt. Auch Bezirkstagspräsident Henry Schramm (CSU) stimmte dafür und überreichte Genniges die Medaille bei einem Festakt auf Schloss Thurnau.

Selbstkritik aus der CSU
Inzwischen hat sich auch aus der CSU Kritik an der Entscheidung geregt. Der Lichtenfelser Landrat und Bezirksrat Christian Meißner äußerte sich im Bayerischen Rundfunk selbstkritisch und sagte: „Wir haben Grund, Buße zu tun.“
Nach Angaben der Allianz gegen Rechtsextremismus gehören dem Bündnis derzeit 164 Kommunen sowie 365 zivilgesellschaftliche Organisationen und Institutionen an.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion