Politik

Eklat in Tschechien: Rechtspartei will Sudetentag stoppen

Brisantes Pfingsttreffen in Brünn: Eine tschechische Regierungspartei will es kippen – jetzt eskaliert der Streit im Parlament.

06.05.2026, 11:15 Uhr

Ein in Tschechien geplantes Treffen der Sudetendeutschen Landsmannschaft sorgt im Nachbarland für heftige Kritik. Die ultrarechte Regierungspartei Freiheit und direkte Demokratie (SPD) brachte im Prager Parlament eine Entschließung gegen den sogenannten Sudetendeutschen Tag ein. Das traditionelle Pfingsttreffen der Landsmannschaft ist für den 22. bis 25. Mai in Brünn (Brno) vorgesehen – erstmals überhaupt auf tschechischem Boden.

Kontroverse im Parlament

Im tschechischen Abgeordnetenhaus prallten die Positionen deutlich aufeinander. Unterstützer sehen in der Veranstaltung ein Signal der Annäherung und Verständigung. Gegner befürchten dagegen, dass dadurch die Nachkriegsordnung und die Folgen des Zweiten Weltkriegs infrage gestellt werden könnten. Ein Termin für die Abstimmung über den Antrag steht bislang noch nicht fest.

Der Entwurf fordert die Organisatoren unter anderem dazu auf, das Vorhaben nicht weiterzuverfolgen. Zugleich wird darin "jede Relativierung nationalsozialistischer Verbrechen" sowie "jede Infragestellung der Rechts- und Eigentumsverhältnisse" in Tschechien zurückgewiesen.

Historischer Hintergrund

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden infolge der NS-Besatzung und ihrer Verbrechen rund drei Millionen Deutsche aus der damaligen Tschechoslowakei vertrieben. Ein großer Teil von ihnen ließ sich später in der Bundesrepublik nieder. Bayern übernahm bereits 1954 die Schirmherrschaft für die Volksgruppe der Sudetendeutschen. Das Verhältnis zwischen Sudetendeutschen und Tschechen blieb über viele Jahrzehnte belastet.

Tschechiens populistischer Regierungschef Andrej Babis äußerte sich bisher nur zurückhaltend zu dem geplanten Treffen. Er verwies darauf, dass die Sudetendeutschen von dem Kulturfestival "Meeting Brno" eingeladen worden seien und sprach in diesem Zusammenhang von einer Bürgerinitiative. Unterstützung für die Veranstaltung kommt hingegen von Brünns Oberbürgermeisterin Marketa Vankova, die sich öffentlich dafür ausgesprochen hat.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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