Politik

Cyberalarm: Mehr Angriffe aus Russland, China, Nordkorea

Cyberangriffe eskalieren: Hinter Erpressung und Sabotage sollen immer öfter Geheimdienste aus drei Staaten stecken.

31.08.2026, 16:43 Uhr

Die Zahl der Cyberangriffe aus Russland, China und Nordkorea auf bayerische Behörden, Unternehmen und Einrichtungen der kritischen Infrastruktur steigt nach Einschätzung der Staatsregierung weiter. Bei politisch motivierten Attacken seien diese drei Länder klar die wichtigsten Ursprungsstaaten, erklärte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) in München.

Bei der Vorstellung des aktuellen Lageberichts zur Cybersicherheit sagte Herrmann, die hybride Gefährdung durch Spionage, Sabotage, Desinformation und digitale Angriffe habe ein bislang unbekanntes Ausmaß erreicht. Ziel ausländischer Nachrichtendienste sei es, Informationen zu gewinnen, Einfluss auszuüben oder Sabotage zu verüben.

Hohe Dunkelziffer vermutet

Nach Angaben Herrmanns registrierte die bayerische Polizei im vergangenen Jahr 49.468 Fälle von Cyberkriminalität. Das entspricht einem Plus von 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für das laufende Jahr rechnet die Staatsregierung nicht mit einer Entspannung, sondern eher mit einem weiteren Anstieg.

Die Delikte reichen von Online-Betrug, Erpressung und Datendiebstahl bis hin zu politisch motivierten Angriffen. Behörden und private IT-Sicherheitsfirmen gehen zudem davon aus, dass viele Fälle gar nicht bekannt werden und die Dunkelziffer weiterhin hoch ist.

6.000 sicherheitsrelevante Vorfälle

Finanzminister Albert Füracker (CSU) zufolge bearbeitete das Landesamt für Sicherheit in der Informationstechnik im vergangenen Jahr rund 6.000 sicherheitsrelevante Vorfälle. Betroffen waren dabei staatliche Behörden, Kommunen sowie Betreiber kritischer Infrastruktur. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet das einen Zuwachs von zehn Prozent. Füracker betonte, die Angriffe würden nicht nur häufiger, sondern auch spürbar schneller und komplexer.

Viele Täter sitzen im Ausland

Wie oft Verdächtige in den von der Polizei erfassten Fällen tatsächlich identifiziert und später verurteilt werden, lässt sich kaum beziffern. Zwar gibt es seit 2015 bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg eine Zentralstelle Cybercrime für größere Verfahren, eine eigene umfassende Justizstatistik zur Cyberkriminalität wird jedoch nicht geführt.

Stattdessen werden die Taten in der Strafverfolgung meist den jeweiligen Deliktsbereichen wie Betrug oder Erpressung zugeordnet, ohne gesondert zwischen digitalen und herkömmlichen Vorgehensweisen zu unterscheiden. Laut Cybersicherheitsbericht befinden sich 72 Prozent der Täter im Ausland. Justizminister Georg Eisenreich (CSU) hob deshalb die Bedeutung enger Zusammenarbeit auf nationaler und internationaler Ebene hervor, unter anderem mit Interpol, Eurojust, Europol und Nachrichtendiensten.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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