Wirtschaft

Renk dreht bei Panzergetrieben jetzt massiv auf

Panzer sind im Drohnenkrieg erledigt? Warum Renk trotzdem auf Kampfpanzer setzt – und ihre Zukunft überraschend rosig sieht.

31.08.2026, 15:47 Uhr

Renk steigert Produktion von Panzergetrieben deutlich

Der Antriebsspezialist Renk baut seine Fertigung für Panzergetriebe massiv aus. Nach Angaben von Vorstandsmitglied Emmerich Schiller lag die Zahl 2023 noch bei weniger als 600 Einheiten. In diesem Jahr sollen es bereits mehr als 800 sein, bis 2030 sogar über 2000. Vor dem Hintergrund der sicherheitspolitischen "Zeitenwende" rechnet das Unternehmen mit anhaltend guten Geschäften im Verteidigungssektor. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine bestellen Nato-Staaten deutlich mehr Panzer und andere Rüstungsgüter als in der Vergangenheit.

Bis 2028 will Renk in Deutschland bis zu 325 Millionen Euro in Digitalisierung und den Ausbau von Kapazitäten investieren. Am Standort Rheine wurden nun neue Maschinen in Betrieb genommen, die die Fertigung von Getriebekomponenten beschleunigen. Bei bestimmten Bauteilen, den sogenannten Planetenträgern, sinkt der notwendige Arbeitsaufwand nach Unternehmensangaben um rund 60 Prozent.

Schiller sagte, das Unternehmen entwickle sich an diesem Standort von einer eher handwerklich geprägten Fertigung hin zu einer Kleinserienproduktion. In den vergangenen Jahren seien dafür bereits Maschinen im Wert von 20 Millionen Euro angeschafft worden. Weitere 20 Millionen Euro sollen in den nächsten Jahren folgen.

Mehr Fokus auf das Verteidigungsgeschäft

Wie viele Industriebetriebe richtet auch Renk seine Produktion stärker auf den Rüstungsmarkt aus, da dort die Nachfrage wesentlich höher ist als im zivilen Geschäft. Bislang wurden in Rheine überwiegend Teile für zivile Anwendungen gefertigt, etwa für Getriebe von Containerschiffen. Künftig soll das Werk teilweise auf militärische Produkte umgestellt werden, unter anderem auf Planetenträger für Panzergetriebe.

Panzergetriebe von Renk
Renk-Manager Emmerich Schiller hält einen Planetenträger in der Hand, ein Bauteil für ein Panzergetriebe. Im Vordergrund sind 50 Kilo schwere Stahlscheiben zu sehen, aus denen der 15 Kilo schwere Planetenträger mit neuen Maschinen gefertigt wird. Quelle: Wolf von Dewitz/dpa

Nach den Planungen des Unternehmens sollen 2030 bis zu 30 Prozent der Produktion in Rheine an militärische Kunden gehen. Derzeit liegt dieser Anteil bei rund fünf Prozent. Dazu zählen etwa Getriebegehäuse für Fregatten. Gleichzeitig soll die Belegschaft am Standort von derzeit gut 450 auf mehr als 500 Beschäftigte wachsen. Schiller sprach von einem erheblichen Bedarf an Fachkräften. Die Endmontage der Panzergetriebe erfolgt weiterhin im Stammwerk in Augsburg.

Renk setzt weiter auf Bedeutung des Panzers

Die Getriebe des Unternehmens kommen unter anderem im Leopard-Kampfpanzer zum Einsatz. Der Krieg in der Ukraine hat jedoch gezeigt, dass Drohnen auf dem Schlachtfeld heute eine deutlich größere Rolle spielen als früher. Einige Branchenbeobachter gehen deshalb davon aus, dass Kampfpanzer in künftigen Konflikten an Bedeutung verlieren könnten.

Schiller sieht das anders. Er ist überzeugt, dass Kampfpanzer und andere gepanzerte Fahrzeuge noch über viele Jahre gebraucht werden. Aus seiner Sicht werden Drohnen den Panzer nicht ersetzen, sondern mit ihm zusammenwirken. Künftige Einsätze würden in einem Verbund verschiedener Systeme stattfinden, in dem bemannte Fahrzeuge und unbemannte Technik gemeinsam operieren.

Außerdem werde es laut Schiller weiterhin Bedarf an geschützter Mobilität auf dem Gefechtsfeld geben. Für Soldaten in vorderster Linie seien gepanzerte Kettenfahrzeuge nach wie vor unverzichtbar. Drohnen hätten sich in der Ukraine zwar besonders in der Defensive bewährt. Für offensive Operationen brauche es jedoch weiterhin die Durchsetzungskraft, die Panzer bieten könnten.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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