Scharf sieht Bayern zum Start des Ganztagsanspruchs und des Kita-Jahres gut vorbereitet
Bayerns Sozialministerin Ulrike Scharf (CSU) rechnet zum Beginn des neuen Schuljahres nicht mit größeren Engpässen bei der Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder. Nach ihren Worten sollen alle Erstklässler, deren Eltern ein entsprechendes Angebot wünschen, einen Platz in einem Hort, in der Mittagsbetreuung oder in einer vergleichbaren Einrichtung erhalten. Damit könne der zunächst für die erste Jahrgangsstufe geltende Rechtsanspruch erfüllt werden.
Zwei Wochen vor dem Schulstart sagte Scharf, derzeit sei keine einzige Klage bekannt. Auch größere Beschwerden oder ein breiter Protest seien bislang ausgeblieben. Aus den bisherigen Rückmeldungen lasse sich ableiten, dass der Anspruch auf Ganztagsbetreuung zum Start umgesetzt werden könne.
Zugleich betonte die Ministerin, dass die Schaffung der nötigen Plätze für alle Beteiligten ein Kraftakt sei. Der Freistaat stehe dazu in engem Austausch mit den Kommunen. Schon jetzt nutzten nach ihren Angaben mehr als 300.000 Grundschulkinder in Bayern Ganztagsangebote, das entspricht rund 60 Prozent.
Rekordzahlen bei Kitas und Personal in Bayern
Auch mit Blick auf den Start des neuen Kita-Jahres an diesem Dienstag sieht Scharf den Freistaat gut aufgestellt. In Bayern gibt es inzwischen gut 11.000 staatlich geförderte Kindertageseinrichtungen – so viele wie nie zuvor. Dort werden fast 650.000 Kinder von rund 130.000 Fach- und Ergänzungskräften betreut.
Im Vergleich zu vor 15 Jahren bedeutet das einen deutlichen Zuwachs: Die Zahl der Kitas stieg um 37 Prozent, die Zahl der betreuten Kinder um 42 Prozent und die Zahl der Fach- und Ergänzungskräfte sogar um 114 Prozent.
Scharf zeigte sich deshalb zuversichtlich, dass sich der starke Personalmangel der vergangenen Jahre weiter abschwächen wird. Ihr Ziel sei, den Fachkräftebedarf bis 2027 vollständig decken zu können. Zur Begründung verwies sie auf aktuelle Studien, mehr Fachakademien, zusätzliche Weiterbildungsangebote für Quereinsteiger sowie steigende Zahlen bei Studienanfängern.
Verbände hatten zuletzt allerdings erneut auf Probleme hingewiesen. Sie beklagen weiterhin fehlendes Personal, wachsenden Stress in den Einrichtungen und einen aus ihrer Sicht zu geringen Anteil ausgebildeter Fachkräfte – auch im Vergleich mit anderen Bundesländern.
Hinzu kommt nach Darstellung der Ministerin, dass der Unterstützungsbedarf in den Kitas steigt. Fast jedes zweite betreute Kind habe inzwischen einen „besonderen Bedarf“ – etwa wegen eines Migrationshintergrunds, eines Alters unter drei Jahren oder einer Behinderung.
Unterstützung für kleinere Einrichtungen im ländlichen Raum
Trotz insgesamt hoher Auslastung verläuft die Entwicklung laut Scharf nicht überall gleich. In manchen Regionen fehlen kleineren Einrichtungen bereits Kinder, was ihren Fortbestand erschwert. Die Ministerin stellte deshalb weitere Unterstützung in Aussicht.
So soll die sogenannte Landkindergartenregelung weiterhin helfen, Schließungen in dünn besiedelten Gebieten zu vermeiden, wenn wegen sinkender Geburtenzahlen zu wenige Anmeldungen eingehen.
Kritik an Staatsregierung bei Gebühren zurückgewiesen
Den Vorwurf, die Staatsregierung trage Mitverantwortung für steigende Kita-Gebühren in einzelnen Kommunen, wies Scharf zurück. Kurz vor der Sommerpause war das neue Kita-Gesetz im Landtag beschlossen worden. CSU und Freie Wähler hatten dabei entschieden, das direkt an Eltern ausgezahlte bayerische Familien- und Krippengeld vollständig zu streichen und die frei werdenden Mittel stattdessen in die staatliche Betriebskostenförderung der Kitas umzulenken.
Scharf argumentierte, damit werde mehr Geld ins System gegeben und zugleich Bürokratie abgebaut. Aus ihrer Sicht können die jüngst beschlossenen Reformen deshalb nicht als Begründung für höhere Elternbeiträge herangezogen werden. Sie gehe zudem davon aus, dass die Kommunen bei solchen Entscheidungen verantwortungsvoll handelten.
Kita-Träger hatten dagegen bereits gewarnt, dass viele Einrichtungen wegen enger finanzieller Spielräume und fortbestehender Defizite nicht um weitere Beitragsanpassungen herumkommen könnten. Einen landesweiten Überblick darüber, in wie vielen Kitas Gebühren steigen, hat das Sozialministerium nach eigenen Angaben jedoch nicht.
Geburtenrate sinkt, Betreuungsbedarf steigt vorerst weiter
Mit Blick auf die kommenden Jahre verwies Scharf darauf, dass die Geburtenrate in Bayern inzwischen im dritten Jahr in Folge zurückgeht. Zugleich bleibe der Freistaat ein Zuzugsland. Deshalb steige die Zahl der zu betreuenden Kinder derzeit noch weiter. Nach Einschätzung von Wissenschaftlern sei der Höchststand dabei noch nicht erreicht.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber