Politik

600 NS-Opfer-Dokumente: Warum sie jetzt wichtig sind

Auktion gestoppt, Proteste erfolgreich: Holocaust-Dokumente gehen an Gedenkstätten – und plötzlich kommt ein neues Gesetz.

06.07.2026, 15:00 Uhr

Mehr als 600 persönliche Unterlagen von Opfern des Holocaust, deren geplanter Verkauf weltweit Empörung ausgelöst hatte, sind an Gedenkstätten und Archive übergeben worden.

Zur Übergabe im Landtag von Nordrhein-Westfalen kamen Vertreterinnen und Vertreter von zehn deutschen Erinnerungsorten und ehemaligen Konzentrationslagern zusammen, darunter Bergen-Belsen, Buchenwald, Dachau, Sachsenhausen sowie Hadamar. In Hadamar ermordeten die Nationalsozialisten tausende kranke Menschen und Menschen mit Behinderungen.

Die Sammlung umfasst unter anderem Postkarten aus Lagern, Schreiben von Tätern sowie sogenanntes Lagergeld. Anfang des Jahres hatte die Stiftung Auschwitz-Birkenau die Stücke treuhänderisch übernommen, nachdem eine Auktion in Neuss bei Düsseldorf abgesagt worden war. Dafür hatte sich ein Bündnis aus Kirche, Politik, Wirtschaft und Medien eingesetzt, damit die Dokumente dauerhaft in den Archiven von Gedenkstätten gesichert werden.

Landtagspräsident André Kuper dankte den zahlreichen Spenderinnen und Spendern, die den Erwerb ermöglicht hatten. Nach seinen Worten seien die rund 600 Dokumente damit dem privaten Handel entzogen. Sie gehörten nun an Orte des Gedenkens, an denen das Leid der Opfer und die menschenverachtenden Motive der Täter sichtbar gemacht würden.

Geplantes Verbot des gewerblichen Handels

Inzwischen hat der Bundesrat eine Gesetzesinitiative beschlossen, die den kommerziellen Handel mit persönlichen Dokumenten und Gegenständen von Opfern der NS-Gewaltherrschaft untersagen soll. Nordrhein-Westfalen hatte den Vorstoß in die Länderkammer eingebracht. Als Nächstes muss sich der Bundestag mit dem Entwurf befassen.

Auslöser war die kurzfristig gestoppte Versteigerung in Neuss im November 2025. Dort sollten hunderte Unterlagen aus der Zeit des Nationalsozialismus verkauft werden, darunter Briefe aus Konzentrationslagern, Gestapo-Karteikarten und weitere Dokumente. Viele davon enthielten persönliche Angaben und die Namen der Betroffenen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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