Die Deutsche Bahn rechnet für eines ihrer größten Neubauvorhaben inzwischen mit deutlich höheren Kosten. Für Planung und Bau des deutschen Brenner-Nordzulaufs zwischen München und der österreichischen Grenze veranschlagt die Projektleitung derzeit 8,57 Milliarden Euro. Zusätzlich wurden Reserven für Risiken und Inflation von zusammen fast 7,6 Milliarden Euro eingeplant.
Hohe Reserve eingeplant
Dass große Infrastrukturprojekte oft teurer werden als zunächst kalkuliert, gilt als wahrscheinlich. Nach Einschätzung der Bahn dürfte der beim Brenner-Nordzulauf angesetzte Sicherheitspuffer jedoch nicht vollständig benötigt werden. Unter anderem sei bei der Inflationsannahme mit bis zu zehn Prozent bewusst sehr großzügig gerechnet worden. Die Verbindung über die Alpen inklusive des Nordzulaufs ist Teil des europäischen Scan-Med-Korridors, der von Skandinavien bis nach Italien reicht und voraussichtlich mit EU-Mitteln unterstützt wird.
Bundestag soll Unterlagen erhalten
Noch 2021 hatte die Bahn die möglichen Gesamtkosten auf knapp acht Milliarden Euro geschätzt. Nun steht das seit Jahren verzögerte Projekt vor einer wichtigen Etappe. Das Bundesverkehrsministerium will die Planungsunterlagen der Bahn für die Strecke zusammen mit einem Bericht des Ministeriums und einer Bewertung des Eisenbahn-Bundesamts in Kürze an den Bundestag weiterleiten. Das teilte ein Sprecher von Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) in Berlin mit.
Der Brennerbasistunnel und die dazugehörigen Zulaufstrecken in Bayern, Tirol und Italien sollen langfristig die mehr als 150 Jahre alte und kurvenreiche Alpenroute ersetzen. Dadurch könnte sich die Reisezeit zwischen Deutschland und Italien um rund zwei Stunden verkürzen. Mit dem Tunnelbau wurde bereits 2015 begonnen, ab 2032 sollen Züge dort verkehren. Ohne eine neue Zulaufstrecke auf deutscher Seite ließe sich die volle Leistungsfähigkeit des Tunnels allerdings nicht ausschöpfen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber