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Warum deutsche Brauereien Coca-Cola im Cola-Mix-Markt herausfordern

Coca-Cola ist ein weltweit agierender Getränkegigant. Im Vergleich dazu sind deutsche Brauereien Zwerge. Das hält sie aber nicht davon ab, dem Riesen die Stirn zu bieten.

22.04.2026, 04:00 Uhr

Cola-Mix-Getränke nach Art von Spezi erleben in der deutschen Brauwirtschaft derzeit einen kräftigen Aufschwung. Für viele Hersteller sind sie in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ein attraktives Wachstumsfeld, das sie nicht verpassen wollen. Brauereien wie Gold Ochsen aus Ulm, die Darmstädter Privatbrauerei, Stauder, Veltins und Flensburger bringen entsprechende Produkte auf den Markt und unterstützen den Verkauf im Handel häufig mit Sonderaktionen.

Worum geht es?

Für Coca-Cola bedeutet das vor allem neue Konkurrenz für Mezzo Mix, zunächst oft auf regionaler Ebene. Das Segment ist beachtlich: Nach Absatzzahlen aus dem Handel sind Cola-Orange-Mischgetränke im Lebensmittel- und Getränkemarkt deutlich größer als alkoholfreie Biere. Für Brauereien hat das einen zusätzlichen Vorteil: Sie können ihre vorhandenen Abfüllanlagen mit vergleichsweise geringem technischem Aufwand auch für solche Produkte nutzen und damit besser auslasten.

Warum ist der Trend so stark?

Der Erfolg hängt nicht nur mit dem Geschmack aus Cola und Orange zusammen. Eine wichtige Rolle spielt auch die auffällige Gestaltung der Produkte. Viele Hersteller setzen auf Retro-Optik und nostalgische Elemente. Marktführer Paulaner hat sein bekanntes Wellen-Design auf dem Etikett bereits zweimal gerichtlich verteidigt. Veltins wiederum will mit einem Dosen-Look im Stil von Schallplatten gezielt an den Nostalgie-Trend anknüpfen. Besonders junge Konsumenten sollen angesprochen werden, zumal sie im Schnitt weniger Alkohol trinken als frühere Generationen.

Ist das wirklich neu?

Ganz neu ist dieses Geschäftsfeld nicht. Nach Einschätzung des Branchenkenners Niklas Other greifen die Brauereien damit ein Erfolgsmodell aus den Nachkriegsjahrzehnten wieder auf. Damals füllten deutsche Brauereien und andere Produzenten Getränke für Coca-Cola und Pepsi ab und halfen so beim Ausbau des Geschäfts in Deutschland. Später übernahmen die US-Konzerne die Abfüllung selbst. Nun kehren die Brauereien gewissermaßen in dieses Segment zurück.

Welche Bedeutung hat Paulaner Spezi?

Einen besonders starken Impuls für den Markt sieht Other bei Paulaner. Der große Erfolg von Spezi gehe aus seiner Sicht vor allem auf diesen Hersteller zurück. Paulaner Spezi habe sich in der Kategorie sogar vor Schwip Schwap von Pepsi und Mezzo Mix von Coca-Cola an die Spitze gesetzt. Wenn weitere Brauereien den Trend verbreitern und sich Cola-Mix-Produkte zusätzlich stärker in der Gastronomie etablieren, könnte das auch für große Getränkekonzerne spürbar werden. Others Fazit: Viele kleine Wettbewerber können zusammen großen Druck erzeugen.

Warum suchen Brauer nach neuen Geschäftsfeldern?

Der Hintergrund ist der anhaltende Rückgang beim Konsum von alkoholhaltigem Bier in Deutschland. Nach einem historischen Minus von 5,8 Prozent im Jahr 2025 setzte sich die Talfahrt in den ersten Monaten des laufenden Jahres fort. Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bundes, Holger Eichele, rechnet deshalb mit einem sehr harten Jahr 2026. Die schwache Konsumstimmung belaste Handel, Gastronomie und die Brauwirtschaft gleichermaßen.

Wie reagieren die Unternehmen?

Ein Hoffnungsträger bleibt alkoholfreies Bier. Nach Angaben des Branchenverbandes stieg dessen Absatz 2025 um 7,6 Prozent. Alkoholfreie Biere und alkoholfreie Biermischgetränke machen inzwischen rund 11 Prozent des gesamten Bierkonsums aus. Allerdings weist Veltins darauf hin, dass dieses Wachstum bislang nur rund ein Drittel der Verluste bei alkoholhaltigem Bier ausgleichen konnte.

Droht ein weiterer Rückgang der Brauereien?

Die Zahl der Brauereien in Deutschland sinkt wieder. Nachdem 2019 mit 1.552 Betrieben ein Höchststand erreicht worden war, haben seither laut Brauer-Bund 137 Betriebe aufgegeben, darunter zahlreiche Traditionshäuser mit jahrhundertealter Geschichte. Die Beschäftigtenzahl blieb mit rund 27.400 allerdings nahezu stabil. Um Nachwuchs und Fachkräfte zu gewinnen, startet die Branche nun eine bundesweite Ausbildungskampagne für Berufe in Brauereien und Mälzereien.

Wo wird investiert?

Viele Brauereien wollen trotz des schwierigen Umfelds investieren. Laut einer Umfrage des Verbandes Private Brauereien planen 80 Prozent der Betriebe im Jahr 2026 entsprechende Ausgaben, vor allem im Energiebereich. Gleichzeitig beschäftigen sich zunehmend auch kleinere Brauereien mit der nötigen Technik zur Herstellung alkoholfreier Biere. Das Sortiment wird breiter, und alkoholfreie Getränke wie Limonaden gehören bei vielen Unternehmen schon seit Jahren fest zum Angebot.

Nach Einschätzung von Niklas Other wagt sich Paulaner mit einer eigenen Cola inzwischen sogar direkt in das Kerngeschäft von Coca-Cola vor. Ob sich dieser Schritt am Markt durchsetzt, hält er für offen. Der Start des Produkts im März verlief nach Angaben eines Unternehmenssprechers jedoch sehr gut.

Wie reagiert Coca-Cola?

Gelassen. Deutschland-Chef John Galvin sagte im Gespräch mit der „Lebensmittel Zeitung“, dass neue Anbieter Wachstum in die Kategorie brächten, weil sie neue Konsumenten anlockten. Mit Blick auf die Rückkehr von Pepsi bei einigen Händlern sowie den Erfolg von Spezi und ähnlichen Produkten sei das grundsätzlich nichts Negatives.

Was bedeutet das für Verbraucher?

Nach Daten des Marktforschungsunternehmens NIQ kommen derzeit zahlreiche neue Cola-Mix-Getränke in die Regale. In den vergangenen zwölf Monaten legte der Absatz, gestützt durch viele Sonderangebote, um mehr als 3 Prozent zu. Gleichzeitig stieg der Durchschnittspreis auf 1,16 Euro pro Liter und lag damit 5,6 Prozent über dem Vorjahreswert.

Auch Bier ist im Handel teurer geworden. Im ersten Quartal 2026 lag der durchschnittliche Literpreis laut NIQ bei 1,62 Euro, nach 1,57 Euro im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Sehr günstige Aktionen für nationale Pilsmarken, etwa für rund 10 Euro pro Kasten, sind kaum noch zu finden. Auch alkoholfreie Sorten wie Pils kosten inzwischen mehr.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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