Bei einer groß angelegten Übung im Sandbergtunnel in Thüringen, bei der am Wochenende die Rettung von Fahrgästen aus einem brennenden ICE trainiert wurde, ist es zu erheblichen Verzögerungen gekommen. Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) sagte, die Übung habe Schwachstellen in der Melde- und Alarmierungskette offengelegt, die sehr ernst genommen würden. Ein Vorfall wie am Samstag dürfe sich nicht wiederholen, betonte er. Dafür müssten alle Beteiligten gemeinsam an Verbesserungen arbeiten.
Nach Angaben des Innenministeriums kam es nach bisherigem Stand unter anderem zu Problemen bei der Übermittlung des simulierten Notrufs und bei der Alarmierung der Feuerwehr. Zusätzlich hätten ein technischer Defekt sowie mehrere reale Einsätze die Lage erschwert. Dazu zählten auch zwei schwere Verkehrsunfälle auf der Autobahn. Außerdem mussten einzelne Einheiten wegen einer zuvor veränderten Einsatzplanung längere Anfahrtswege in Kauf nehmen. Die genauen Abläufe werden weiter ausgewertet.
Rettungstrupps erst nach Stunden vor Ort
An der Übung am Samstag waren mehr als 250 Einsatzkräfte beteiligt. Mehrere Medien berichteten über Schwierigkeiten im Ablauf. Simuliert wurde ein Brand in einem ICE, aus dem Komparsen als Reisende gerettet werden sollten. Ziel der Übung war vor allem, das Zusammenspiel von Feuerwehr, Rettungsdienst und weiteren Organisationen zu erproben. Laut der Zeitung Freies Wort trafen die ersten Rettungstrupps erst mehr als zwei Stunden nach der Feuermeldung ein.
Kritik auch aus dem Ilm-Kreis
Auch die Landrätin des Ilm-Kreises, Petra Enders, räumte Mängel ein. In einer Stellungnahme sagte sie, die Übung habe deutlich gemacht, dass weiterhin große Defizite bestünden. Vor allem bei der Kommunikation habe es aus ihrer Sicht gravierende Probleme gegeben.
Zusätzlich kritisierte Enders die Nutzung von Faxgeräten bei Alarmierungswegen innerhalb der Thüringer Leitstellen. Ein Fax sei aus ihrer Sicht nicht mehr zeitgemäß.
Innenminister Maier forderte deshalb, die Alarmierungswege künftig regelmäßig zu überprüfen – technisch, organisatorisch und auch in praktischen Tests. Eine Tunnelübung in vergleichbarer Größenordnung hatte es zuletzt im Jahr 2019 gegeben.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber