Thüringen drängt auf Lösung für Simson-Reimporte
Thüringen unternimmt nach Angaben von Ministerpräsident Mario Voigt einen weiteren Versuch, damit auch aus dem Ausland zurückgeholte Simson-Mopeds in Deutschland mit 60 km/h fahren dürfen. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur erklärte der CDU-Politiker in Erfurt, das Thema sei weiter auf der Agenda. Allerdings müssten zunächst offene Fragen des Europarechts geklärt werden.
Nach Voigts Worten kann Deutschland eine solche Sonderregelung nicht im Alleingang schaffen. Das betrifft etwa Simson-Fahrzeuge, die aus Ungarn oder anderen osteuropäischen Staaten wieder eingeführt werden. Thüringen wolle das Anliegen bei einer geplanten Kabinettssitzung in Brüssel Anfang September zur Sprache bringen. Voigt zeigte sich vorsichtig optimistisch, räumte aber ein, dass die Lage kompliziert sei.
Sonderstatus gilt bislang nur für DDR-zugelassene Fahrzeuge
Für viele Simson-Modelle aus DDR-Produktion wie Schwalbe, Star, Sperber oder S50/51 gilt in Deutschland weiterhin eine besondere Ausnahme: Sie dürfen 60 km/h fahren. Grundlage dafür ist eine Regelung im Einigungsvertrag. Diese betrifft jedoch nur Zweitakter, die bereits zu DDR-Zeiten zugelassen waren.
Bei reimportierten Simson-Mopeds sieht die Lage anders aus. Für sie gilt wie für andere Kleinkrafträder die europäische Obergrenze von 45 km/h. Der Grund: Nach EU-Recht sind für diese Fahrzeugklasse europaweit 45 Stundenkilometer vorgesehen. Exportmodelle aus Suhl können bei ihrer Rückkehr nach Deutschland daher rechtlich nicht ohne Weiteres besser behandelt werden als vergleichbare Mopeds aus anderen Ländern.
Hoffnung auf zusätzliche Fahrzeuge und Elektro-Modell
Voigt verwies zudem auf Überlegungen von Investoren, in Thüringen eine elektrische Neuauflage der Schwalbe zu fertigen. Im Gespräch sei eine E-Schwalbe. Aktuell gehe es dabei unter anderem um Fragen zu Namen und Lizenzrechten. Die betreffenden Investoren gehörten bei Voigts Indien-Reise in diesem Jahr zur Wirtschaftsdelegation. Dort habe das Vorhaben ebenfalls Interesse geweckt.
Noch immer sind Zehntausende Simson-Mopeds unterwegs, besonders in Ostdeutschland. Nach Angaben von Anbietern ist auch die Versorgung mit Ersatzteilen langfristig gesichert. Vor allem junge Menschen in ländlichen Regionen nutzen die Fahrzeuge weiterhin gern – nicht nur wegen ihres DDR-Erbes und ihres markanten Aussehens, sondern auch, weil sie praktische Mobilität bieten.
Politisch immer wieder Thema
Mit dem Status von Simson-Reimporten haben sich bereits die Landtage in Thüringen und Brandenburg befasst. Auch die AfD greift das Thema regelmäßig auf. Kritiker werfen der Partei vor, den Kult um die Mopeds gezielt bei jungen Menschen in Ostdeutschland politisch auszuschlachten. Ein Nachfahre der jüdischen Familie Simson, auf die das Suhler Werk zurückgeht, zeigte sich bei einem Besuch in Thüringen zuletzt bestürzt darüber, wie der Name politisch vereinnahmt werde.
Befürworter einer Sonderregelung argumentieren, dass durch Reimporte mehr Fahrzeuge auf den Markt kämen und dadurch überhöhte Schwarzmarktpreise sinken könnten. Die Herstellung der Simson-Mopeds in Suhl ist allerdings seit vielen Jahren beendet; eine kleine spätere Nachfolgeproduktion wurde 2002 endgültig eingestellt.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber