Schleswig-Holstein

Darum floppt die Krabbensaison an der Nordsee

Krabben-Krise an der Nordsee: Warum die Fischer jetzt bangen – und wieso das Krabbenbrötchen wohl kaum teurer wird.

23.10.2026, 05:00 Uhr

Schwache Krabbensaison an der Nordsee belastet Fischer

Statt gut gefüllter Netze bleibt die Ausbeute für die Krabbenfischer an der Nordsee in diesem Herbst bislang enttäuschend. Nach Angaben von Philipp Oberdörffer von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen fallen die Fänge derzeit eher gering aus. Nach dem außergewöhnlich starken Jahr 2025, in dem die Küstenfischer in Niedersachsen beinahe doppelt so viele Krabben anlandeten wie ein Jahr zuvor, ist das für die Branche ein deutlicher Dämpfer.

Auch aus Schleswig-Holstein kommen während der wichtigsten Fangzeit keine guten Meldungen. Jan Möller vom Landesfischereiverband in Rendsburg berichtet von einem massiven Rückgang. Nach seiner Einschätzung liegen die Fangmengen mindestens um die Hälfte unter dem Vorjahresniveau, möglicherweise sogar noch stärker. Insgesamt sei es ein klar unterdurchschnittliches Jahr.

Zusätzliche Sorgen bereitet den Fischern das Wetter. Mit dem Herbst werde die Lage auf See unbeständiger, sagte Oberdörffer. Mehr Stürme und wechselhafte Bedingungen erschwerten die Fangfahrten und drückten meist zusätzlich auf die Erträge.

Regionale Unterschiede bei den Fängen

Besonders angespannt ist die Situation im Norden Niedersachsens. Dort sei die Saison in weiten Teilen praktisch ausgefallen, so Oberdörffer. Eine eindeutige Ursache gebe es zwar nicht, doch vieles spreche für den Wittling als entscheidenden Faktor. Der Fisch aus der Dorschfamilie gilt als natürlicher Feind der Krabbe und sei in großen Mengen aufgetreten.

Nordseekrabben
In vielen Regionen gibt es bisher kaum Krabben. (Archivfoto) Quelle: Marcus Brandt/dpa

Auch Möller macht den Wittling für den Einbruch verantwortlich. Schon im vergangenen Jahr habe er die Fänge geschwächt. Nun habe er vor allem die jungen Krabben gefressen, die eigentlich hätten nachwachsen sollen.

Etwas besser sieht es in Richtung Ostfriesische Inseln, Ems und in den angrenzenden niederländischen Fanggebieten aus. Dort kommen bislang weniger Wittlinge vor. Allerdings könne sich das schnell ändern, betonte Oberdörffer. Da der Fisch wandere, könnten auch derzeit noch ertragreichere Gebiete rasch betroffen sein.

Solche Unterschiede zwischen einzelnen Regionen seien in der Fischerei nicht ungewöhnlich. Mitunter laufe es in Deutschland schlecht, während etwa Dänemark gleichzeitig sehr gute Fänge habe. Eine solche Konstellation habe es auch schon 2023 gegeben. Das wirke sich dann ebenfalls auf die Preisentwicklung aus.

Preise ziehen an

Nach Einschätzung von Oberdörffer sind die Erzeugerpreise in diesem Herbst bereits gestiegen. Das sei meist kein gutes Zeichen, weil steigende Preise zu dieser Jahreszeit oft auf eine insgesamt schwache Versorgungslage hinweisen.

Im Frühjahr waren die Preise im Großhandel noch deutlich niedriger. Bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern sei davon jedoch kaum etwas angekommen. Im Einzelhandel werden für 100 Gramm Krabbenfleisch derzeit oft rund fünf Euro verlangt. In den kommenden Wochen könnten die Preise zwar noch etwas zulegen, ein drastischer Sprung wird nach Einschätzung des Experten aber nicht erwartet. Für viele Kunden dürfte das daher kaum stark auffallen.

Nach Angaben von Möller erhalten die Fischer derzeit etwa sechs Euro pro Kilogramm angelandeter Krabben. Seit Mai und Juni hätten Händler jedoch Probleme gehabt, das Krabbenfleisch abzusetzen. Hintergrund sei eine spürbare Kaufzurückhaltung der Kundschaft. Viele Menschen achteten stärker auf ihre Ausgaben, und Krabben gehörten nun einmal nicht zu den Dingen des täglichen Bedarfs. Dadurch seien die Erzeugerpreise Woche für Woche gesunken. Für die Fischer sei das besonders bitter gewesen, weil die Preise nicht zu den tatsächlichen Fangmengen gepasst hätten. Hinzu kämen weiterhin hohe Energiekosten.

Direktverkauf nur begrenzt hilfreich

Den direkten Verkauf vom Kutter an der Pier, wie er etwa in Büsum praktiziert wird, sieht Möller nicht als generelle Lösung. Wenn ausreichend Ware vorhanden sei, lasse sich die gesamte Menge auf diesem Weg gar nicht vermarkten. Der Großhandel bleibe deshalb für die Branche unverzichtbar.

Von einer akut existenzbedrohenden Lage für die Krabbenfischer sei ihm derzeit allerdings noch nichts bekannt. Dazu trage vermutlich auch die gute Vorsaison bei. Zugleich setze die Branche darauf, dass sich die Situation im kommenden Jahr wieder verbessert. In Schleswig-Holstein sind laut Möller derzeit noch rund 60 Krabbenkutter im Einsatz. Neun weitere Boote seien zuletzt mithilfe einer Abwrackprämie aus dem Markt genommen worden.

Hoffnung auf größere Tiere

Trotz der bislang mageren Bilanz geben die Fischer die Saison noch nicht verloren. Oberdörffer verweist darauf, dass bislang vor allem kleine Krabben in den Netzen landen. Die größeren Tiere müssten eigentlich bald auftauchen. Bis kurz vor Weihnachten fahren die Kutter noch hinaus. Danach ziehen sich die Krabben in tiefere Gewässer zurück, und die Fangpause dauert in der Regel bis Anfang März.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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