Olympia

Olympia in Kiel? Segler schwärmt: «Bester Standort»

Olympia-Coup für München – und jetzt träumt Kiel wieder von Segel-Gold. Warum viele den Standort für die beste Wahl halten.

27.09.2026, 12:14 Uhr

Kiel darf auf dritte Olympia-Rolle als Segelstandort hoffen

Kiel rückt erneut in den Fokus des olympischen Segelsports: Gemeinsam mit München soll die schleswig-holsteinische Landeshauptstadt Teil einer deutschen Bewerbung für Olympische Spiele in den Jahren 2036, 2040 oder 2044 werden. Der Deutsche Olympische Sportbund entschied sich bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung in Baden-Baden für das Duo München/Kiel. Die Konkurrenz aus der Region Köln-Rhein-Ruhr mit Rostock-Warnemünde als Segelstandort ging leer aus.

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther sprach von einer herausragenden Entscheidung und einem großen Vertrauensbeweis. Sollte die deutsche Bewerbung international den Zuschlag erhalten, könnten auf der Kieler Förde erneut olympische Segelrennen stattfinden. Zudem bestünde die Chance, dort erstmals auch paralympische Wettbewerbe auszurichten.

Große Zustimmung aus dem Segelsport

Auch unter aktiven Seglerinnen und Seglern wurde die Wahl positiv aufgenommen. Anne Barth, Steuerfrau im olympischen 49erFX und Strategin im deutschen SailGP-Team, verwies auf die besondere Atmosphäre bei Heimrennen. Die Begeisterung der Fans könne auch in Kiel für eine außergewöhnliche Stimmung sorgen. Für sie ist die Stadt bestens geeignet, eine solche Aufgabe zu übernehmen.

Barth erinnerte außerdem daran, dass Kiel bereits 1972 an der Seite Münchens olympischer Austragungsort war. Von den damaligen Wettbewerben profitiere der Segelsport dort bis heute. Trainiert werde noch immer am Olympiahafen in Schilksee. Zugleich hoffe sie, dass neue Investitionen und moderne Anlagen entstehen, die auch künftigen Generationen zugutekommen.

Sportpolitik: DOSB wählt deutschen Olympia-Bewerber
Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (l) und Sportministerin Stefanie Drese (2.v.r) hofften vergebens auf den Zuschlag für Rostock-Warnemünde. Quelle: Marijan Murat/dpa

Freya Feilcke, ebenfalls im 49erFX aktiv, sieht Kiel als besten deutschen Standort für olympische Segelwettbewerbe. Die enge Verbundenheit der Stadt mit dem Segelsport habe die Entscheidung aus ihrer Sicht zusätzlich untermauert.

Für 49er-Segler Frederik Schwall wäre Olympia im eigenen Land etwas ganz Besonderes. Die Aussicht, möglicherweise sogar in der Heimat bei Spielen dabei zu sein, gebe dem täglichen Training und der Vorbereitung noch einmal zusätzlichen Antrieb.

Kiel als Segelstandort mit internationalem Renommee

Kiel genießt nicht nur wegen der olympischen Regatten von 1936 und 1972 weltweit einen ausgezeichneten Ruf. Mit der Kieler Woche richtet die Stadt jedes Jahr Ende Juni eine der bedeutendsten Regattaserien im olympischen Segelsport aus. Hinzu kommt ein Bundesstützpunkt des Deutschen Segler-Verbandes, der den Standort weiter stärkt.

Im Vorfeld der Entscheidung hatte es sowohl für Kiel als auch für Rostock-Warnemünde sportliche Argumente gegeben. Der frühere Medaillengewinner Erik Heil, heute Steuermann des deutschen SailGP-Teams, hatte beide Reviere verglichen. Sportlich sah er Vorteile bei Rostock, bei der Infrastruktur jedoch klar Kiel vorne.

Rückenwind erhielt Kiel zudem aus dem Deutschen Segler-Verband. Mehrere große Regionalverbände unterstützten die Bewerbung, darunter auch Nordrhein-Westfalen. Nach Angaben aus Schleswig-Holstein vertreten diese Verbände zusammen rund drei Viertel der deutschen Seglerinnen und Segler.

Auch die Bevölkerung in Kiel steht mehrheitlich hinter Olympia. Bei einem Bürgerentscheid im April votierten 63,5 Prozent für eine Bewerbung.

Enttäuschung in Mecklenburg-Vorpommern und Rostock-Warnemünde

In Mecklenburg-Vorpommern wurde die Entscheidung zwar mit Bedauern aufgenommen, zugleich zeigte man sich fair. Sportministerin Stefanie Drese gratulierte München und Kiel und wünschte dem Konzept viel Erfolg im internationalen Auswahlprozess. Die Kombination aus olympischer Geschichte, großer Veranstaltungserfahrung und einem starken Segelstandort habe überzeugt, sagte sie.

Auch Rostocks Oberbürgermeisterin Eva-Maria Kröger machte deutlich, dass man sich zwar ein anderes Ergebnis erhofft habe, die Entscheidung aber akzeptiere. Warnemünde biete aus ihrer Sicht weiterhin ausgezeichnete Bedingungen für olympische Segelrennen.

Damit ist klar: Sollte Deutschland den Zuschlag für Olympische Spiele erhalten, wäre Kiel nach 1936 und 1972 zum dritten Mal Schauplatz olympischer Segelwettbewerbe.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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