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Videobeweis entfacht Derby-Zoff im Handball

Videobeweis-Drama im Nordderby: Das 31:31 sorgt weiter für Zoff – jetzt fordert SG-Coach Pajovic eine Challenge.

27.09.2026, 09:19 Uhr

Videobeweis-Wirbel im Nordderby: DHB reagiert nach Kieler Schiedsrichterkritik

Die Fans des THW Kiel jubelten bereits ohrenbetäubend, als Julian Köster im 117. Nordderby gegen die SG Flensburg-Handewitt scheinbar in letzter Sekunde zum 32:31 traf. Doch die Freude hielt nicht lange: Nach minutenlanger Videoüberprüfung kassierten die Schiedsrichter den Treffer wieder ein.

Ausschlaggebend war ein Schrittfehler von Domen Makuc in der Entstehung des Angriffs. Damit endete das Spitzenspiel der Handball-Bundesliga 31:31 (18:14). Beim THW überwogen danach Enttäuschung, Frust und Ärger. Geschäftsführer Viktor Szilagyi brachte die Stimmung knapp auf den Punkt: „Das tut gerade einfach weh.“

Wolff rechnet mit den Schiedsrichtern ab

Besonders deutlich wurde Kiels Nationaltorwart Andreas Wolff. Er sprach von einer „erbärmlichen Schiedsrichterleistung“ und warf dem Gespann vor, die Szene so lange zurückgespult zu haben, bis sich noch etwas gegen den THW finden ließ. Aus seiner Sicht hätte in der Situation auch ein mögliches Foul an Makuc überprüft werden können.

Auch Hendrik Pekeler zeigte sich irritiert über das Vorgehen. Der Kreisläufer sagte, er habe in der Szene zunächst nichts erkannt, was aus seiner Sicht überhaupt einen Videobeweis nahegelegt hätte. Zwar sei die Regel bekannt, entscheidend sei für ihn aber die Frage, warum in genau diesem Fall noch einmal geprüft wurde.

DHB meldet sich am Tag danach zu Wort

Auf die massive Kritik aus Kiel reagierte einen Tag nach dem Spiel auch der Deutsche Handballbund. Der Verband verwies auf die besondere Emotionalität eines Nordderbys, mahnte aber zugleich eine sachliche Analyse und einen respektvollen Umgang an. Zudem erinnerte der DHB daran, dass alle Beteiligten das Regelwerk im Detail kennen müssten.

Schon direkt nach dem Spiel hatte THW-Trainer Börge Lund wenig Verständnis für die Aberkennung gezeigt. Er kritisierte, dass die Unparteiischen bei der Überprüfung immer weiter in den Spielzug zurückgegangen seien. Zunächst sei kontrolliert worden, ob Köster beim Abschluss im Kreis gestanden habe. Danach habe man die Bilder immer weiter zurückgespult, bis schließlich doch noch ein Vergehen gefunden worden sei. Für Lund bleibt damit die Frage offen, wo bei solchen Eingriffen die Grenze liegt.

Pajovic bringt erneut Trainer-Challenge ins Spiel

Flensburgs Trainer Ales Pajovic nahm den Punktgewinn naturgemäß gerne mit. Seine Mannschaft feierte das Remis nach der Entscheidung ausgelassen. Pajovic sagte, er habe zunächst selbst ein reguläres Tor gesehen, dann aber erkannt, dass womöglich auf Schritte entschieden werden könnte.

Der SG-Coach sprach sich in diesem Zusammenhang erneut für eine Trainer-Challenge aus. Eine solche Möglichkeit könnte aus seiner Sicht vieles vereinfachen, weil die Mannschaften derzeit stark von der Einschätzung der Schiedsrichter abhingen.

Auch Flensburg versteht den Kieler Ärger

Trotz des glücklichen Punktgewinns zeigten die Flensburger Verständnis für den Frust beim Rivalen. Rückraumspieler Simon Pytlick bezeichnete die Aberkennung als sehr harte Entscheidung. Er könne sowohl Kiel als auch die Reaktion in der Halle nachvollziehen. Wäre die Situation andersherum gelaufen, wäre er wohl ebenfalls verärgert gewesen.

Zwar sei der technische Fehler auf den Bildern klar zu erkennen gewesen, sagte der Däne. Gleichzeitig betonte er aber, dass sich im Handball während eines Spiels sehr häufig irgendwo ein Schrittfehler finden lasse. Deshalb sei zumindest fraglich, ob die Entscheidung sportlich die richtige gewesen sei. Nationalspieler Marko Grgic formulierte es ähnlich und meinte, bei einer derart strengen Auslegung des Videobeweises könne am Ende auch ein 9:9 als Ergebnis herauskommen.

Flensburg bleibt wegen der Tordifferenz vorne

Durch das Unentschieden behauptete Flensburg mit 11:1 Punkten und der besseren Tordifferenz die Tabellenführung vor dem punktgleichen THW Kiel. In der Gesamtbilanz des traditionsreichen Derbys liegen die Kieler trotz des inzwischen sechsten Remis weiter vorne: 68 Siege stehen 43 Erfolgen der Flensburger gegenüber.

Nächste Aufgaben warten schon am Mittwoch

Viel Zeit zum Durchatmen bleibt beiden Teams nicht. Kiel ist bereits am Mittwoch erneut gefordert und tritt um 19.00 Uhr beim deutschen Meister SC Magdeburg an, der mit 10:2 Punkten aktuell Rang drei belegt.

Für Flensburg beginnt ebenfalls am Mittwoch um 18.45 Uhr die Gruppenphase der European League. Die SG, die den Wettbewerb 2024 und 2025 gewonnen hatte, trifft zum Auftakt auf den spanischen Vertreter BM Granollers.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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