Wirtschaft

Trump-Zoff: Droht der Pharmabranche jetzt der Umsatzknick?

Trump-Zoff trifft Pharma hart: Nach dem Boom kippt die Branche – und plötzlich stehen auch Jobs auf der Kippe.

23.10.2026, 04:30 Uhr

Deutsche Pharmaindustrie rechnet mit Dämpfer durch US-Zollkonflikt

Die deutsche Pharmabranche stellt sich in diesem Jahr auf spürbare Rückgänge ein. Nach einer Prognose des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller (VFA) dürfte die Produktion um 2,2 Prozent sinken, der reale Umsatz um 1,8 Prozent. Als Hauptgrund nennt der Verband den Handelskonflikt mit den USA. Zusätzlich erschwere Niedrigwasser die Herstellung.

Auch beim Beschäftigungsaufbau kommt die Branche kaum noch voran. In den Unternehmen der Pharmaindustrie in Deutschland arbeiten knapp 130.000 Menschen. Laut VFA wird die Zahl der Beschäftigten 2026 voraussichtlich nicht weiter steigen.

Nach starkem Vorjahr nun Gegenbewegung

Im vergangenen Jahr hatte die Industrie noch von Sondereffekten profitiert. Wegen wiederholter Drohungen von US-Präsident Donald Trump, hohe Zölle auf Arzneimittel zu erheben, zogen viele Unternehmen ab Frühjahr 2025 Lieferungen in die Vereinigten Staaten vor. Dadurch stiegen Produktion und Umsatz zunächst deutlich.

Für 2026 erwartet der VFA nun die umgekehrte Entwicklung: Auf die vorgezogenen Exporte und zusätzlichen Produktionsmengen des Vorjahres folge nun eine Abschwächung.

Zeitweise stand ein Zollsatz von 100 Prozent im Raum

Trump hatte zwischenzeitlich sogar Zölle von 100 Prozent auf patentgeschützte Medikamente ins Spiel gebracht. Dazu kam es zwar nicht. Im Rahmen der Vereinbarung zwischen Brüssel und Washington gilt für Arzneimittel aus Europa eine Obergrenze von 15 Prozent. Dennoch habe allein die Debatte für erhebliche Unsicherheit gesorgt.

 Pharmaindustrie
Pharmaproduktion: Der Handelsstreit mit Trump belastet Arzneihersteller. (Symbolbild) Quelle: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

Die Abhängigkeit vom US-Markt ist für die deutsche Pharmaindustrie groß: Rund ein Viertel ihrer Ausfuhren geht in die USA. Hinzu kommt, dass dort deutlich höhere Arzneimittelpreise erzielt werden als in Europa. Für viele Unternehmen ist der amerikanische Markt deshalb von zentraler Bedeutung. Einige Hersteller, darunter Merck aus Darmstadt, kündigten unter dem politischen Druck bereits milliardenschwere Investitionen in den USA an.

Branche kritisiert Sparvorgaben der Politik

Neben dem Zollstreit sieht die Pharmaindustrie auch die deutsche Gesundheitspolitik als Belastungsfaktor. Um die Beiträge der gesetzlichen Krankenkassen zu stabilisieren, hat die Bundesregierung die Herstellerrabatte für patentgeschützte Medikamente deutlich angehoben. Diese Rabatte müssen die Unternehmen den Kassen gewähren.

In der Branche stößt das auf scharfe Kritik. Einige Hersteller haben Investitionen gestoppt oder prüfen ihre künftigen Ausgaben in Deutschland neu. Dazu zählt auch der Schweizer Konzern Roche.

Der VFA warnt, dass der höhere Herstellerabschlag ab 2027 die Unternehmen stark belasten werde. Bis 2030 könnten Investitionen und Forschungsausgaben insgesamt um mehr als vier Milliarden Euro niedriger ausfallen als ohne diese Maßnahmen. Für 2027 rechnet der Verband mit einem Rückgang der Pharma-Investitionen in Deutschland um 1,8 Prozent. Zudem könnten sich Investitionen unter dem Einfluss der US-Politik weiter ins Ausland verlagern.

Regierung plant Entlastung über Standortklausel

Die Bundesregierung will die zusätzlichen Belastungen für die Pharmabranche teilweise abfedern. Geplant ist eine Standortklausel, die Erleichterungen bei den Herstellerrabatten an Investitionen, Produktion und klinische Forschung in Deutschland koppeln soll.

Krankenkassen widersprechen der Kritik

Von den gesetzlichen Krankenkassen kommt hingegen Gegenwind für die Argumentation der Industrie. Stefanie Stoff-Ahnis, stellvertretende Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, erklärte zuletzt, die Pharmaunternehmen verdienten in Deutschland weiterhin sehr gut. Daran werde sich auch durch die aktuelle Gesetzgebung nichts ändern.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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