Nach dem Bekanntwerden einer schwerwiegenden Sicherheitslücke in PHP warnen Fachleute davor, sich allein auf das Einspielen von Updates zu verlassen. Thomas Boele, Security-Experte beim Softwareanbieter Check Point, betonte, dass ein Patch zwar wichtig sei, aber nur den ersten Schritt darstelle. Betreiber von Systemen müssten deutlich weitergehende Maßnahmen ergreifen.
Digitale Falle lieferte frühe Hinweise
Zu den dringend empfohlenen Sofortmaßnahmen zählt laut Boele eine rückwirkende Auswertung von Protokolldaten bis zum 17. Oktober 2026. Hintergrund ist, dass an diesem Tag auf einem sogenannten Honeypot von Amazon erste Angriffsversuche beobachtet wurden. Solche Systeme dienen dazu, Angreifer gezielt anzulocken und deren Vorgehen sichtbar zu machen. Wer seine Logs nicht bis zu diesem Zeitpunkt überprüft, läuft Gefahr zu übersehen, ob ein System bereits vor dem Update unbemerkt kompromittiert wurde.
Zusätzlich rät Boele dazu, Zugangsdaten und API-Schlüssel konsequent auszutauschen. Ebenso wichtig sei die Aktualisierung von Web Application Firewalls (WAF).
Eine WAF schützt Webanwendungen, indem sie den Datenverkehr zwischen Internet und Anwendung überwacht und schädliche Anfragen frühzeitig blockiert.
Mehr Transparenz über eingesetzte Systeme gefordert
Darüber hinaus forderte Boele im Gespräch mit der dpa ein vollständiges Inventar aller Systeme. Nur so ließe sich nachvollziehen, an welchen Stellen und in welchen Versionen PHP innerhalb des eigenen Netzwerks eingesetzt wird. Da PHP auf einem großen Teil der Webserver weltweit läuft, bleibt das Risiko hoch. Die Schwachstelle könne Angreifern als Einstiegspunkt in interne Netzwerke dienen.
Christian Nern, Partner und Leiter für Cyber Security & Threat Management Solutions bei KPMG, erklärte, dass PHP in vielen Fällen nicht direkt als eigenständige Software sichtbar sei. Häufig arbeite es im Hintergrund digitaler Anwendungen. Zum Einsatz komme es etwa auf Webseiten, Werbe-Landingpages, Kundenportalen sowie in Content-Management-Systemen wie TYPO3, Drupal oder WordPress. Auch im Online-Handel, bei digitalen Zahlungsdiensten und in älteren Bestandsanwendungen sei PHP oft tief integriert.
Um kritische Geschäftsprozesse selbst im Ernstfall aufrechterhalten zu können, müssten vor allem Finanzinstitute ihre Schutzmechanismen stärker automatisieren, Update-Zyklen verkürzen und externe IT-Dienstleister in die Sicherheitsüberwachung einbeziehen. Zugleich sei es notwendig, KI-Anwendungen selbst abzusichern und künstliche Intelligenz gezielt in der Cyberabwehr einzusetzen, sagte Nern.
Die Sicherheitslücken in PHP waren am vergangenen Dienstag entdeckt worden und hatten weltweit hektische Reaktionen bei Website-Betreibern ausgelöst. Inzwischen steht zwar ein Update bereit, doch noch ist es nicht überall installiert.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber