Sachsen

Tiger-Flucht: Peta fordert Konsequenzen

Tiger-Drama bei Leipzig: Ein Mann schwer verletzt – jetzt fordert Peta drastische Schritte. Was sich nun ändern soll.

18.05.2026, 00:30 Uhr

Nach dem tödlichen Tiger-Ausbruch in Dölzig bei Schkeuditz laufen strafrechtliche Ermittlungen. Die Staatsanwaltschaft Leipzig prüft den Verdacht der fahrlässigen Körperverletzung durch Unterlassen. Im Fokus steht nach Angaben von Sprecherin Vanessa Fink eine 52-jährige Frau. Ob es sich dabei um die Besitzerin des Tieres handelt, ließ die Behörde offen.

Am Sonntag war ein Tiger aus dem Gehege einer ehemaligen Zirkus-Artistin entkommen. Ein 72 Jahre alter Mann wurde dabei schwer verletzt. Nach Angaben der Feuerwehr erlitt er Biss- und Kratzverletzungen. Laut Staatsanwaltschaft war er bislang nicht vernehmungsfähig. Die Polizei erschoss das Tier später in einem Bereich mit Gärten, eine Gefahr für Anwohner bestand danach nicht mehr.

Besitzerin identifiziert Tiger als „Sandokan“

Die Dompteurin Carmen Zander bestätigte der „Bild“-Zeitung, dass es sich bei dem getöteten Tier um einen ihrer Tiger handelte. „Ja, es war mein Sandokan“, wurde sie zitiert. Anfragen der dpa beantwortete sie demnach nicht.

Laut Zanders Internetauftritt war „Sandokan“ neun Jahre alt und wog rund 280 Kilogramm. In einer Beschreibung bezeichnete sie den Tiger als „Angsthasen“. Wenn er Situationen nicht einschätzen könne, sei er schnell überfordert und unsicher; dadurch könne ein Angriff schneller und unerwarteter ausgelöst werden.

Ermittler prüfen Ablauf und mögliche Verstöße

Das Gelände in Dölzig wurde nach Angaben der Staatsanwaltschaft bis in die Nacht durchsucht. Nun soll unter anderem geklärt werden, wie genau sich der Vorfall abgespielt hat, welche Rolle der verletzte Mann hatte und ob Sicherheitsvorschriften missachtet wurden. Nach Angaben der Polizei hielt sich der 72-Jährige berechtigt in dem Tigergehege auf.

Auch was mit dem erschossenen Tiger geschieht, ist weiter offen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft laufen dazu noch Abstimmungen.

Acht Tiger noch auf dem Gelände

In der Anlage nahe der Autobahn 9 leben nach Angaben des Landratsamts Nordsachsen derzeit noch acht Tiger. Wie es mit ihnen weitergeht, ist bislang unklar. Das Landratsamt erklärte, ohne Ergebnisse zu den Ermittlungen über die Ursache des Vorfalls lasse sich diese Frage derzeit nicht beantworten.

Behörden sehen Mängel bei der Tigerhaltung

Nach Angaben des Landratsamts genügt die Tigerhaltung in Dölzig nicht den Anforderungen. Der Halterin sei bereits in der Vergangenheit aufgegeben worden, die Zustände zu ändern.

Grundlage ist das Tierschutzgesetz, nach dem Tiere ihrer Art und ihren Bedürfnissen entsprechend angemessen untergebracht werden müssen. Für Tiger gibt es dort jedoch keine genauen Flächenvorgaben. Behörden orientieren sich deshalb am sogenannten Säugetiergutachten des Bundeslandwirtschaftsministeriums. Darin ist für ein oder zwei Tiger ein Außengehege von mindestens 200 Quadratmetern vorgesehen, für jedes weitere ausgewachsene Tier kommen 100 Quadratmeter hinzu.

Tierschützer verlangen schärfere Regeln

Tierschutzorganisationen sehen in dem Fall einen weiteren Beleg dafür, dass gefährliche Wildtiere nicht in Privathand gehalten werden sollten. Paulina Kuhn, Fachreferentin für Wildtiere beim Deutschen Tierschutzbund, erklärte, der Vorfall zeige erneut, dass die Haltung von Wildtieren durch Privatpersonen weder tierschutzgerecht noch sicher sei.

Der Deutsche Tierschutzbund fordert deshalb ein grundsätzliches Verbot der Haltung gefährlicher Wildtiere sowohl im Zirkus als auch in privater Hand. Zudem verlangt die Organisation eine bundesweite Positivliste, die festlegt, welche Tierarten überhaupt privat gehalten werden dürfen.

Auch andere Tierschutzgruppen machen Druck. Die Organisation Vier Pfoten rief zu einer Demonstration vor dem Tiger-Gehege in dem Gewerbegebiet auf. Nach Angaben von Peta ist die private Haltung von Raubkatzen in 7 von 16 Bundesländern erlaubt – darunter auch in Sachsen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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