Sachsen

Nach Amokfahrt: Rätsel um Motiv – Straße wird gesichert

Todesfahrt in Leipzig: Warum raste er in die Fußgängerzone? Der 33-Jährige sitzt in Psychiatrie – kommt jetzt mehr Schutz?

06.05.2026, 04:00 Uhr

Hintergründe der tödlichen Fahrt in Leipzig weiter offen

Nach der tödlichen Fahrt eines 33-jährigen Deutschen in Leipzig halten sich die Ermittler weiter mit Angaben zum Täter und zu möglichen Hintergründen zurück. Nach Auskunft der Leipziger Staatsanwaltschaft können derzeit weder zu konkreten Ermittlungsergebnissen noch zu denkbaren Motiven nähere Angaben gemacht werden.

Der Mann war auf Anordnung eines Ermittlungsrichters in ein psychiatrisches Krankenhaus gebracht worden. Nach bisherigem Kenntnisstand soll er in einem Zustand gehandelt haben, in dem seine Schuldfähigkeit zumindest erheblich vermindert war. Aus Sicht der Behörden geht von ihm weiterhin eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit aus.

Gegen den 33-Jährigen besteht nach Angaben der Staatsanwaltschaft dringender Verdacht auf zweifachen Mord sowie auf versuchten Mord in vier weiteren Fällen. Zudem sei wahrscheinlich, dass er in Freiheit weitere Taten von vergleichbarer Schwere begehen könnte.

Richter entscheidet über Dauer der Unterbringung

Eine solche Unterbringung gilt nach der Strafprozessordnung so lange, bis die gesetzlichen Voraussetzungen nicht mehr vorliegen oder ein Gericht später im Urteil keine dauerhafte Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus anordnet.

Gerade zu Beginn eines solchen Aufenthalts gelten in der Regel hohe Sicherheitsstandards. Dazu zählen unter anderem Zäune oder Mauern, Sicherheitsschleusen, gesicherte Fenster und Überwachungsanlagen.

Opfer und Verletzte: Keine Person in Lebensgefahr

Am Montagnachmittag war der 33-Jährige mit seinem Auto in Leipzig mehrere Hundert Meter weit in die Fußgängerzone gefahren und hatte mehrere Menschen erfasst. Eine 63 Jahre alte Frau und ein 77-jähriger Mann kamen ums Leben. Sechs weitere Menschen im Alter von 21 bis 87 Jahren wurden verletzt, darunter ein 75-jähriger Mann und eine 84-jährige Frau schwer.

Nach Angaben von Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) befindet sich jedoch keiner der Verletzten in Lebensgefahr. Zudem mussten laut Polizei mehr als 80 Menschen nach der Tat betreut werden.

Medienberichte zu persönlichem Umfeld und Klinikaufenthalt

Der Tatverdächtige war wenige Tage vor der Tat in stationärer Behandlung in einer psychiatrischen Einrichtung. Das sächsische Sozialministerium bestätigte, dass er sich dort auf eigenen Wunsch aufgehalten hatte und Ende April entlassen worden war. Zu den Hintergründen des Aufenthalts wurden keine Angaben gemacht.

Einige regionale Medien berichteten zudem, seine Ehefrau habe sich kurz zuvor wegen Bedrohungen von ihm getrennt und sei mit dem gemeinsamen Sohn ausgezogen. Offizielle Bestätigungen zu diesen Berichten gibt es bislang nicht.

Der Polizei war der Mann bereits bekannt, unter anderem wegen Bedrohungen und ehrverletzender Delikte im sozialen Umfeld. Dabei soll es sich um Vorfälle ohne körperliche Gewalt gehandelt haben, etwa Beleidigungen oder Herabwürdigungen.

Stadt blockiert Zufahrt zur Innenstadt mit Sperren

Die betroffene Einkaufsstraße ist inzwischen wieder für Passanten geöffnet. Nach der Tat hat die Stadt Leipzig zusätzliche Sicherungsmaßnahmen ergriffen: An dem Zugang zur Innenstadt, den der Fahrer bei seiner Fahrt genutzt hatte, wurden mehrere sogenannte Oktablöcke aufgestellt.

Nach Angaben der Stadt ist die Zufahrt an dieser Stelle damit bis auf Weiteres für Fahrzeuge gesperrt. Sollte ein Auto versuchen, die Hindernisse zu überwinden, würden sich die Blöcke unter dem Fahrzeug verkeilen und eine Weiterfahrt verhindern.

Weitere Sicherungsmaßnahmen geplant

Die nun aufgestellten Sperren gelten nach Angaben der Stadt als zeitlich begrenzte Lösung, bis weitere Planungen zur Sicherung der Innenstadt abgeschlossen sind. Dabei muss auch berücksichtigt werden, dass Rettungsfahrzeuge und Lieferverkehr weiterhin Zugang benötigen.

Nach Einschätzung der Stadt könnte es schwierig sein, an allen Zufahrten versenkbare Poller einzubauen. Grund dafür sind zahlreiche unterirdische Leitungen für Wasser, Strom und Telekommunikation im Bereich der Innenstadt.

Trauer und Anteilnahme in der Stadt

Seit der Tat herrschen in Leipzig Trauer und Fassungslosigkeit. Zahlreiche Menschen legten Blumen und Kerzen nieder und gedachten der Opfer bei Andachten.

Die sächsische Landesregierung ordnete an allen Gebäuden von Behörden und Dienststellen des Freistaats Trauerbeflaggung an. Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) erklärte, das Mitgefühl gelte den Familien und Angehörigen der Opfer. In Gedanken sei man bei ihnen und bei allen, die von dem schrecklichen Ereignis betroffen seien.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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