Sachsen

Leipzig nach Amokfahrt: Die Angst geht um

Nach der Todesfahrt in Leipzig ringen Menschen am Tatort um Fassung – und Ermittler stehen vor der entscheidenden Frage: Warum?

05.05.2026, 10:07 Uhr

Trauer, Wut und viele Fragen nach tödlicher Autofahrt in Leipzig

Am Morgen nach der tödlichen Fahrt durch die Leipziger Innenstadt mit zwei Todesopfern und drei Schwerverletzten prägen Bestürzung und Zorn die Stimmung am Tatort. Immer wieder bleiben Menschen auf dem Weg zur Arbeit am Augustplatz stehen, sprechen über das Geschehen und legen Blumen oder Kerzen nieder.

Eine 63-jährige Frau sagte, sie sei tief erschüttert. Die Tat zeige, wie verletzlich Menschen im öffentlichen Raum seien. Sie könne nicht begreifen, warum ein Mensch so viele andere mit in den Tod reiße.

Großes Mitgefühl für die Opfer

Die Frau berichtete zudem, sie fühle sich inzwischen unsicher und halte sich bei größeren Veranstaltungen in der Stadt nur noch ganz außen am Straßenrand auf, weil sie Angst vor ähnlichen Taten habe. Bereits am frühen Morgen stellte eine Passantin eine Kerze auf, um ihre Anteilnahme für die Opfer auszudrücken. Auch die Stadt reagierte sichtbar: Vor dem Neuen Rathaus wurden die Fahnen auf halbmast gesetzt.

Nach bisherigen Erkenntnissen war am Montagnachmittag ein 33-jähriger deutscher Staatsbürger mit seinem Wagen vom Augustusplatz kommend über den Marktplatz gefahren und hatte dabei mehrere Menschen erfasst. Die Polizei nahm den Mann noch im Fahrzeug fest. Eine 63 Jahre alte Frau und ein 77-jähriger Mann kamen ums Leben, drei weitere Menschen wurden schwer verletzt.

Wie die Polizei mitteilte, besaßen auch die beiden Getöteten die deutsche Staatsangehörigkeit. Insgesamt seien rund 80 Menschen von dem Ereignis betroffen. Die Staatsanwaltschaft führt Ermittlungen wegen Mordes in zwei Fällen sowie wegen versuchten Mordes in mindestens zwei Fällen.

Passanten werden direkt am Tatort betreut

Schon am Montagabend legten zahlreiche Menschen Blumen am Augustplatz nieder. Am Morgen danach lag dort trotz Nieselregens auch ein gemaltes Bild. Darauf stand der Satz: „Ich hatte am Morgen keine Blume, so lege ich eine Blume aus dem Garten meines Herzens nieder.“

Ein sichtlich bewegter 47-Jähriger fragte am Tatort, was in einem Menschen vorgehe, der mit Vollgas durch eine Menschenmenge rase und Unschuldige überfahre. Künftig werde er ein ungutes Gefühl haben, wenn er mit seinem Sohn durch die Stadt gehe, sagte er. Die Unbekümmertheit sei verloren.

Wenig später hielt auch eine Schulklasse an den Kerzen und Blumen. Die Lehrerin sagte, es sei ihr ein Bedürfnis gewesen, mit den Schülerinnen und Schülern an den Ort zu kommen und ein Gebet zu sprechen. Einige Kinder und Jugendliche zeigten sich sichtbar aufgewühlt und wischten sich Tränen aus den Augen.

Seit der Tat sind die ganze Nacht hindurch und auch am Morgen Spezialkräfte der Polizei sowie Mitglieder eines Kriseninterventionsteams vor Ort, um Passantinnen und Passanten zu begleiten. Viele Menschen hätten Fragen und seien verunsichert, hieß es. Ziel sei es auch, Sorgen und Ängste aufzufangen.

Auch die Polizeiseelsorge unterstützt seit Montag die Einsatzkräfte. Polizeiseelsorgerin Barbara Zeitler erklärte, während eines Einsatzes seien Beamtinnen und Beamte stark fokussiert und funktionierten wie im Tunnel. Erst danach beginne die eigentliche Verarbeitung der belastenden Eindrücke.

Kirchen öffnen für Trauer, Gespräche und stilles Gedenken

Um Raum für Trauer, Gespräche, Seelsorge und stilles Gedenken zu schaffen, sind die Nikolaikirche und die Thomaskirche in der Innenstadt geöffnet. Dort können Menschen auch Kerzen anzünden. An einer Gedenkveranstaltung in der Nikolaikirche nimmt auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) teil.

Unterdessen setzen die Ermittler ihre Spurensicherung in der Grimmaischen Straße und auf dem Marktplatz fort. Die Durchfahrt in dem Bereich bleibt nach bisherigen Angaben noch bis zum späten Dienstagnachmittag gesperrt.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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