Sachsen

Tiger-Alarm nahe Leipzig: Greifen Behörden ein?

Nach dem Tiger-Drama in Sachsen schlagen Behörden jetzt zu: Polizei und Veterinäramt rücken an – droht der Halterin der nächste Knall?

01.07.2026, 10:38 Uhr

Anderthalb Monate nach dem Ausbruch eines Tigers aus einer privaten Haltung im Schkeuditzer Ortsteil Dölzig bei Leipzig haben die Behörden sechs Tiere aus der Anlage abtransportieren lassen. Nach Angaben des Landratsamts Nordsachsen wurden sie an die Tierschutzorganisation Animal Advocacy and Protection (AAP) übergeben und sollen in eine Auffangstation nach Spanien gebracht werden.

Polizei und Veterinäramt rückten am Dienstagmorgen mit einem größeren Aufgebot an. Rund 25 Polizeikräfte sicherten das Gelände weiträumig ab, um eine Gefährdung der Bevölkerung auszuschließen. Vor Ort war zu sehen, wie Transportboxen mit einem Gabelstapler auf Fahrzeuge und Anhänger verladen wurden.

Hintergrund des Einsatzes sind Tierschutzauflagen gegen die Halterin, eine ehemalige Zirkusartistin. Nach Darstellung des Landratsamts war das Areal für die Zahl der dort gehaltenen Tiger zu klein. Die Behörden hatten von der Halterin verlangt, die Unterbringung der Tiere an die Vorgaben eines sogenannten Säugetiergutachtens anzupassen. Dieses sieht für ein oder zwei Tiger ein Außengehege von mindestens 200 Quadratmetern vor. Für jedes weitere erwachsene Tier müssen jeweils 100 Quadratmeter zusätzlich vorhanden sein.

Seit Jahren Streit um die Haltungsbedingungen

Nach Angaben des Landratsamts schwelt der Konflikt mit der Dompteurin bereits seit 2024. Sie sei wiederholt angewiesen worden, die Bedingungen in der Anlage zu verbessern. Die Behörde verweist auf eine komplizierte Rechtslage, in der Fragen des Tierwohls, des Artenschutzes und des Eigentums zusammenkommen. Das habe die Durchsetzung der Forderungen zu einem langwierigen Prozess gemacht.

Am 17. Mai kam es schließlich zu dem folgenschweren Zwischenfall: Aus der Anlage in dem Gewerbegebiet nahe der Autobahn 9 brach ein ausgewachsener männlicher Tiger aus. Ein 72-jähriger Helfer wurde dabei schwer verletzt. Das Tier wurde später von der Polizei in der Nähe einer Kleingartenanlage erschossen.

Nach dem Tod des ausgebrochenen Tigers lebten laut Behörden noch acht Tiere in der Anlage. Ende Juni lief die Frist zur Umsetzung der Auflagen ab. Weil das Gelände aus Sicht des Landratsamts weiterhin nur ausreichend Platz für zwei Tiger bietet, wurden nun sechs der acht Tiere fortgenommen. Zwei Tiger bleiben damit vorerst in der Anlage.

Die Tiere wurden vor dem Transport sediert und von mehreren Tierärzten untersucht, um ihre Transportfähigkeit sicherzustellen. Ein Tierarzt begleitet auch die Fahrt nach Spanien. Tierschützer hatten die Halterin in der Vergangenheit immer wieder kritisiert.

Die Tiger-Halterin hatte nach dem Ausbruch erklärt, ihr großes Ziel sei es, die Tiere nicht zu verlieren. Die Staatsanwaltschaft ermittelt weiterhin wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung durch Unterlassen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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