Nach dem Einsturz eines Wohnhauses in Görlitz, bei dem drei Menschen ums Leben kamen, hat die Polizei ihre Untersuchungen am Unglücksort vorerst gestoppt. Wie Raik Schulze, Leiter des Führungsstabes der Polizei, sagte, mussten die Kriminaltechniker ihre Arbeit in der Nacht unterbrechen, weil sich Reste der Giebelwände bewegt hatten. Nur dank der Technik des Technischen Hilfswerks (THW) konnten die Einsatzkräfte rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden.
Die THW-Spezialisten hatten bereits zu Beginn des Einsatzes Sensoren an den Giebelwänden angebracht, um vor einem möglichen weiteren Einsturz zu warnen. Vorrang hat nun, die Gefahrenstelle zu sichern, damit die Ermittlungen später fortgesetzt werden können.
Polizei ermittelt in alle Richtungen
Zur Ursache des Unglücks gibt es bislang keine gesicherten Erkenntnisse. Nach Angaben von Schulze wird in sämtliche Richtungen ermittelt. Weder Materialversagen noch eine technische Ursache oder fahrlässiges Verhalten werden derzeit ausgeschlossen. Einen dringenden Tatverdacht gibt es nach Polizeiangaben momentan nicht.
Görlitz‘ Oberbürgermeister Octavian Ursu (CDU) hatte nach dem Vorfall die Vermutung geäußert, dass eine Gasexplosion Auslöser gewesen sein könnte. Bekannt ist, dass während des Einsatzes Gas austrat. Wo sich das Leck genau befand, ist bislang jedoch unklar.
Rettungseinsatz nach 72 Stunden beendet
Das betroffene Mehrfamilienhaus mit Miet- und Ferienwohnungen war am Montagabend vollständig eingestürzt. Es lag inmitten einer langen, gepflegten Häuserzeile in der James-von-Moltke-Straße nahe dem Görlitzer Bahnhof. Der Bereich wurde nach dem Einsturz weiträumig evakuiert und abgesperrt.
Der Rettungseinsatz endete am Donnerstagabend nach rund 72 Stunden. Danach ging die Einsatzstelle an die Polizei über. Nach Angaben der Feuerwehr waren von Montagabend bis Donnerstagabend dauerhaft mehr als 130 Kräfte vor Ort. Insgesamt beteiligten sich demnach zwischen 500 und 1.000 Menschen an der Suche. Einsatzkräfte arbeiteten teils mit Schaufeln und bloßen Händen im Schutt, unterstützt von Spürhunden sowie schwerem Gerät wie Baggern, Radladern und Kränen.
Drei Vermisste nur noch tot geborgen
Die drei zunächst vermissten Personen konnten nur noch tot geborgen werden. In der Nacht wurde zunächst die Leiche einer 25 Jahre alten Rumänin gefunden, einige Stunden später die einer 26-Jährigen. Am frühen Donnerstagabend entdeckten die Suchteams schließlich eine dritte Leiche. Dabei handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um den vermissten 48-Jährigen mit bulgarischer und deutscher Staatsangehörigkeit.
Nach Angaben von Helfern wurden die Angehörigen vor Ort von Notfallseelsorgern sowie zwei Geistlichen betreut. Unter ihnen war auch ein Mann aus Rumänien, dessen Verlobte und Cousine sich in dem Haus aufhielten, als es einstürzte. Er selbst war zum Zeitpunkt des Unglücks einkaufen.
Ergebnisse der Rechtsmedizin kommende Woche erwartet
Die Todesopfer werden nun rechtsmedizinisch untersucht. Erste Ergebnisse zur Todesursache erwartet die Polizei am Dienstag oder Mittwoch kommender Woche.
Ein offizielles Gedenken ist nach Angaben von Oberbürgermeister Ursu zunächst nicht geplant. Viele Rettungskräfte hätten sich über die Pfingsttage vor allem Ruhe und Erholung gewünscht. Die Kirchen sollen jedoch in den Pfingstgottesdiensten Fürbitten halten. Über ein späteres Gedenken soll zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden.
Görlitz ist die östlichste Stadt Deutschlands und liegt in der sächsischen Oberlausitz direkt an der Neiße. Gemeinsam mit der polnischen Nachbarstadt Zgorzelec bildet sie eine grenzüberschreitende Europastadt.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion