Sachsen

Infineon zündet Dresden-Boom: 1.000 neue Jobs

5 Milliarden, 1.000 Jobs, Chips für KI: Was in Infineons neuer Mega-Fabrik entsteht, soll Europas Tech-Zukunft prägen.

02.07.2026, 12:12 Uhr

Infineon eröffnet neue Chipfabrik in Dresden

Infineon hat in Dresden seine neue „Smart Power Fab“ in Betrieb genommen. In das Werk flossen rund fünf Milliarden Euro, knapp eine Milliarde davon stammt aus öffentlichen Mitteln. Nach Angaben von Vorstandschef Jochen Hanebeck ist es die größte Einzelinvestition in der Geschichte des Unternehmens. Mit der neuen Fabrik will Infineon seine Produktionskapazitäten am Standort verdoppeln. Zudem entstehen dort etwa 1.000 zusätzliche Arbeitsplätze.

Hanebeck sprach von einem wichtigen Impuls für Dresden, Deutschland und Europa. Die Fabrik komme genau zum richtigen Zeitpunkt, weil sie dringend benötigte Kapazitäten für Zukunftstechnologien schaffe – von der Energieversorgung für KI-Rechenzentren über softwaredefinierte Fahrzeuge bis hin zu erneuerbaren Energien. Zugleich solle das Werk helfen, Lieferketten in kritischen Industrien abzusichern.

Fertigstellung früher als geplant

Seit dem Baustart im Mai 2023 dauerte es rund drei Jahre bis zur Vollendung des Werks. Die Anlage wurde dabei drei Monate früher fertig als vorgesehen. Produziert werden dort Leistungshalbleiter, die unter anderem in Elektrofahrzeugen, bei erneuerbaren Energien, in Rechenzentren sowie in industriellen Anlagen zum Einsatz kommen. Gefertigt werden die Chips auf 300-Millimeter-Wafern.

Nach Unternehmensangaben handelt es sich um die weltweit größte Fabrik für Leistungshalbleiter. Das Gebäude ragt mehr als 40 Meter in die Höhe und 22 Meter in die Tiefe. Der Reinraum erstreckt sich über zwei Etagen und umfasst eine Fläche von ungefähr drei Fußballfeldern. Weil die winzigen Chipstrukturen extrem empfindlich sind, braucht die Produktion eine nahezu staubfreie Umgebung.

Milliardeninvestitionen und Forderung nach weniger Bürokratie

Hanebeck warb zugleich für einen stärkeren Halbleiterstandort Europa. Dafür seien schnellere Verfahren, mehr Planungssicherheit und weniger Bürokratie nötig. Unternehmen bräuchten Tempo und Flexibilität, gerade bei Förderprojekten im Rahmen des European Chips Act und der IPCEI-Initiativen.

Infineon investiert laut Hanebeck jedes Jahr 30 bis 40 Prozent seines Umsatzes in Fabriken sowie in Forschung und Entwicklung. Fast jeder zweite Euro davon fließe in den Heimatstandort Deutschland. Im vergangenen Jahr habe das Investitionsvolumen hierzulande bei rund drei Milliarden Euro gelegen.

Dresden gilt mit starken Unternehmen und mehr als 80.000 Beschäftigten bereits heute als Zentrum der europäischen Chipindustrie. Durch die Ansiedlung des taiwanischen Konzerns TSMC sowie den Ausbau der Produktion bei Infineon und Globalfoundries könnte die Zahl der Arbeitsplätze bis 2040 auf rund 100.000 steigen. Aktuell beschäftigt Infineon in Dresden etwa 4.000 Menschen.

Rückendeckung aus der Politik

Bundeskanzler Friedrich Merz, der seine Teilnahme vor Ort abgesagt hatte und per Video zugeschaltet wurde, bezeichnete die Eröffnung als starkes Signal für den Industriestandort Deutschland und Europa. Die Investition zeige, dass hochmoderne und wettbewerbsfähige Halbleiterfertigung in Deutschland möglich sei. Zugleich wertete er das neue Werk als Aufbruchssignal für das ganze Land.

Merz sagte, das Beispiel Dresden zeige, wie Projekte in Deutschland schneller vorankommen könnten. Dieses Tempo solle künftig zum Normalfall werden.

Digitalminister Karsten Wildberger nannte die Investition einen Meilenstein auf dem Weg zu einem digital souveränen Deutschland. Das Werk belege, dass Deutschland sowohl Hightech als auch Tempo könne. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer mahnte zugleich mehr Anstrengungen im internationalen Wettbewerb an. Europa strebe 20 Prozent Weltmarktanteil in der Chipfertigung an, liege derzeit aber noch deutlich unter zehn Prozent.

Produktion mit Ökostrom und Industriewasser

Die Smart Power Fab wird vollständig mit Ökostrom betrieben. Außerdem nutzt das Werk Industriewasser statt Trinkwasser. Damit setzt Infineon nach eigenen Angaben auch bei der Ressourcennutzung neue Maßstäbe am Standort.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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