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Wegen TikTok-Kuss: Paar in Indonesien ausgepeitscht

Ein TikTok-Kuss ohne Trauschein endete brutal: In Indonesien wurde ein Paar dafür vor Publikum ausgepeitscht.

02.07.2026, 12:53 Uhr

Ein Kuss in einem TikTok-Livestream hat für ein junges Paar in Indonesien drastische Konsequenzen gehabt: In der konservativen Provinz Aceh wurden beide öffentlich mit dem Rohrstock bestraft. Nach Angaben lokaler Medien verurteilte ein Scharia-Gericht den 22-jährigen Mann und die 25-jährige Frau wegen eines Verstoßes gegen islamische Moralvorschriften zu jeweils 21 Hieben. Ausschlaggebend war demnach, dass die beiden nicht verheiratet sind.

Die Strafe wurde vor vielen Zuschauern auf einer Bühne in einem Park in Banda Aceh vollzogen, der Hauptstadt der Provinz. Zunächst hatte das Gericht jeweils 25 Stockhiebe angeordnet. Weil das Paar bereits vier Monate in Untersuchungshaft verbracht hatte, fiel das endgültige Strafmaß niedriger aus.

Laut dem Nachrichtenportal Serambinews.com erklärte Staatsanwalt Bobbi Sandri, die öffentlichen Auspeitschungen sollten andere Menschen davon abhalten, gegen die religiösen Regeln der Provinz zu verstoßen.

Kuss im Auto löste Ermittlungen aus

Festgenommen wurden die beiden, nachdem ein Livestream von Ende Februar im Netz große Verbreitung gefunden hatte. Darin waren sie zu sehen, wie sie sich in einem Auto küssten. Der Vorfall wurde anschließend den Scharia-Behörden gemeldet, die daraufhin Ermittlungen aufnahmen.

Amnesty International verurteilt die öffentlichen Auspeitschungen in Aceh seit Jahren scharf. Die Menschenrechtsorganisation bezeichnet sie als grausam, unmenschlich und erniedrigend und fordert ein Ende dieser Praxis.

Aceh liegt an der Nordwestspitze Sumatras und ist die einzige Provinz Indonesiens, in der die Scharia offiziell gilt.

Scharia in Indonesien
Ein Kuss ohne Ehering – in Aceh hat das schmerzhafte Folgen. Quelle: Reza Saifullah/AP/dpa

Auch Alkohol, Glücksspiel und gleichgeschlechtliche Beziehungen betroffen

Das Recht zur Einführung islamischen Rechts erhielt Aceh Anfang der 2000er Jahre im Zuge eines Friedensabkommens, das einen langjährigen Separatistenkonflikt beendete. Nach den dort geltenden Vorschriften können öffentliche Stockhiebe unter anderem auch für Ehebruch, Alkoholkonsum, Glücksspiel oder gleichgeschlechtliche Beziehungen verhängt werden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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