Bayern

Bayerns Pilzsaison beginnt bitter

Leere Körbe trotz Pilzsaison? Warum Bayerns Wälder plötzlich geizen – und welches Wetter jetzt alles noch drehen könnte.

29.08.2026, 04:00 Uhr

Schlechter Start der Pilzsaison in Bayern

Eigentlich beginnt jetzt die Zeit, in der Sammler in Bayern mit gut gefüllten Körben aus dem Wald zurückkehren. Doch statt Pfifferlingen, Steinpilzen oder Maronen finden viele derzeit kaum etwas. Nach Angaben von Christoph Hahn, Präsident der Bayerischen Mykologischen Gesellschaft, sorgen anhaltende Trockenheit und große Hitze dafür, dass heuer deutlich weniger Pilze wachsen als sonst.

Ganz verschwunden sind die Pilze im Boden allerdings nicht. Das eigentliche Pilzgeflecht lebt unter der Erde weiter, sichtbar wird nur der Fruchtkörper, also der Teil, der gesammelt werden kann. Nach dem trockenen Sommer müssten sich die Pilze zunächst erholen, erklärt Hahn. Dafür brauche es vor allem ausreichend Feuchtigkeit im Waldboden. Wann sich die Bestände vollständig regenerieren, sei derzeit offen.

Weniger Fälle beim Giftnotruf

Auch beim Giftnotruf der Technischen Universität München zeigt sich die schwache Saison. In den vergangenen beiden Jahren gingen dort jährlich zwischen 380 und 650 Anfragen zu Pilzvergiftungen ein. In diesem Jahr liege die Zahl bislang nur im niedrigen zweistelligen Bereich, sagt Leiter Florian Eyer. Sollte es in den kommenden Wochen jedoch mehr regnen, rechnet er zwischen Mitte September und Anfang Oktober wieder mit einem Anstieg der Anrufe.

Von der Trockenheit sind Giftpilze grundsätzlich ebenso betroffen wie essbare Arten. Einige Arten kommen mit wenig Feuchtigkeit aber besser zurecht. Dazu zählt etwa der Falsche Wiesenegerling, der ursprünglich aus dem Mittelmeerraum stammt. Er kann leicht mit dem essbaren Wiesenchampignon verwechselt werden. Laut Hahn ist die Ähnlichkeit so groß, dass manche Pilzberater solche Funde inzwischen nicht mehr ohne Weiteres als unbedenklich einstufen.

Pilzsaison
Ein Gold-Röhrling wird von einer Frau mit einem Pilzmesser abgeschnitten. (Archivbild) Quelle: Bodo Schackow/dpa

Kaum Nachfrage bei Pilzberatern

Wer sich beim Sammeln unsicher ist, kann seine Funde bei Pilzberatungen prüfen lassen, um gefährliche Verwechslungen zu vermeiden. Doch auch dort zeigt sich, wie schlecht die Saison angelaufen ist. Viele Berater hätten derzeit kaum Kundschaft, berichtet Hahn. Statt früher 30 Menschen kämen mancherorts aktuell nur noch zwei.

Besonders leiden laut Experten jene Pilzarten, die in enger Gemeinschaft mit Bäumen leben. Da viele Bäume durch die Sommerdürre geschwächt seien, stehe auch den Pilzen weniger Wasser zur Verfügung. Andere Arten wie der Wiesenchampignon hätten unter den Bedingungen etwas bessere Chancen.

Kleine Pilze lieber stehen lassen

Wer im Wald nur sehr kleine Pilze entdeckt, sollte sie besser nicht mitnehmen. Nach Einschätzung von Hahn sind junge Exemplare schwerer zu bestimmen, wodurch das Risiko einer Verwechslung steigt. Im Zweifel gelte: lieber auf die Ernte verzichten und den Ausflug als schönen Spaziergang verbuchen.

Sollte bald ergiebiger Regen einsetzen, könnten sich die Bestände rasch erholen. Manche Arten reagieren schneller, andere langsamer. Regional gibt es zudem Unterschiede: Am Alpenrand ist die Lage wegen häufigerer Niederschläge günstiger als in Franken. Für das kommende Jahr zeigt sich Hahn dennoch optimistisch – vorausgesetzt, Bayern erlebt nicht erneut einen außergewöhnlich trockenen Sommer.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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