Die Lage in den von Waldbränden betroffenen Eifel-Kommunen Monschau und Hürtgenwald hat sich weiter beruhigt. Für den Hürtgenwald gibt es nun eine wichtige Entwarnung: Der nach offiziellen Angaben größte Waldbrand in der Geschichte Nordrhein-Westfalens ist nach einem tagelangen Großeinsatz unter Kontrolle. Das teilte Dürens Landrat Ralf Nolten (CDU) mit.
Auch in Monschau sieht die Stadt derzeit keinen Anlass für eine Evakuierung der Ortsteile Mützenich und Kalterherberg. Dort steht inzwischen vor allem die Rauch- und Geruchsbelastung im Mittelpunkt der Sorge.
Monschau: Keine Evakuierung geplant, Sorge vor Rauchbelastung
Die Feuerfront des großen Waldbrandes im belgischen Hohen Venn war am Sonntag zwar näher an Monschau herangerückt. Nach Angaben der Stadt lag sie am Mittag nur noch knapp zwei Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Dennoch geht die Kommune aktuell nicht davon aus, dass die Flammen auf deutsches Gebiet übergreifen.
Eine Sprecherin sprach von einer vorsichtigen Entspannung. In der Nacht zu Sonntag waren die rund 5.000 Einwohnerinnen und Einwohner in Mützenich und Kalterherberg noch vorsorglich aufgefordert worden, sich auf eine mögliche Evakuierung vorzubereiten. Diese sei nach aktuellem Stand aber nicht erforderlich.
Im Mittelpunkt der Sorgen steht inzwischen weniger die Feuerfront selbst als vielmehr die starke Rauch- und Geruchsbelastung. Die Stadt warnt vor möglicher gesundheitsschädlicher Belastung durch den Brandgeruch. Wer vorsorglich Haus oder Wohnung vorübergehend verlassen möchte, kann dies selbst entscheiden. Für Menschen, die Unterstützung benötigen, steht eine Anlaufstelle bereit. Eine behördlich angeordnete Räumung sei derzeit nicht nötig – die Einschätzung könne sich aber je nach Lageentwicklung ändern.
Auch aus Belgien gab es ein vorsichtig positives Signal: Innenminister Bernard Quintin teilte auf X mit, Teile des Brandes in Richtung Monschau seien unter Kontrolle.
Feuerwehr in Monschau fährt Einsatz zurück
Nach Einschätzung der Feuerwehr hat sich die Gefahrenlage in Monschau zunächst entspannt. Einsatzleiter Philipp Krüger sagte am Morgen, man fahre den Einsatz zurück. Bereits in der Nacht sei ein Großteil der rund 90 Einsatzkräfte abgezogen worden. Derzeit seien noch 20 Kräfte in Reserve vor Ort.
Die Entwicklung werde weiter genau beobachtet. Sollte sich die Lage erneut verschärfen, könnten Kräfte jederzeit wieder verstärkt werden.
Hürtgenwald: Größter Waldbrand in NRW-Geschichte unter Kontrolle
Deutlich ruhiger ist die Situation auch im rund 20 Kilometer entfernten Hürtgenwald. Nach Angaben von Landrat Ralf Nolten (CDU) ist der Waldbrand dort unter Kontrolle. Zuvor hatte der Kreis Düren bereits gemeldet, dass es keine offenen Flammen mehr gebe und sich die Arbeiten auf verbliebene Glutnester konzentrierten.
Das betroffene Gebiet von rund 300 Hektar werde weiterhin überwacht. Ein Aufklärungshubschrauber mit Wärmebildkamera kontrolliert, ob sich vereinzelte Glutnester erneut entzünden. Außerdem bleiben zwei Löschhubschrauber vor Ort.
Nach Angaben des Kreises ist das gesamte Brandgebiet inzwischen mit einer Schneise umgeben worden, um ein erneutes Ausbreiten möglicher Flammen zu verhindern.
Rund 300 Hektar betroffen, viele Menschen bereits zurückgekehrt
Im Hürtgenwald sind nach Angaben des Kreises etwa 300 Hektar Wald vom Feuer betroffen. Vom Brand verschont blieb der Ortsteil Gey selbst. Dort hatte sich die Lage bereits am Samstagabend so weit entspannt, dass die zuvor evakuierten Bewohnerinnen und Bewohner in ihre Häuser zurückkehren konnten. Nach Angaben einer Sprecherin waren Stand Sonntagmorgen rund zwei Drittel der Betroffenen wieder vor Ort.
In der Nacht zu Freitag hatten dort etwa 2.000 Menschen ihre Häuser verlassen müssen. Die Flammen waren zeitweise bis auf 250 Meter an Grundstücke herangerückt.
An den Löscharbeiten waren zuletzt zeitweise bis zu 1.800 Einsatzkräfte beteiligt. Am Sonntag waren noch mehrere hundert Kräfte im Einsatz, die Zahl wurde damit deutlich reduziert.
Wetter hilft nur begrenzt
Mit größerer Unterstützung durch Regen können die Einsatzkräfte vorerst nicht rechnen. Für die kommenden Tage sagte der Deutsche Wetterdienst für die Eifel zwar etwas Regen, aber keine großen Mengen voraus. Damit dürfte das Wetter die Löscharbeiten nur begrenzt erleichtern.
Belgische Seite bleibt weiter stark betroffen
Während sich die Lage auf deutscher Seite entspannt, bleibt der Großeinsatz im belgischen Hohen Venn weiter ernst. Nach Angaben der belgischen Nachrichtenagentur Belga mussten in zwei Orten rund 600 Menschen ihre Häuser verlassen.
Der Gouverneur der Provinz Lüttich hatte bereits mitgeteilt, dass der Waldbrand inzwischen eine Fläche von rund 2.700 Hektar erfasst habe. Nach belgischen Angaben handelt es sich dabei um den größten Waldbrand in der Geschichte Belgiens.
Ursache weiter unklar
Sobald die akuten Löscharbeiten abgeschlossen sind, dürfte die Brandursache stärker in den Fokus rücken. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst sowie weitere Kabinettsmitglieder informierten sich vor Ort über die Lage. Innenminister Herbert Reul und Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen hatten ein mögliches menschliches Fehlverhalten als denkbare Ursache genannt.
Die Kölner Polizei, die zu dem Feuer bei Hürtgenwald ermittelt, hat inzwischen ein Hinweisportal freigeschaltet. Abschließende Erkenntnisse gibt es bislang nicht, eingegangene Hinweise werden derzeit ausgewertet.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber