Nordrhein-Westfalen

Brand im Hohen Venn: Droht Monschau die Evakuierung?

Flammen an der Grenze: Monschau warnt Bewohner vor möglicher Evakuierung – Notunterkünfte werden schon vorbereitet.

15.08.2026, 18:51 Uhr

Vorsichtige Entspannung im Hürtgenwald – doch nur etwa 20 Kilometer entfernt wächst die Sorge: Die grenznahe Stadt Monschau in Nordrhein-Westfalen hat am Samstagabend Anwohner mehrerer Siedlungen aufgefordert, sich vorsorglich auf eine mögliche Evakuierung einzustellen. Auslöser ist ein weiterer großer Waldbrand im belgischen Hohen Venn nahe der deutschen Grenze.

Betroffen sind nach Angaben der Stadt die Siedlungen Ruitzhof, Leyloch, Vennhof, Haus Sonnentau, Plattevenn und Geisberg. Insgesamt geht es laut Stadtsprecherin um 47 Häuser. Die Information wurde über die städtischen Kanäle bei Facebook und Instagram verbreitet.

Wenn möglich, sollen die Bewohner zunächst bei Freunden oder Verwandten unterkommen. Parallel dazu bereitet die Stadt Notunterkünfte vor. Nach Angaben der Stadt handelt es sich bislang um eine reine Vorsichtsmaßnahme. Konkrete Anzeichen für eine notwendige Räumung in Monschau gibt es derzeit nicht. Auf belgischer Seite wurde die Evakuierung der Orte Küchelscheid und Leykaul bereits eingeleitet.

Brand in Belgien inzwischen auf rund 2.700 Hektar angewachsen

Der Waldbrand im Hohen Venn hat nach Angaben des Gouverneurs der Provinz Lüttich inzwischen eine Fläche von rund 2.700 Hektar erfasst. Damit ist das Feuer deutlich größer als der Brand im Hürtgenwald in Nordrhein-Westfalen, wo laut Kreis Düren etwa 300 Hektar Wald betroffen sind.

Lokale Politiker sprechen belgischen Medien zufolge vom größten Brand, den Belgien je erlebt hat. Belgien bat deshalb am Samstag andere EU-Länder um Unterstützung. Nach Behördenangaben sind auch deutsche Feuerwehrkräfte im Einsatz. Zusätzlich wurden weitere Hubschrauber und Flugzeuge aus Tschechien, Schweden und den Niederlanden mobilisiert. Darauf wies auch die EU-Kommissarin für Krisenmanagement, Hadja Lahbib, auf der Plattform X hin.

Laut der Nachrichtenagentur Belga mussten rund 600 Menschen in zwei belgischen Orten ihre Häuser verlassen. Grund sind die schnelle Ausbreitung des Feuers, wechselnde Windrichtungen und die starke Rauchentwicklung. Der Brand war am Freitagnachmittag ausgebrochen.

Hoffnung im Hürtgenwald

Beim Waldbrand im Hürtgenwald hat sich die Lage unterdessen deutlich entspannt. Der Kreis Düren teilte mit, dass der Brand zwar noch nicht vollständig gelöscht, aber eingegrenzt worden sei. Zeitweise arbeiteten dort bis zu 1.800 Einsatzkräfte zusammen.

Besonders wichtig für die Region: Die gut 1.800 Bewohner des evakuierten Hürtgenwalder Ortsteils Gey dürfen in ihre Häuser zurückkehren. Die Entscheidung traf Landrat Ralf Nolten (CDU) am Abend. Die Menschen hatten den Ortsteil in der Nacht auf Freitag wegen des Waldbrandes in der Nordeifel verlassen müssen.

Zuvor hatte der Landrat noch ein Gewitter und mögliche starke Winde abgewartet, die die Flammen erneut hätten anfachen können. Nach Angaben des Kreises konnte Gey inzwischen so gesichert werden, dass das Feuer nicht auf den Ort übergreift.

Erste Bewohner kehrten noch am Abend zurück. Eine Polizeisperre ließ die Fahrzeuge in den Ort passieren, zunächst handelte es sich jedoch nur um wenige Rückkehrer.

Der Einsatz von Löschhubschraubern wurde am frühen Abend eingestellt, weil er nach Angaben des Kreises nicht mehr nötig war. Die Löscharbeiten am Boden dauern aber weiter an.

Kirmes in Rheinland-Pfalz wegen Rauch unterbrochen

Die Auswirkungen der Brände sind inzwischen auch in Rheinland-Pfalz zu spüren. Das Polizeipräsidium Trier teilte mit, dass sich die Rauchwolken seit dem Nachmittag wegen der Feuer in Belgien und Nordrhein-Westfalen sowie durch Wind und Wetter in der Region ausgebreitet hätten – besonders in der Eifel und an der Mosel. Vielerorts sei deutlicher Brandgeruch wahrnehmbar, teils liege sogar Asche in der Luft.

Zugleich betonte die Polizei, dass im Zuständigkeitsbereich derzeit keine eigenen Flächen- oder Waldbrände bekannt seien und aktuell keine unmittelbare Gefahr durch die Brände bestehe.

Wegen des Rauchs wurde am Samstag zudem eine Kirmes in Wittlich im Landkreis Bernkastel-Wittlich vorübergehend unterbrochen. Die Verantwortlichen beobachten die Lage fortlaufend. Die am Freitag gestartete Säubrennerkirmes gilt als eines der größten Feste der Region.

Behörden raten: Fenster und Türen geschlossen halten

Die Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich warnte vor starker Rauchentwicklung im gesamten Kreisgebiet. Demnach kann es zu Sichtbehinderungen und Geruchsbelästigungen durch Brandgase kommen. Die Behörden riefen die Bevölkerung dazu auf: „Bitte schließen Sie Fenster, Türen und schalten Sie Lüftungs- und Klimageräte aus.“

Auch in Trier ist der Rauch nach Angaben der Polizei angekommen. Dort sei es diesig und es rieche deutlich nach Brand.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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