Nordrhein-Westfalen

Wüst sieht Wendepunkt im Kampf gegen den Waldbrand

NRWs größter Waldbrand hält den Hürtgenwald in Atem – doch jetzt keimt neue Hoffnung für die evakuierten Anwohner.

15.08.2026, 15:50 Uhr

Erste Hoffnung im Hürtgenwald: Evakuierte aus Gey dürfen zurück

Im Kampf gegen den Waldbrand im Hürtgenwald in der Eifel gibt es vorsichtigen Optimismus. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) sagte nach einer Lagebesprechung, es gebe erste Hoffnung, dass das Feuer unter Kontrolle gebracht werden könne. In der Nacht habe sich die Lage zunächst stabilisiert.

Nach Angaben Wüsts ist bislang kein Wohnhaus zerstört worden. Zudem sei es gelungen, Verletzte oder Tote zu verhindern.

Wetter bleibt entscheidend

Mit Blick auf leichten Nieselregen vor Ort warnte Wüst zugleich vor zu großer Zuversicht. Die wenigen Tropfen könnten auch mit auffrischendem Wind einhergehen. Damit bleibe die Entwicklung weiterhin stark davon abhängig, dass der Wind nicht stärker werde.

Evakuierte aus Gey dürfen wieder nach Hause

Rund 2.000 Bewohnerinnen und Bewohner aus dem Ortsteil Gey mussten zwischenzeitlich ihre Häuser verlassen. Viele kamen bei Verwandten oder Freunden unter. Nur etwa 20 Menschen hielten sich nach Angaben der Behörden in einer Notunterkunft in einer Schule auf.

Am Samstagabend gab es dann Entwarnung für den Ort: Alle Evakuierten durften in ihre Häuser zurückkehren. Das teilte Landrat Ralf Nolten (CDU) mit. Für einige Straßen in Gey gelten allerdings weiter Parkverbote, damit schwere Einsatzfahrzeuge und Rettungsgerät auch in den kommenden Tagen ungehindert durch den Ort kommen.

Derweil wird derzeit nicht mit weiteren Evakuierungen anderer Ortsteile gerechnet. Maßgeblich bleibt aber weiterhin die Sicherheit der Bevölkerung.

Größter Waldbrand in der Geschichte Nordrhein-Westfalens

Der Brand gilt inzwischen als größter Waldbrand in der Geschichte Nordrhein-Westfalens. Betroffen ist eine Fläche von rund 300 Hektar, was laut Einsatzleitung etwa 420 Fußballfeldern entspricht.

Besonders schwierig ist der Einsatz, weil sich im Gelände noch Munition aus dem Zweiten Weltkrieg befinden soll. Außerdem erschweren wechselnde Winde in den Höhenlagen die Löscharbeiten. Dadurch habe sich das Feuer zeitweise in verschiedene Richtungen ausgebreitet.

1.400 Kräfte, elf Hubschrauber und laufender Personalwechsel

Seit Donnerstag sind im Hürtgenwald massive Kräfte im Einsatz. Nach aktuellen Angaben wurden 1.400 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Bundeswehr, DRK und THW aufgeboten.

Aus der Luft unterstützen elf Hubschrauber mit Löschwasser. Am Boden helfen unter anderem Polizeikräfte mit Wasserwerfern, während schwere Fahrzeuge und Bergepanzer deutliche Spuren im Gelände hinterlassen haben.

Der Einsatz bleibt kräftezehrend: Alle zwölf Stunden rücken nach Angaben aus dem Einsatzraum etwa 500 neue Feuerwehrleute nach, um erschöpfte Kolleginnen und Kollegen abzulösen.

Große Hilfsbereitschaft vor Ort

Wüst dankte den vielen Einsatzkräften sowie dem Bund für die Unterstützung. Zugleich hob er die große Solidarität hervor. Viele Menschen würden mit großem Herzen enorme Leistungen erbringen.

Auch Landrat Ralf Nolten (CDU) sprach von einer enormen Hilfsbereitschaft. Zahlreiche Landwirte brächten mit Traktoren und Wassertanks ununterbrochen Wasser in das Einsatzgebiet. Die Unterstützung sei so groß, dass sie teils koordiniert werden müsse.

Nolten betonte zudem, dass viele der Helferinnen und Helfer ehrenamtlich bei Feuerwehr und Hilfsorganisationen engagiert seien. Er rief dazu auf, sich ebenfalls einzubringen.

Eindringlicher Appell: Wälder meiden

Wüst hatte bereits an die Bevölkerung appelliert, den Wald nur dann zu betreten, wenn es unbedingt nötig ist. In der Natur sei derzeit äußerste Vorsicht nötig – etwa keine Zigaretten wegzuwerfen und kein Glas liegenzulassen.

Noch deutlicher wurde NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU). Er forderte die Menschen mit Nachdruck auf, die Wälder angesichts der hohen Waldbrandgefahr nicht zu betreten. Zugleich kritisierte er scharf verantwortungsloses Verhalten als mögliche Brandursache.

Weitere Sorge durch neuen Rauch am Horizont

Während der Großeinsatz im Hürtgenwald weiterläuft, war am Horizont bereits Rauch eines weiteren größeren Waldbrandes im Hohen Venn auf belgischer Seite zu sehen. Das unterstreicht die angespannte Lage in der gesamten Region.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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