Isabell Werth strahlte erleichtert, zeigte die Siegerfaust und genoss den Jubel in Aachen: Die erfolgreichste Dressurreiterin der Geschichte gewann mit der deutschen Mannschaft ihre zehnte WM-Goldmedaille. Bei den Heim-Weltmeisterschaften im größten Reit-Stadion der Welt brachte sie den Vorsprung des Teams souverän ins Ziel. Für Deutschland war es bereits das 13. WM-Gold in der Dressur-Teamwertung.
Mit 235,063 Prozentpunkten setzte sich das deutsche Quartett vor Großbritannien (231,445) und Dänemark (229,426) durch.
Werth brachte den Vorsprung sicher nach Hause
Nach den starken Vorstellungen ihrer Teamkollegen musste Werth mit Wendy den bereits deutlichen Vorsprung nur noch bestätigen. Entsprechend zufrieden zeigte sie sich nach ihrem Ritt. „Das war super“, rief die Rekordreiterin direkt nach ihrem Auftritt.
Später sagte Werth in der ARD: „Ich freue mich sehr. Wir haben wirklich eine super Mannschaftsleistung hier gehabt.“ Über ihre Stute erklärte sie: „Wendy war gut drauf, aber schon auch orientiert in der Umgebung. Und deshalb bin ich super happy, dass wir das mit kontrollierten Risiko so gut nach Hause gebracht haben.“
Bundestrainerin Monica Theodorescu lobte den gesamten Auftritt des Teams: „Ich habe mich einfach über jeden Ritt gefreut.“ Mit Blick auf die Leistungen vor Werth und deren Abschluss ergänzte sie, das sei „wirklich eine super Teamleistung. Ganz große Klasse!“.
Hemmer nimmt den Druck mit Humor
Schon vor Werths Start hatte Theodorescu auf den klaren Vorsprung zur Konkurrenz verwiesen. Nach dem starken Ritt von Katharina Hemmer mit Denoix sei die Ausgangslage äußerst komfortabel gewesen. „Sie kann ja jetzt entspannt reiten“, sagte die Bundestrainerin mit Blick auf Werth.
Auch Hemmer wusste, dass Deutschland vor Werths Ritt klar vorne lag. „Da brauchte man jetzt kein Mathe-Genie für sein“, sagte die 32-Jährige. Die Vorarbeit von Raphael Netz mit Camelot und Frederic Wandres mit Bluetooth habe viel Druck genommen: „Die Jungs haben gestern schon super vorgelegt, ich habe mich schon bedankt.“ Bereits am Vortag hatten die beiden das Fundament für den Titel gelegt.
Bei ihrer ersten Weltmeisterschaft im großen Aachener Stadion mit rund 18.000 Zuschauern zeigte sich Hemmer unbeeindruckt. „Ich habe mit Druck sowieso nicht so viel am Hut“, sagte sie grinsend – und schob hinterher: „Zum Glück!“
Über Werth scherzte Hemmer: „Ich glaube, für Isabel ist das quasi gehopst wie gesprungen. Also, die kann es auch sehr gut mit Druck.“ In dieser Konstellation habe Werth aber vergleichsweise entspannt einreiten können.
Begeisterung im deutschen Lager
Hemmers Vorstellung sorgte auch im Team für große Begeisterung. Raphael Netz kommentierte ihren Ritt mit einem begeisterten: „Geil, einfach geil.“ Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Hemmer die beste Leistung des Wettbewerbs gezeigt, bevor die stärksten Paare der übrigen Nationen folgten.
Weitere Medaillen in der Dressur werden am Freitag und Samstag in den Einzelentscheidungen Special und Kür vergeben. Für den Special am Freitag haben sich alle vier deutschen Paare qualifiziert.
Theodorescu lobte besonders Hemmers Entwicklung innerhalb der Prüfung. Sie habe sich „von Linie zu Linie immer weiter gesteigert“ und dabei enorme Souveränität gezeigt. Dass Hemmer reiten könne, stehe außer Frage, doch eine solche Leistung auf Championatsniveau sei außergewöhnlich. Sie habe die besondere Gabe, im Viereck zu spüren, was noch möglich sei. Bereits im Vorjahr hatte Hemmer bei ihrem EM-Debüt mit der Mannschaft Gold gewonnen.
Wandres spürte die Anspannung besonders
Für Frederic Wandres war die Situation am ersten Wettkampftag nervlich besonders fordernd. Nach seinem Ritt schilderte er, ihm sei ein riesengroßer Stein vom Herzen gefallen. „Beim Bahnpunkt G liegt ein riesengroßer Stein, das ist mein Stein“, sagte er bildhaft.
Trotz seiner Erfahrung aus früheren Erfolgen mit dem Team – darunter Gold bei Olympia und bei der Europameisterschaft – sei jede große Meisterschaft wieder eine neue Bewährungsprobe. „Ich war gut fertig mit den Nerven, als ich da ankam, weil so viel Druck auf den Schultern liegt“, sagte Wandres. Man kenne solche Situationen zwar aus Paris und Crozet, „aber es ist immer wieder ein neues Rennen, und wir müssen uns beweisen“.
Genau das gelang dem deutschen Quartett in Aachen eindrucksvoll.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber