Hessen

Kelkheim-Schock: Mann tötet Ehefrau – jetzt U-Haft?

Tödliche Attacke in Kelkheim: Nach dem Angriff auf seine Frau ist der Täter gefasst. Jetzt fällt die nächste brisante Entscheidung.

15.07.2026, 07:16 Uhr

Nach der tödlichen Attacke auf eine 58 Jahre alte Frau in Kelkheim im hessischen Main-Taunus-Kreis ist gegen den mutmaßlichen Täter Haftbefehl erlassen worden. Eine Ermittlungsrichterin am Amtsgericht Frankfurt ordnete Untersuchungshaft wegen des Verdachts des Mordes aus niedrigen Beweggründen an.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll der 60-Jährige seine Ehefrau am Dienstagabend im Freien nahe dem Marktplatz mit einer Machete getötet haben. Die Frau erlag noch am Tatort ihren Verletzungen. Zeugen griffen ein, überwältigten den Mann und hielten ihn bis zum Eintreffen der Polizei fest. Dabei wurde der Verdächtige laut Polizei verletzt. Opfer und Beschuldigter sind nach Angaben der Staatsanwaltschaft kroatische Staatsangehörige.

Am Abend nannten die Ermittler weitere Einzelheiten zur Tat. Demnach soll der Mann seiner Frau mit der Machete "mindestens 30 abgrenzbare Stich- und Schnittverletzungen im Bereich des Kopfes, Halses, Nackens und Oberkörpers" zugefügt haben. Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft handelte er "aus übersteigertem Besitzdenken und Eifersucht, in der Annahme, sie gehe ihm fremd".

Mehrfache Drohungen vor der Tat

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft war das Paar seit 1991 verheiratet, lebte aber seit etwa drei Jahren getrennt. Die Frau habe den Mann zwischenzeitlich wieder in die eheliche Wohnung aufgenommen. Ihren Wunsch nach einer Scheidung habe der Beschuldigte jedoch nicht akzeptiert. Laut Staatsanwaltschaft habe er wiederholt damit gedroht, seine Ehefrau im Fall einer Scheidung umzubringen.

Hilfsangebote der Polizei habe die Frau demnach ausgeschlagen. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft ging sie davon aus, dass der Beschuldigte ihr nichts antun werde, weil er sie noch liebe.

Spuren der Tat am nächsten Morgen noch sichtbar

Am Morgen nach dem Verbrechen erinnerte in der Innenstadt nur noch wenig an die Gewalttat. Der Wochenmarkt, der mittwochs stattfindet, lief weiter, wenn auch mit wenigen Besuchern. Rund um den Marktplatz waren Menschen unterwegs, nur wenige Schritte entfernt lag jedoch der Tatort.

Dort waren noch deutliche Spuren der Ermittlungen zu sehen: blaue Markierungen auf dem Boden, die sich über Dutzende Meter zogen und vor einer Bäckerei besonders auffielen. In der Nähe lagen Blumen und einzelne Kerzen. Im Laufe des Morgens kamen weitere Passanten, teils mit frischen Blumen vom Marktstand um die Ecke, und legten sie dazu. Immer wieder blieben Menschen überrascht vor der geschlossenen Tür der Bäckerei stehen, weil sie von der Tat zunächst nichts mitbekommen hatten.

Eine ältere Frau sagte, sie habe am Abend zwar Sirenen gehört, aber zunächst gedacht, diese stünden im Zusammenhang mit dem Fußballspiel. Erst durch eine Nachricht ihrer Tochter habe sie von dem Verbrechen erfahren.

Eine Passantin erklärte ihre Geste mit den Worten: "Ganz ehrlich: Ich bin eine Frau." Frauen müssten in Deutschland frei leben können. Gerade deshalb habe sie das Geschehen besonders berührt.

Augenzeuge schildert Angriff

Ein Augenzeuge berichtete, er habe sich nur etwa fünf Meter von der Attacke entfernt befunden. Seinen Angaben zufolge habe ein Mann, der möglicherweise betrunken gewesen sei, dem Opfer mit einer Machete in den Hals gestochen. "Alles voller Blut. Ich bin um mein Leben gerannt", sagte der junge Mann, der nur seinen Vornamen Peter nennen wollte.

Der Zeuge sagte weiter, er habe nur einen einzigen Stich gesehen. Die Frau sei noch in dieselbe Richtung geflohen und dann offenbar zusammengebrochen. Viele Menschen hätten die Tat miterlebt, unter ihnen nach Angaben einer Spaziergängerin auch Gäste eines Lokals am Marktplatz, die dort das WM-Spiel zwischen Spanien und Frankreich verfolgten. Sie seien noch immer sehr geschockt.

Belebte Umgebung, Seelsorger im Einsatz

Nach Angaben der Ermittler war die Umgebung zum Tatzeitpunkt belebt. In der Nähe gebe es mehrere Lokale, entsprechend groß sei der Publikumsverkehr gewesen, sagte ein Polizeisprecher. Seelsorger waren vor Ort, um Zeugen und Betroffene zu unterstützen. Wer eine solche Tat miterleben müsse, sei einer erheblichen psychischen Belastung ausgesetzt.

Anwohner berichten von Fassungslosigkeit

Der Kelkheimer Vladimir Milovac sagte, er kenne den Tatverdächtigen schon lange und die Getötete seit einigen Monaten. Sein Hund habe öfter mit dem Hund der Frau gespielt. Sie habe auf ihn häufig gestresst und müde gewirkt, der Mann sei mitunter aggressiv gewesen und habe ihr gedroht, sagte Milovac. Eingemischt habe er sich nach eigenen Worten nicht. Als er vom Tod der Frau erfuhr, sei er sehr traurig gewesen.

Eine weitere Passantin legte eine weiße Rose am Tatort ab. Sie sagte, sie habe am Morgen von dem Verbrechen gelesen und sei davon tief getroffen gewesen. Häufig frühstücke sie in der Nähe des Tatorts. Dass so etwas in der eigenen Heimatstadt passiere, sei "ganz schlimm". Solche Taten geschähen leider "viel, viel, viel zu oft".

Frage nach möglichem Femizid

Ob die Tat juristisch oder politisch als Femizid eingeordnet wird, äußerten sich Polizei und Staatsanwaltschaft zunächst nicht ausdrücklich. Der Begriff bezeichnet die Tötung von Frauen aufgrund ihres Geschlechts. Als häufigste Form gelten Taten durch aktuelle oder frühere Partner. Zu den Motiven solcher geschlechtsspezifischen Tötungen zählen unter anderem Besitzdenken, Frauenverachtung, sexuelle Frustration, Frauenhass sowie Kontroll- und Dominanzstreben.

Kelkheim mit rund 28.000 Einwohnern liegt im Taunus, unweit von Frankfurt.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen