Hessen

Was die Buchmesse jetzt enthüllt

Diese Stars kommen zur Buchmesse – und was hat Tschechien plötzlich mit Meer zu tun? Die wichtigsten Antworten.

04.10.2026, 15:17 Uhr

Frankfurter Buchmesse 2026: Neuer Termin, neues Gelände, prominente Gäste

Die Frankfurter Buchmesse entwickelt sich Jahr für Jahr weiter – mit besserer Orientierung auf dem Gelände und neuen Angeboten für das Publikum. Die 78. Ausgabe bringt dabei mehrere Besonderheiten mit sich. Hier die wichtigsten Punkte im Überblick.

Früherer Termin mit besonderem Effekt

In diesem Jahr läuft die Buchmesse vom 7. bis 11. Oktober und damit früher als üblich. Nach der Eröffnungsfeier am Dienstagabend sind zunächst zwei Tage nur für Fachbesucher vorgesehen. Ab Freitag ist die Messe dann auch für das breite Publikum geöffnet.

Der vorgezogene Termin hat einen Nebeneffekt: Die Bekanntgabe des Literatur-Nobelpreises in Stockholm fällt diesmal mitten in die Messetage, nämlich auf den 8. Oktober.

Nach Angaben von Sprecher Torsten Casimir bewegt sich die Zahl der Aussteller etwa auf dem Niveau der vergangenen Jahre. Zuletzt waren 4.350 Aussteller aus mehr als 100 Ländern sowie 238.000 Besucherinnen und Besucher in Frankfurt dabei.

Diese Gäste werden erwartet

Zu den bekanntesten Namen zählt in diesem Jahr Wolf Biermann. Der Musiker und Autor veröffentlicht im Oktober den ersten Band seiner Tagebücher, einen neuen Gedichtband und außerdem eine Neuauflage eines Kinderbuchs. Biermann wird 90 Jahre alt; zugleich jährt sich seine Ausbürgerung aus der DDR zum 50. Mal. Seine Veranstaltung „Ihr löscht das Feuer mit Benzin“ am 7. Oktober markiert den Auftakt seiner Tournee.

Ebenfalls im Fokus steht Gisèle Pelicot, die am Mittwochabend auftritt. Ihr Satz „Die Scham muss die Seite wechseln“ wurde im Prozess gegen ihren Ex-Mann und mehr als 50 weitere Täter zu einem Symbol. Unter diesem Titel stellt sie ihr Buch in der Nationalbibliothek vor.

Vorschau-Pressekonferenz zur Frankfurter Buchmesse
Juergen Boos geht nach 21 Jahren als Buchmessen-Direktor in Ruhestand. Quelle: Florian Wiegand/dpa

Internationales Gewicht bringt auch der US-Schriftsteller Colson Whitehead mit. Für „Underground Railroad“ erhielt er 2017 den Pulitzer-Preis. Am Messe-Freitag spricht er auf der Bühne von ARD, ZDF und 3sat über seinen neuen Roman „Cool Machine“.

Weitere bekannte Namen sind unter anderem Charlotte Link, Sebastian Fitzek, Jenny Erpenbeck und Cornelia Funke. Erwartet werden zudem Politiker wie Robert Habeck, Filmschaffende wie Volker Schlöndorff, mehrere Astronauten und sogar ein japanischer Jodler.

Tschechien als Ehrengast

Tschechien ist 2026 das Gastland der Buchmesse. Der Auftritt steht unter dem Motto „Ein Land an der Küste“. Gemeint ist dabei keine geografische Küste, sondern ein Ort, an dem Sprache, Geschichten und Ideen anlanden, wie Martin Krafl, Direktor des Ehrengastauftritts, erklärt.

Für die Messe reisen 75 tschechische Autorinnen und Autoren nach Frankfurt. In deutschsprachigen Verlagen erscheinen dazu 150 Neuübersetzungen und Neuerscheinungen aus Tschechien. Insgesamt sind 100 Veranstaltungen geplant.

Auch im Ehrengast-Pavillon spielt Künstliche Intelligenz eine wichtige Rolle. Aufblasbare Elemente dienen dort zugleich als Trennwände, Sitzmöbel und Projektionsflächen. Mithilfe von KI werden von einem Leuchtturm und Bojen aus Zitate aus der tschechischen Literatur an die Wände geworfen.

Neuordnung auf dem Messegelände

Für die 78. Ausgabe wurde das Gelände deutlich umstrukturiert. Der Grund: Halle 6 kann wegen baulicher Mängel nicht mehr genutzt werden. Die daraus notwendige Neuplanung wurde laut Sprecherin Ines Bachor genutzt, um die Wege kürzer, die Orientierung einfacher und das Gedränge geringer zu machen.

Alle Publikumsverlage befinden sich diesmal auf den Erdgeschossebenen. Während in den oberen Bereichen das Geschäft im Vordergrund steht, soll unten ein großes Literaturfestival entstehen. Auf der zentralen Freifläche des Geländes können Besucher Autorinnen und Autoren treffen, Selfies machen und Autogramme sammeln.

Auch das Veranstaltungsprogramm wurde nochmals ausgebaut. Auf zehn Bühnen treten mehr als 1.000 Sprecherinnen und Sprecher auf. Neu sind außerdem thematische „Erlebniswelten“ – etwa für Krimifans, Podcast-Hörer oder Comic- und Manga-Freunde. So soll es am Publikumswochenende bei den Krimiangeboten sogar echte Polizeikräfte geben, Podcasts werden direkt auf dem Gelände produziert, und für Manga-Fans sind Zeichenkurse geplant.

Zwei wichtige Preise rund um die Messe

Schon vor Messestart wird am 5. Oktober der Deutsche Buchpreis für den besten Roman des Jahres vergeben. Auf der Shortlist stehen:

  • Shida Bazyar – Die Lücken
  • Franziska Gänsler – Orca
  • Valeria Gordeev – Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle
  • Elias Hirschl – Schleifen
  • Peggy Mädler – Selbstregulierung des Herzens
  • Dana Vowinckel – Anton und Alma

Zum Abschluss der Messe wird am 11. Oktober in der Frankfurter Paulskirche der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen. Ausgezeichnet wird in diesem Jahr der französisch-britische Menschenrechtsanwalt Philippe Sands. Börsenvereins-Vorsteher Sebastian Guggolz begründet die Ehrung mit Sands’ Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden und die konsequente Verteidigung des Völkerrechts.

Schwierige Lage in der Buchbranche

Überschattet wird die Messe allerdings von einer angespannten Situation im Buchmarkt. Der Branchenumsatz lag 2025 bei 9,62 Milliarden Euro und damit 2,7 Prozent unter dem Wert von 2024. Im ersten Halbjahr 2026 sank der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum nochmals um 4,1 Prozent. Auch die Zahl der Buchkäuferinnen und Buchkäufer nimmt ab – von 2024 auf 2025 um knapp fünf Prozent.

Sebastian Guggolz sieht einen Grund dafür in bildungspolitischen Versäumnissen über viele Jahre, die zu einer sinkenden Lesekompetenz geführt hätten. Buchmessen-Direktor Juergen Boos verweist zudem auf den härter werdenden Wettbewerb um Aufmerksamkeit.

Für Boos ist es die letzte Buchmesse nach 21 Jahren an der Spitze. Er verabschiedet sich in den Ruhestand. Sein Nachfolger wird Joachim Kaufmann, langjähriger Geschäftsführer des Carlsen Verlags.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen