Frankfurt erlebt in Leipzig den nächsten Rückschlag
Adi Hütter hat bei Eintracht Frankfurt bereits vieles verändert: neues Personal, andere taktische Ansätze und am Ende sogar ein deutliches Zeichen an Kapitän Robin Koch. Doch das Grundproblem bleibt bestehen: Die Hessen kassieren weiterhin zu viele Gegentore. Das 0:6 bei RB Leipzig markiert den bisherigen Tiefpunkt. Entsprechend verzichteten Mannschaft und Trainer auf jede Beschönigung und analysierten die Niederlage ungewöhnlich offen.
Jonathan Burkardt fand nach der Partie klare Worte. Die Führungsspieler hätten erneut versagt, sagte der Nationalspieler, und schloss sich selbst ausdrücklich mit ein. Nach fünf Bundesliga-Spieltagen stehen nur fünf Punkte zu Buche, noch alarmierender ist jedoch die Bilanz von bereits 16 Gegentreffern. Torhüter Noah Atubolu sprach von einer erschreckenden Zahl: „Das ist ein Brett.“
Einstellung statt System als Kernproblem
Für Burkardt liegt die Ursache nicht in der Taktik oder in personellen Fragen. Entscheidend seien vielmehr Haltung und Verantwortungsbewusstsein. Einen positiven Trend könne man derzeit nicht erkennen. In Leipzig sei Frankfurt von Beginn an ins offene Messer gelaufen: Bereits nach fünf Minuten lag das Team 0:2 hinten, zwei weitere Gegentore innerhalb weniger Minuten kurz vor der Pause nahmen der Mannschaft endgültig den Glauben.
Hütter kritisierte vor allem das Defensivverhalten scharf. Wer auf diese Weise verteidige, sei nicht bundesligatauglich, stellte der Trainer klar. Auch wenn er an der Seitenlinie äußerlich ruhig blieb, war seine Verärgerung deutlich. Genau bei den vielen Gegentoren müsse die Mannschaft ansetzen, betonte er. Schon in der Vorsaison hatte Frankfurt mit 65 Gegentreffern große Probleme, und dieses Thema zieht sich nun weiter. Gerade deshalb war Hütter zurückgeholt worden: um die Defensive zu stabilisieren.
Deutliches Zeichen gegen Koch
Besonders im Fokus stand Robin Koch. Der Kapitän wurde zur Halbzeit ausgewechselt, was bereits als klare Botschaft zu verstehen war. Nach dem Spiel legte Hütter verbal nach und machte deutlich, dass er von einem Anführer deutlich mehr erwartet. Wenn ein Abwehrchef mitverantwortlich für 16 Gegentore sei, müsse irgendwann ein Signal gesetzt werden, erklärte der Coach. Die Auswechslung habe Koch letztlich sogar entlastet.
Dass diese Maßnahme bewusst gewählt war, ließ Hütter keinen Zweifel. Koch solle die Abwehr führen, doch die Gegentorflut spreche eine andere Sprache. Zusätzlich stellte der Trainer von einer Dreier- auf eine Viererkette um. Eine Verbesserung brachte aber auch das nicht. Atubolu beschrieb das Spielgefühl phasenweise so, als sei Frankfurt mit zwei Spielern weniger auf dem Platz gewesen.
Koch selbst meldete sich am Sonntag nach dem Debakel zu Wort. Ihm sei bewusst, dass die kommenden Tage nicht einfach würden, erklärte der 30-Jährige dem Kicker. Weglaufen oder den Kopf in den Sand zu stecken sei für ihn aber keine Option. Als Kapitän sei es seine Pflicht, die Niederlage gemeinsam mit der Mannschaft aufzuarbeiten, wegzustecken und das Team wieder aufzurichten. Zudem entschuldigte sich Koch bei den Fans.
Vor Köln ist vor allem mentale Arbeit gefragt
Nun sieht Hütter vor allem im mentalen Bereich Handlungsbedarf. Leidenschaft und Gier müssten wieder sichtbar werden, forderte er. Viel Zeit bleibt allerdings nicht, denn schon am Freitag empfängt Frankfurt den 1. FC Köln. Eigentlich ein Gegner, gegen den man Selbstvertrauen tanken könnte — allerdings wartet die Eintracht in dieser Saison zu Hause noch auf den ersten Sieg.
Im Sommer hatte es vor allem in der Defensive einen kleineren Umbruch gegeben. Stammkräfte wie Nathaniel Brown, Rasmus Kristensen und Aurèle Amenda wurden verkauft. Hütter räumte ein, dass nach einem 0:6 die Argumente für Optimismus rar seien. Trotzdem halte er an seinem Glauben an die Mannschaft fest. In den kommenden Tagen sehe er sich deshalb besonders als psychologische Stütze gefordert: Der Trainer müsse nun das Positive suchen und seine Spieler wieder aufrichten.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber