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Hantavirus-Alarm: Schiff kommt Sonntag nach Teneriffa

Hantavirus an Bord: Das Schiff nimmt Kurs auf Teneriffa – dort warten heikle Kontrollen auf Passagiere und Crew.

09.05.2026, 02:49 Uhr

Die Heimreise der deutschen und anderer europäischer Passagiere des vom Andes-Hantavirus-Ausbruch betroffenen Kreuzfahrtschiffs „Hondius“ ist nach Angaben der spanischen Behörden organisiert. Spaniens Innenminister Fernando Grande-Marlaska bestätigte in Madrid, dass Rückführungsflüge nach Frankreich, Deutschland, Belgien, Irland und in die Niederlande bereits geplant seien.

Für EU-Staaten ohne eigene Lufttransportkapazitäten waren nach früheren Angaben über das EU-Katastrophenschutzverfahren zwei Flugzeuge bereitgestellt worden. Auch Großbritannien und die USA hatten Repatriierungsflüge angekündigt. An Bord befinden sich Passagiere und Besatzungsmitglieder aus 23 Ländern.

WHO: Geringes Risiko für Teneriffa

Nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist das Risiko für die Bevölkerung auf Teneriffa gering. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus wandte sich in einer Mitteilung direkt an die Menschen auf der Kanareninsel und erklärte, auf der „Hondius“ sei kein neuer Verdachtsfall aufgetreten.

Die Passagiere sollen im Industriehafen von Granadilla an Land gebracht und anschließend in versiegelten und eskortierten Fahrzeugen über einen komplett abgesperrten Korridor weitertransportiert werden. Danach sollen sie direkt in ihre Herkunftsländer ausgeflogen werden. Für die Bevölkerung auf Teneriffa werde es nach Angaben der WHO keinen direkten Kontakt mit den Reisenden geben.

Tedros betonte zudem erneut, dass das aufgetretene Hantavirus nicht mit dem Coronavirus vergleichbar sei. Wörtlich machte er deutlich: „Das ist kein neues Covid.“ Die WHO hatte bereits mehrfach erklärt, dass der Ausbruch ernst zu nehmen sei, es aber keine Hinweise auf den Beginn einer Pandemie gebe.

Auch Deutsche an Bord

Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums befindet sich auf dem Schiff eine mittlere einstellige Zahl deutscher Staatsangehöriger. Welches Gesundheitsamt nach der Rückkehr zuständig ist, richtet sich demnach nach dem Wohnortprinzip.

Das Robert Koch-Institut (RKI) empfiehlt in einer Handreichung für den Öffentlichen Gesundheitsdienst, dass Passagiere nach der letzten möglichen Exposition sechs Wochen in Quarantäne bleiben sollten. Eine häusliche Quarantäne ist demnach grundsätzlich möglich, hängt aber von mehreren Faktoren ab.

Ankunft auf Teneriffa am Sonntagmorgen erwartet

Die „Hondius“ wird nach Angaben des Betreibers und der spanischen Behörden am Sonntagmorgen vor dem Hafen von Granadilla im Süden Teneriffas erwartet. Gesundheitsministerin Mónica García nannte ein Zeitfenster zwischen 4.00 und 6.00 Uhr Ortszeit. Die Ausschiffung soll jedoch erst bei Tageslicht beginnen.

Die Vorbereitungen für die Ankunft, die medizinischen Untersuchungen und die Quarantäneabläufe werden von mehreren Stellen koordiniert. Beteiligt sind nach Behördenangaben die WHO, die EU sowie Gesundheitsbehörden aus Spanien und den Niederlanden.

Derzeit zeigt nach Angaben des Betreibers und der spanischen Gesundheitsministerin niemand an Bord Symptome. Vor dem Verlassen des Schiffs sollen dennoch alle Passagiere auf mögliche Krankheitszeichen kontrolliert werden.

Ausschiffung nach Nationalitäten organisiert

Nach dem vorgesehenen Ablauf sollen zunächst die 14 spanischen Passagiere mit kleinen Booten an Land gebracht und zum nahe gelegenen Flughafen Teneriffa Süd gefahren werden. Von dort sollen sie mit einer Militärmaschine nach Madrid ausgeflogen und in einem Krankenhaus unter Quarantäne gestellt werden.

Die übrigen Reisenden sollen jeweils erst dann von dem vor Anker liegenden Schiff an Land gebracht werden, wenn ein Flugzeug für ihre Nationalität startbereit ist. Anschließend sollen sie mit Bussen direkt auf das Rollfeld zu ihren Maschinen gefahren werden. Größeres Gepäck soll zunächst an Bord bleiben; erlaubt ist vorerst nur leichtes Handgepäck.

Schiff fährt danach in die Niederlande weiter

Nach Abschluss der Ausschiffung soll die „Hondius“ mit einer Restbesatzung in die Niederlande weiterfahren. Dort ist in Abstimmung mit den niederländischen Behörden auch die Desinfektion des Schiffs vorgesehen.

Der Leichnam einer während der Reise gestorbenen Deutschen soll nicht auf Teneriffa an Land gebracht werden.

Sechs bestätigte Infektionen und zwei Verdachtsfälle

Die WHO sprach in einem Update am späten Freitagabend von sechs bestätigten Infektionen mit dem Andes-Hantavirus sowie zwei Verdachtsfällen. Drei der insgesamt acht betroffenen Personen sind gestorben. Dabei handelt es sich um ein älteres niederländisches Ehepaar und eine Frau aus Deutschland.

Die „Hondius“ war am Mittwochabend von Kap Verde in Richtung Kanarische Inseln aufgebrochen. Ursprünglich hatte die Expedition Anfang April im Süden Argentiniens begonnen.

Weitere Verdachtsfälle nach KLM-Flug nach Amsterdam

In Spanien wurde inzwischen eine zweite Frau wegen des Verdachts auf eine Infektion mit dem Andes-Hantavirus identifiziert. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums saß sie in der KLM-Maschine, mit der die später verstorbene Niederländerin nach dem Verlassen der „Hondius“ Ende April von Johannesburg nach Amsterdam weiterreisen wollte. Die Frau lebt in Katalonien und wurde vorsorglich in ein Krankenhaus zur Quarantäne gebracht. Symptome zeigte sie zunächst nicht.

Bereits zuvor war in Alicante eine weitere Frau isoliert worden, die ebenfalls in demselben Flugzeug gesessen haben soll. Laut Gesundheitsstaatssekretär Javier Padilla saß sie zwei Reihen hinter der erkrankten Niederländerin und zeigte leichte Symptome in Form von Husten. Ergebnisse möglicher PCR-Tests wurden zunächst nicht bekannt.

Die spanischen Behörden nannten außerdem eine weitere Passagierin dieses Fluges. Die Südafrikanerin habe eine Woche in Barcelona verbracht und sei danach in ihr Heimatland zurückgekehrt. Nach Angaben von Gesundheitsministerin García war sie symptomfrei und hatte in Barcelona keinen engen Kontakt zu anderen Menschen.

Auch eine Stewardess des KLM-Fluges von Johannesburg nach Amsterdam, die Kontakt zu der später verstorbenen Niederländerin hatte, war vorsorglich in einem Krankenhaus untersucht worden. Nach Angaben des niederländischen Gesundheitsministeriums wurde sie inzwischen wieder entlassen und ist nicht infiziert.

Niederländerin brach Reise auf St. Helena ab

Die erkrankte Niederländerin hatte ihre Kreuzfahrt auf St. Helena abgebrochen, nachdem ihr Mann an Bord gestorben war. Am 24. April flog sie mit dem Leichnam nach Südafrika und wollte am folgenden Tag in die Niederlande weiterreisen. Sie saß bereits im Flugzeug nach Amsterdam, wurde aber wegen ihres schlechten Gesundheitszustands kurz vor dem Start wieder aus der Maschine geholt und starb wenig später in einem Krankenhaus.

Deutschland beobachtet weiter Kontaktperson in Düsseldorf

In Deutschland wird an der Uniklinik Düsseldorf weiterhin eine Passagierin beobachtet, die gemeinsam mit zwei erkrankten Besatzungsmitgliedern ausgeflogen worden war. Wegen der langen Inkubationszeit könne erst nach acht Wochen sicher ausgeschlossen werden, dass sie erkrankt, sagte Torsten Feldt, Leiter des Bereichs Tropenmedizin am UKD. Derzeit lasse sich nur feststellen, dass bei der Frau keine aktive Infektion nachweisbar sei.

Argentinien: Ursprung wohl nicht in Feuerland

Wo sich die Betroffenen mit dem Virus infiziert haben, ist weiter unklar. Nach Einschätzung der örtlichen Behörden in Argentinien liegt der Ursprung des Ausbruchs aber nicht in der Provinz Tierra del Fuego (Feuerland). Der Direktor für Epidemiologie im Gesundheitsministerium der Provinz, Juan Petrina, sagte, die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung dort liege praktisch bei null.

Nach Angaben der Behörden war das niederländische Paar nach einer monatelangen Reise durch Argentinien, Chile und Uruguay am 29. März in Ushuaia angekommen und hatte sich am 1. April auf der „Hondius“ eingeschifft. Bereits am 6. April hätten beide erste Symptome gezeigt. Da die Inkubationszeit des Hantavirus mindestens zwei bis drei Wochen betrage, passe dies nicht zu einer Ansteckung in Feuerland, sagte Petrina.

Hantaviren werden in der Regel durch infizierte Nagetiere wie Mäuse oder Ratten übertragen. Im aktuellen Fall geht es um den Andes-Typ, bei dem in der Vergangenheit vereinzelt auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch beschrieben wurde.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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