Hamburg

Entführungsverdacht: Christina Blocks brisanter Spitzname

Unter Schutz sagt „Olga“ weiter aus: Was die mutmaßliche Block-Entführerin jetzt vor Gericht enthüllt, könnte brisant sein.

27.05.2026, 10:49 Uhr

Zeugin belastet Christina Block weiter

Im Prozess um die Block-Affäre hat eine mutmaßlich beteiligte Entführerin aus Israel vor dem Landgericht Hamburg der Angeklagten Christina Block in wesentlichen Punkten widersprochen. Die 51-Jährige sagte laut Übersetzung aus, Block habe das genaue Datum der geplanten Rückholaktion gekannt. In die konkreten Details des Plans sei die Unternehmerin jedoch nicht eingeweiht gewesen.

Damit steht die Aussage im Kontrast zu Blocks früherer Darstellung. Die 53-Jährige hatte zu Prozessbeginn erklärt, die israelische Sicherheitsfirma sei eigentlich nur für Cybersicherheitsaufgaben im zur Block-Gruppe gehörenden Hotel Grand Elysée vorgesehen gewesen. Nach ihrer Version seien die Israelis vor Silvester nach Israel zurückgereist und später eigenmächtig tätig geworden.

Streit um Anruf nach der Tat

Vor Gericht hatte Christina Block außerdem geschildert, die Zeugin mit dem Decknamen „Olga“ habe sie am 1. Januar 2024 angerufen und sie aufgefordert, ohne Mitteilung an Dritte nach Stuttgart zu fahren. Sie habe damals nicht gewusst, was geschehen sei. Die Zeugin erklärte nun, sie könne sich an eine solche Äußerung nicht erinnern. Nach Blocks Aussage seien in dem Telefonat lediglich die Kinder und „your mama“ erwähnt worden.

Interne Spitznamen und Aliasnamen

Die Zeugin berichtete zudem über interne Bezeichnungen innerhalb des beteiligten Teams. Mitarbeiter der israelischen Sicherheitsfirma hätten Christina Block mit Spitznamen wie „Ladybug“ oder „Lady C“ bezeichnet.

Sie selbst sei während ihres Aufenthalts in Hamburg unter dem erfundenen Namen „Olga“ aufgetreten und im Grand Elysée unter dem Alias „Doris White“ untergebracht gewesen. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft soll sie an der Entführung des damals zehnjährigen Sohnes und der 13-jährigen Tochter von Christina Block in der Silvesternacht 2023/24 aus Dänemark beteiligt gewesen sein.

Laut Anklage war die 51-Jährige die „rechte Hand“ des Chefs jener Sicherheitsfirma, die für die Verschleppung verantwortlich gemacht wird. Dieser habe viele Jahre für einen Geheimdienst gearbeitet, sagte sie. In ihrem „Job“ sei es üblich, bei Einsätzen andere Namen zu verwenden. Dabei handle es sich um bloße „Spitznamen“. Außerdem hätten die „Kunden“ für die gemeinsame Kommunikation neue Mobiltelefone erhalten.

Vertraute der Angeklagten

Während ihrer Vernehmung, für die ihr sicheres Geleit zugesichert wurde, wischte sich die Zeugin mehrfach Tränen aus dem Gesicht. Nach Angaben vor Gericht war sie in Hamburg zu einer Vertrauten von Christina Block geworden.

Die Hamburger Unternehmerin ist angeklagt, nach einem eskalierten Sorgerechtsstreit mit ihrem Ex-Mann Stephan Hensel die israelische Sicherheitsfirma mit der Entführung ihrer Kinder aus Dänemark nach Deutschland beauftragt zu haben. Die Tochter des Block-House-Gründers Eugen Block weist die Vorwürfe zurück.

Kinderwille war offenbar kein Thema

Die Staatsanwaltschaft fragte nach, ob jemals thematisiert worden sei, was die beiden jüngsten gemeinsamen Kinder von Christina Block und Stephan Hensel selbst wollten. Die Zeugin sagte, ihr sei berichtet worden, der Vater habe die Kinder im Sommer 2021 nach einem Wochenendbesuch nicht zurückgebracht. Zudem habe er sie dazu gebracht, die Mutter als „Monster“ darzustellen.

Auf Nachfrage von Hensels Anwalt, ob sie die Zuverlässigkeit dieser Informationen hinterfragt habe, sagte die 51-Jährige, sie habe den Schilderungen vertraut.

Familienanwalt habe Rechtmäßigkeit betont

Nach Aussage der Zeugin soll auch der mitangeklagte Familienanwalt mehrfach versichert haben, rechtlich werde alles in Ordnung sein, sobald die Kinder wieder in Deutschland seien. Die Mutter habe damals das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht gehabt. „Wir haben ihm einfach geglaubt“, sagte die Zeugin sinngemäß.

Männer in Schwarz und maskiert

Zugleich schilderte die Zeugin weitere Einzelheiten der Rückholaktion in der Silvesternacht 2023/24. Die beteiligten Männer hätten schwarze Kleidung getragen und Masken benutzt, um in Dänemark nicht erkannt zu werden. „Wir wussten, dass es in Dänemark nicht legal ist“, sagte sie.

Für jedes Teammitglied habe es eine feste Aufgabe gegeben. Gewalt gegen den Vater Stephan Hensel sei demnach eigentlich nicht vorgesehen gewesen. Hensel, der bei dem Einsatz von einem der Männer verletzt wurde, tritt in dem Verfahren als Nebenkläger auf und ist an den meisten Verhandlungstagen selbst im Gericht.

Fortsetzung am Donnerstag

Neben Christina Block stehen sechs weitere Angeklagte vor Gericht. Dazu gehört auch ihr Lebensgefährte, der frühere Sportmoderator Gerhard Delling. Ihm wird Beihilfe vorgeworfen; auch er bestreitet die Anschuldigungen.

Die Befragung der Zeugin soll am Donnerstag fortgesetzt werden. Dann ist bereits der 52. Verhandlungstag erreicht. Insgesamt sind noch mehr als 100 Prozesstage bis zum Jahresende angesetzt. Das Gericht hält es allerdings für möglich, dass die Beweisaufnahme schon im August abgeschlossen werden könnte.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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