Millionen Menschen verfolgten im Frühjahr die Berichte über einen Buckelwal in der Ostsee, den die Medien Timmy nannten und der teils auch Hope hieß. Der TV- und Theater-Schauspieler Enrique Fiß, bekannt aus dem „Großstadtrevier“, und Regisseur Alexander Klessinger haben diese Geschichte nun künstlerisch verarbeitet. Im Hamburger Ernst-Deutsch-Theater wurde jetzt ihr Stück „Timmy – die Hope stirbt zuletzt“ aufgeführt.
Die Autoren beschreiben den Abend als Auseinandersetzung mit dem Wal und mit all den Bedeutungen, die Menschen in das Tier hineingelesen haben. Die Uraufführung am Samstagabend wurde als wilde Mischung aus Performance, Konzert, Messe und öffentlicher Selbstbefragung angelegt. Zugleich erzählt das Stück die Geschichte des Buckelwals als moderne Passionsgeschichte und fragt nach der Sehnsucht der Menschen nach Bedeutung in einer überreizten Gegenwart.
Ein Abend in drei Teilen
Fiß beschäftigt vor allem, wie viel Wut in den sozialen Medien hochkochte, als die einen das Tier seinem Schicksal überlassen wollten, während andere es um jeden Preis retten wollten. Aus seiner Sicht zeigt sich darin, wie aus dem Wunsch, etwas Gutes zu bewirken, am Ende gegenseitige Feindseligkeit entsteht.
Nach der Aufführung diskutierte die Tierärztin Kirsten Tönnies, die bei einem Rettungsversuch vor Ort war, mit den Tierschutzaktivisten Anna Schubert und Hendrik Haßel über den Fall. Den Abschluss gestaltete die Berliner Band Tulpe, die mit dem bewusst provokant betitelten Song „Sprengt den Wal“ einen Hit gelandet hatte.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber