Berlin

Endlich frei: Bahnstrecke Berlin-Hamburg startet Sonntag

Monatelang Baustelle, Busfrust und Geduldsprobe: Jetzt zeigt sich, ob die Mega-Sanierung Hamburg–Berlin der Bahn wirklich hilft.

12.06.2026, 03:00 Uhr

Bahnstrecke Hamburg–Berlin ab Sonntag wieder vollständig frei

Nach rund zehneinhalb Monaten mit Ersatzverkehr und Umleitungen wird die wichtige Bahnverbindung zwischen Hamburg und Berlin am Sonntag wieder komplett in Betrieb genommen. Der erste Fernzug soll um 5.34 Uhr am Hamburger Hauptbahnhof Richtung Berlin abfahren und die Hauptstadt planmäßig in unter zwei Stunden erreichen. Regionalzüge sind bereits früher unterwegs, wie die Deutsche Bahn mitteilte.

Warum ist die Strecke so wichtig?

Die etwa 280 Kilometer lange Verbindung zählt zu den bedeutendsten Bahnachsen Deutschlands. Auf ihr verkehren Fern-, Regional- und Güterzüge zwischen den beiden größten Städten des Landes. Im Fernverkehr gilt die Direktverbindung Berlin–Hamburg als besonders wichtig. Vor Beginn der Generalsanierung nutzten täglich rund 30.000 Fahrgäste im Fernverkehr diese Route, darunter viele Pendler.

Was ändert sich für Reisende?

Ab Sonntag fahren die Fernzüge wieder im üblichen Halbstundentakt. Auch der Regionalverkehr kehrt auf seine regulären Linien zurück. Bis zum Monatsende müssen Fernzüge auf einzelnen Abschnitten noch langsamer fahren, weil technische Tests laufen. Nach Angaben der Bahn soll die Sanierung die Stabilität des Netzes verbessern und sich damit insgesamt positiv auf die Pünktlichkeit auswirken. Der Bus-Ersatzverkehr endet.

Dauert die Fahrt jetzt länger?

Ja, zumindest vorerst leicht. Die planmäßige Fahrzeit der ICE erhöht sich nach Abschluss der Sanierung um zwei Minuten auf 107 Minuten. Diese Anpassung gilt allerdings nur für den aktuellen Jahresfahrplan. Nach Angaben einer Bahnsprecherin könnten die Züge grundsätzlich schneller fahren, doch wegen der höheren Zugdichte werde vorsichtiger geplant. Sie verglich das mit starkem Autoverkehr auf der Straße: Wenn mehr unterwegs sind, geht es langsamer voran.

Bahnhof Büchen
Im Bahnhof Büchen zeigt ein Display keine Verbindungen an. (Archivbild.) Quelle: Christian Charisius/dpa

Warum war die Sanierung nötig?

Die Bahnstrecke war nach DB-Angaben stark beansprucht und entsprechend verschlissen. Vor den Bauarbeiten nutzten im Durchschnitt etwa 470 Züge täglich die Trasse. Den Zustand bewertete die Bahn damals mit der Schulnote 3,7. Nach der Erneuerung wurde eine Verbesserung auf 2,3 in Aussicht gestellt.

Wann starteten die Arbeiten?

Die Generalsanierung begann am 1. August 2025. Eigentlich sollte sie bis zum 30. April 2026 abgeschlossen sein. Dass sich die Fertigstellung um rund eineinhalb Monate verzögerte, begründete die Bahn mit starkem Frost zu Jahresbeginn. Dadurch konnten unter anderem Kabelschächte nicht ausgehoben werden, außerdem wurden Arbeiten an Oberleitungen erschwert. Einen ersten Abschnitt hatte die Bahn bereits Mitte Mai wieder freigegeben, seitdem war die Strecke zwischen Hamburg und Schwerin wieder durchgehend befahrbar.

Was wurde erneuert?

Im Zuge der Arbeiten tauschte die Bahn unter anderem Gleise, Weichen und Signalanlagen aus. Zudem wurden 28 Bahnhöfe modernisiert. Dort erneuerten Arbeiter unter anderem Toiletten und Wetterschutzhäuser, bauten Fahrradständer und verlängerten an mehreren Stationen die Bahnsteige, damit künftig auch längere Züge halten können.

Was fehlt noch?

Nicht umgesetzt wurde die digitale Zugsteuerung ETCS, die nach den Vorstellungen der Europäischen Union künftig Standard werden soll. Die Bahn erklärte jedoch, dass Vorbereitungen für eine spätere Nachrüstung getroffen wurden. Demnach soll ETCS in den frühen 2030er-Jahren eingebaut werden. Das System ermöglicht dichtere Zugfolgen auf derselben Strecke. Dass die Bahn entgegen ursprünglicher Planungen auf einen sofortigen Einbau verzichtete, stieß auf Kritik.

Wie teuer wird die Generalsanierung?

Ursprünglich war von Kosten in Höhe von 2,2 Milliarden Euro die Rede. Einen aktualisierten Betrag nannte die Deutsche Bahn auf Anfrage nicht. Die endgültige Kostenberechnung solle erst nach Abschluss sämtlicher Bauarbeiten erfolgen.

Welche Folgen hatte die Sperrung für Fahrgäste?

Im Fernverkehr wurden Züge über Stendal und Uelzen umgeleitet. Gleichzeitig verkehrten weniger Züge, und die Reisezeit verlängerte sich um etwa 45 Minuten. Noch deutlicher waren die Auswirkungen im Regionalverkehr: Verbindungen fielen aus oder fuhren nur auf Teilstrecken. Als Ersatz setzte die Bahn mehr als 200 Busse ein. Zeitweise gab es dabei Streit mit dem Busunternehmen Ecovista, weil teils ältere Fahrzeuge als vereinbart eingesetzt wurden und es zu Ausfällen kam.

Welche Auswirkungen gab es auf die Wirtschaft?

Der Verband Güterbahnen kritisierte die Situation während der Bauphase deutlich. Aus Sicht des Verbands funktionierten die Umleitungsstrecken nicht ausreichend zuverlässig. Teilweise seien Ausweichrouten nicht genügend ertüchtigt gewesen. Hinzu kamen kurzfristige Baustellen und Störungen auf den Ersatzstrecken, was in einigen Fällen Umwege von mehreren Hundert Kilometern zur Folge hatte.

Sind weitere Generalsanierungen geplant?

Ja. Die Arbeiten sind Teil des 2022 vorgestellten Programms zur Korridorsanierung des Hochleistungsnetzes. Bis Mitte der 2030er Jahre sollen mehr als 40 Strecken umfassend modernisiert werden, damit dort anschließend etwa fünf Jahre lang keine größeren Bauarbeiten mehr nötig sind. Begonnen hatte das Programm 2024 mit der Sanierung der Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim. Danach folgte die für den Güterverkehr wichtige Verbindung Emmerich–Oberhausen.

Welche Strecken kommen als Nächstes?

Noch in diesem Jahr sollen nach derzeitiger Planung vier weitere Generalsanierungen abgeschlossen werden: auf den Strecken Hagen–Wuppertal–Köln, Nürnberg–Regensburg, Obertraubling–Passau sowie Troisdorf–Wiesbaden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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