Mexiko startet mit Sieg und Platzverweisen in die WM
Kein Offensivspektakel, dafür reichlich Dramatik: Mexiko hat zum Auftakt der Weltmeisterschaft seinen Negativlauf in Eröffnungsspielen beendet und sich mit einem 2:0 (1:0) gegen Südafrika durchgesetzt. Im Aztekenstadion feierte der Co-Gastgeber damit einen gelungenen Start in das Turnier. Überschattet wurde der Tag jedoch von Zwischenfällen vor der Arena.
Julian Quiñones brachte die Gastgeber bereits in der 9. Minute in Führung und sorgte früh für eine elektrisierende Stimmung vor 80.824 Zuschauern. Südafrika spielte ab der 50. Minute in Unterzahl, nachdem Sphephelo Sithole wegen einer Notbremse Rot gesehen hatte. Raúl Jiménez erhöhte in der 67. Minute auf 2:0 und entschied die Partie. In der Schlussphase wurde es noch hektischer: Themba Zwane flog nach einer Tätlichkeit vom Platz (84.), in der Nachspielzeit sah auch Mexikos César Montes nach einer Notbremse die Rote Karte (90.+2).
In Gruppe A mit Tschechien und Südkorea verschafft sich Mexiko damit eine gute Ausgangslage im Kampf um den Einzug in die K.-o.-Phase. Beim auf 48 Teams erweiterten Turnier in Mexiko, den USA und Kanada erreichen 32 Mannschaften die nächste Runde.
Feier im Stadion, Unruhe davor
Vor dem Anpfiff bot die Eröffnungsfeier viel lateinamerikanisches Flair, Tradition und Glanz. FIFA-Präsident Gianni Infantino präsentierte gemeinsam mit Schauspielerin Salma Hayek den WM-Pokal, was im Stadion vereinzelt mit Pfiffen begleitet wurde.
Während drinnen gefeiert wurde, kam es außerhalb des Stadions zu ernsten Vorfällen. Nach Angaben der Polizei erlitt ein Mann einen Herzinfarkt und wurde ins Krankenhaus gebracht, sein Zustand sei stabil. Außerdem verbreiteten sich Videos von Auseinandersetzungen an einem Zugang zum Stadion. Darauf sind teils vermummte Demonstranten zu sehen, die mit Polizeikräften aneinandergerieten.

Anstoß erst mit fünf Minuten Verzögerung
Begonnen wurde die Partie erst um 13.05 Uhr Ortszeit und damit etwas später als geplant. Vor dem Anpfiff hatten sich erstmals die kompletten Kader beider Teams zur Hymne um den Mittelkreis versammelt. Mexikos Trainer Javier Aguirre, der ebenso wie Südafrikas Coach Hugo Broos schon 1986 als Spieler bei einer WM dabei gewesen war, setzte zunächst noch nicht auf das 17 Jahre alte Talent Gilberto Mora. Im Tor stand bei Mexiko nicht der langjährige Routinier Guillermo Ochoa, sondern der 26-jährige Raúl Rangel.
Aguirres Plan ging allerdings voll auf. Schon nach fünf Minuten hätte Mexiko in Führung gehen können: Nach einer Flanke von rechts kam Raúl Jiménez direkt zum Abschluss, doch Südafrikas Torhüter und Kapitän Ronwen Williams lenkte den Ball noch zur Ecke.
Quiñones trifft durch die Beine
Kurz darauf war es dennoch passiert. Erik Lira gewann den Ball rund 20 Meter vor dem südafrikanischen Tor und legte für Quiñones auf. Der Angreifer zog aus etwa 16 Metern ab und schob den Ball Williams durch die Beine ins Netz. Das Aztekenstadion verwandelte sich daraufhin in ein Tollhaus.
Für Mexiko war es ein besonderer Moment: Fünfmal hatte "El Tri" zuvor ein WM-Eröffnungsspiel bestritten, ohne jemals zu gewinnen. Nach drei Niederlagen und zwei Unentschieden gelang nun endlich der erste Auftaktsieg. 2010 hatte Mexiko beim 1:1 bereits gegen Südafrika im Eröffnungsspiel gespielt.
Südafrika offensiv zu harmlos
Südafrika, das wegen Visa-Problemen verspätet nach Mexiko gereist war, blieb bei seiner ersten WM-Endrunde seit dem Heimturnier lange ungefährlich. Auch die Trinkpause änderte nichts am Spielverlauf. Kurz vor der Pause hätte Quiñones beinahe nachgelegt, traf jedoch nur den Pfosten (42.).
Direkt nach Wiederbeginn leistete sich Williams dann einen schweren Fehler, als er den Ball Alvaro Fidalgo an der Strafraumgrenze in die Füße spielte. Der Mexikaner konnte die Gelegenheit aber nicht nutzen.
Wenig später folgte der nächste Rückschlag für Südafrika. Brian Gutiérrez war der Abwehr entwischt und wurde kurz vor dem Strafraum von Sithole mit einer Notbremse gestoppt. Die Konsequenz: Rote Karte. Den fälligen Freistoß setzte Jiménez allerdings in die Mauer.
Mora schreibt Geschichte, Jiménez macht alles klar
Nach 66 Minuten wurde es noch einmal besonders laut im Stadion: Aguirre brachte Gilberto Mora, der mit 17 Jahren und 240 Tagen zum jüngsten WM-Spieler Mexikos aufstieg. Während noch "Mora, Mora"-Rufe durchs Rund hallten, sorgte Jiménez per Kopf für das 2:0 und damit für die Entscheidung.
In der Schlussphase verlor Südafrika endgültig die Nerven. Der eingewechselte Zwane schlug Roberto Alvarado gegen den Kopf und wurde nach Videobeweis des Feldes verwiesen. Tief in der Nachspielzeit musste dann auch Mexikos Montes nach einer Notbremse vorzeitig vom Platz.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion