Elon Musks Raumfahrtfirma SpaceX ist mit dem größten Börsengang der Geschichte erfolgreich an der Wall Street gestartet. Der erste festgestellte Kurs lag bei 150 US-Dollar und damit gut elf Prozent über dem Ausgabepreis von 135 Dollar. Im weiteren Handelsverlauf baute die Aktie ihre Gewinne zeitweise auf rund 20 Prozent aus.
Damit stieg der Börsenwert des Unternehmens über die Marke von zwei Billionen Dollar. Bereits zum Ausgabepreis war SpaceX mit 1,77 Billionen Dollar bewertet worden.
Musk knackt mit SpaceX und Tesla die Billionen-Marke
Für Elon Musk ist der Börsengang auch persönlich ein Meilenstein. Der SpaceX-Gründer und -Chef hält rund 40 Prozent an dem Unternehmen. Zu den Kursen vom Freitag war allein diese Beteiligung mehr als 800 Milliarden Dollar wert.
Zusammen mit seinen Anteilen und Optionen beim Elektroautobauer Tesla überschreitet Musk damit als erster Mensch ein Vermögen von mehr als einer Billion Dollar – zumindest auf dem Papier. Dabei handelt es sich allerdings um Aktienvermögen, das von Kursschwankungen abhängt und sich nicht ohne Weiteres in Bargeld umwandeln lässt.
Rekord-IPO bringt 75 Milliarden Dollar ein
SpaceX, bekannt unter anderem für den Satelliteninternet-Dienst Starlink, verkaufte rund 555,6 Millionen Aktien zum Preis von 135 Dollar und nahm damit 75 Milliarden Dollar ein. Das entspricht umgerechnet rund 64,8 Milliarden Euro.
Damit übertraf das Unternehmen den bisherigen Rekord-Börsengang klar. Der saudi-arabische Ölkonzern Aramco hatte 2019 rund 29 Milliarden Dollar erlöst.
Schon beim Ausgabepreis wurde SpaceX höher bewertet als etwa der Facebook-Konzern Meta. Mit dem Börsendebüt rückte das Unternehmen zudem in die Spitzengruppe der wertvollsten US-Konzerne auf. Vor SpaceX lagen zuletzt nur noch Nvidia, Apple, Alphabet, Microsoft und Amazon. An der Spitze steht derzeit der vom KI-Boom getriebene Chipkonzern Nvidia mit knapp fünf Billionen Dollar Börsenwert.
Hohe Bewertung trotz Milliardenverlusten
Der enorme Marktwert steht in deutlichem Gegensatz zu den Geschäftszahlen. Viele Investoren setzen vor allem auf die Hoffnung auf künftiges Wachstum.
Im vergangenen Jahr verbuchte SpaceX bei einem Umsatz von 18,67 Milliarden Dollar einen Verlust von rund 4,94 Milliarden Dollar. Auch im ersten Quartal des laufenden Jahres schrieb der Konzern tiefrote Zahlen: Bei Erlösen von etwa 4,7 Milliarden Dollar fiel ein Minus von 4,28 Milliarden Dollar an.
Starship bleibt teures Zukunftsprojekt
Ein wesentlicher Grund für die Verluste sind die hohen Ausgaben für die Entwicklung der Großrakete Starship. Nach Unternehmensangaben sind bereits mehr als 15 Milliarden Dollar in das Programm geflossen.
SpaceX geht davon aus, dass Starship nach Abschluss aller Tests in der zweiten Jahreshälfte kommerzielle Flüge aufnehmen kann. Langfristig soll das System die Transportkosten ins All deutlich senken. Außerdem sollen mit Starship künftig auch Starlink-Satelliten ins All gebracht werden, die Internetverbindungen aus dem Orbit direkt auf Smartphones ermöglichen sollen.
Starlink ist aktuell der wichtigste Geldbringer
Das operative Rückgrat des Konzerns bleibt derzeit Starlink. Der Satelliteninternet-Dienst setzte im ersten Quartal 3,26 Milliarden Dollar um. Inzwischen zählt das Angebot rund 10,3 Millionen Kundinnen und Kunden in 164 Ländern.
SpaceX setzt langfristig auf KI – Kritik an den Marktprognosen
Perspektivisch sieht SpaceX in Künstlicher Intelligenz das größte Geschäftsfeld. Dabei verweist das Unternehmen auch auf mögliche Rechenzentren im All, die von der dort reichlich verfügbaren Sonnenenergie profitieren könnten.
Kritiker halten dagegen, dass der Aufbau solcher Infrastruktur teuer wäre. Zudem gelten die Kühlung trotz niedriger Temperaturen im All sowie die Strahlung, die Schaltkreise beschädigen kann, als erhebliche Probleme.
Im Börsenprospekt bezifferte SpaceX den künftigen Gesamtmarkt für KI samt Infrastruktur auf mehr als 26 Billionen Dollar und führte dies als Begründung für die hohe Bewertung an. Der New Yorker Wirtschaftsprofessor und Bewertungsexperte Aswath Damodaran kritisierte diese Rechnung scharf. Als er die Zahl gelesen habe, habe er gedacht, Musks Chatbot Grok habe den Prospekt geschrieben, sagte er dem Sender CNBC – schließlich neige KI bekanntlich zu Halluzinationen.
Musk behält bei SpaceX die volle Kontrolle
Auch nach dem Börsengang bleibt Elon Musk der dominante Machtfaktor bei SpaceX. Dank Aktien mit erweitertem Stimmrecht kontrolliert er weiterhin mehr als 80 Prozent der Stimmen.
Zum Handelsstart sagte Musk unter anderem, er habe SpaceX bei der Gründung selbst nur eine Erfolgschance von zehn Prozent eingeräumt.
In den Tagen vor dem Börsendebüt hatte er zudem erneut mit Einmischungen in die britische Politik für Aufsehen gesorgt. Über seine Plattform X verstärkte er Beiträge extremer Kritiker der britischen Einwanderungspolitik im Umfeld rassistisch motivierter Ausschreitungen.
Ungewöhnliche Preisfestsetzung und hohe Gewinne für Frühinvestoren
Ungewöhnlich war auch das Vorgehen bei der Preisfindung: SpaceX setzte den Ausgabepreis von 135 Dollar vorab selbst fest. Bei vielen anderen Börsengängen wird zunächst nur eine Preisspanne genannt, bevor der endgültige Preis nach der Investorennachfrage festgelegt wird.
Für frühe Geldgeber wird der Börsengang nun zum Geldregen. Nach Informationen von Bloomberg hält der Founders Fund des langjährigen Musk-Vertrauten Peter Thiel rund drei Prozent an SpaceX. Die Beteiligung soll einst etwa 600 Millionen Dollar gekostet haben und ist schon zum Ausgabepreis mehr als 50 Milliarden Dollar wert.
Auch Sequoia Capital gehört zu den großen Gewinnern. Der Risikokapitalgeber soll rund 2 Milliarden Dollar investiert haben und hält nun einen Anteil im Wert von mehr als 20 Milliarden Dollar.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion