SpaceX startet mit Kursplus an die Börse – Bewertung kratzt an zwei Billionen Dollar
Elon Musks Raumfahrtkonzern SpaceX setzte im vergangenen Jahr weniger als 19 Milliarden US-Dollar um und schrieb dabei weiter tiefrote Zahlen. Dennoch legte die Aktie zum Börsenstart zu, wodurch die Bewertung auf knapp zwei Billionen Dollar stieg. Schon mit einem Emissionsvolumen von rund 75 Milliarden Dollar und einem Ausgabepreis von 135 Dollar je Aktie war es der bislang größte Börsengang überhaupt.
Womit verdient SpaceX sein Geld?
SpaceX wurde 2002 von Musk gegründet und ist vor allem für seine Raketen bekannt. Von Beginn an verfolgte er das Ziel, Starts deutlich günstiger zu machen und langfristig sogar eine Besiedlung des Mars zu ermöglichen. Anfangs wurden diese Pläne oft belächelt, weil Raumfahrt damals vor allem von Staaten und Großmächten geprägt war.
Inzwischen hat SpaceX gezeigt, dass Raketen nicht nur billiger gebaut, sondern auch mehrfach verwendet werden können. Gerade seit dem Ende des Space-Shuttle-Programms ist das Unternehmen für die US-Raumfahrt und das Militär zu einem zentralen Partner geworden.
Das wichtigste Geschäftsfeld: Starlink
Den größten Teil der Einnahmen erzielte SpaceX zuletzt mit dem Satelliteninternetdienst Starlink. Dieser Bereich brachte im vergangenen Jahr rund 11 Milliarden Dollar ein. Dafür hat das Unternehmen inzwischen etwa 9.600 Satelliten in die Umlaufbahn gebracht.
Bislang benötigen Nutzer meist noch spezielle Antennen und Empfangsgeräte am Boden. Mit den nächsten Technologiegenerationen sollen aber verstärkt auch Smartphones direkt auf das Netz aus dem All zugreifen können. Das würde mobiles Internet auch in Regionen ermöglichen, in denen kein klassisches Mobilfunknetz vorhanden ist.
Ende März kam Starlink auf gut zehn Millionen Kunden. Mit Amazons Projekt wächst zwar Konkurrenz heran, der Rivale verfügt bislang aber über deutlich weniger Satelliten. Zusätzlich spielt inzwischen auch Musks KI-Geschäft eine Rolle: Vor einigen Monaten ließ er SpaceX seine KI-Firma xAI übernehmen, in der zuvor bereits die Plattform X aufgegangen war.
Warum ist SpaceX so hoch bewertet?
Schon zum Ausgabepreis lag die Bewertung bei fast 1,8 Billionen Dollar und damit beim mehr als 90-Fachen des Jahresumsatzes – ein außergewöhnlich hoher Wert. Zum Vergleich: Beim Chipkonzern Nvidia, derzeit das wertvollste Unternehmen der Welt, liegt dieses Verhältnis bei etwa 20, bei Apple bei rund 10.
SpaceX rechtfertigt den hohen Preis vor allem mit den Wachstumsaussichten. Im Börsenprospekt verweist das Unternehmen allein beim Markt für Satelliten-Konnektivität auf ein mögliches Volumen von 1,6 Billionen Dollar – allerdings für alle Anbieter zusammen.
Hinzu kommen Hoffnungen im Bereich Künstliche Intelligenz. Über xAI will SpaceX am Geschäft mit KI-Anwendungen für Unternehmen teilhaben, dessen Gesamtmarkt auf mehr als 22 Billionen Dollar geschätzt wird. Musk spricht dabei unter anderem von Rechenzentren in der Umlaufbahn. Ob sich so etwas technisch umsetzen lässt, ist bislang jedoch offen.
Bekannt ist auch, dass Musk mit Ankündigungen häufig sehr ehrgeizig ist. Nicht selten dauern Projekte deutlich länger als von ihm angekündigt. Ein prominentes Beispiel ist Tesla: Das seit Jahren versprochene autonome Fahren funktioniert bis heute nicht in dem Umfang, den Musk wiederholt in Aussicht gestellt hatte.
Welche Bedeutung hat Elon Musk selbst?
Bei klassischen Börsengängen erhalten normalerweise vor allem institutionelle Investoren wie Fonds und Banken den größten Anteil. Musk setzt jedoch seit Jahren stark auf private Anleger und seine große Fangemeinde. Laut einem Bericht des Wall Street Journal war beim SpaceX-Börsengang etwa ein Fünftel der rund 555,6 Millionen Aktien für Kleinanleger reserviert.
Üblich sind bei Neuemissionen eher fünf bis sieben Prozent. Trotzdem überstieg die Nachfrage das Angebot deutlich. Nach Angaben von Bloomberg summierten sich die Kauforders privater Investoren auf mehr als 100 Milliarden Dollar.
Auch nach dem Börsengang behält Musk die Kontrolle über SpaceX. Dank Aktien mit erweitertem Stimmrecht verfügt er weiterhin über mehr als 80 Prozent der Stimmrechte. Durch das Kursplus am ersten Handelstag steigt er zudem zum ersten Menschen mit einem Vermögen von mehr als einer Billion Dollar auf. Vor dem Börsendebüt hatte Bloomberg sein Vermögen noch auf rund 700 Milliarden Dollar geschätzt.
Was könnte den Kurs zusätzlich beeinflussen?
Ein wichtiger Faktor für die Aktie dürfte die schnelle Aufnahme in mehrere bedeutende Börsenindizes sein. Dafür haben die Indexanbieter Nasdaq und FTSE Russell ihre Regeln kurzfristig angepasst. MSCI verwies zudem im Mai auf bereits 2007 eingeführte Vorgaben für große Börsengänge.
Sobald eine Aktie in solche Indizes aufgenommen wird, entsteht automatisch zusätzliche Nachfrage, weil viele Fonds die entsprechenden Indizes nachbilden. S&P Dow Jones bleibt jedoch bei seiner strengeren Linie: Für eine Aufnahme in den S&P 500 muss die SpaceX-Aktie zunächst zwölf Monate am Markt notiert sein.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion