Erfolgreicher Auftakt für Lahav Shani bei den Münchner Philharmonikern
Mit einem gefeierten Premierenkonzert ist Lahav Shani in die erste gemeinsame Spielzeit mit den Münchner Philharmonikern gestartet. Für das Orchester bedeutete der Abend zugleich das Ende einer fast vierjährigen Phase ohne Chefdirigenten. In der Isarphilharmonie zeigte das Ensemble ein kraftvolles, hochpräzises und virtuoses Zusammenspiel und machte damit sein großes künstlerisches Niveau und Entwicklungspotenzial deutlich.
Krause spricht von großem Gewinn für die Stadt
Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) bezeichnete Shani in seiner kurzen Ansprache als "großen Glücksfall" für München. Zugleich sicherte er sowohl dem Orchester als auch dem neuen Chefdirigenten, den er als den jüngsten Amtsinhaber der Philharmoniker seit einem Jahrhundert hervorhob, seine volle Unterstützung zu. Antisemitismus, Hass und Hetze dürften in keiner Form hingenommen werden, betonte er.
Nachdem 2022 Waleri Gergijew seinen Posten verloren hatte, weil er sich nicht vom russischen Angriff auf die Ukraine distanziert hatte, wurde Shani 2023 als Nachfolger vorgestellt. Im Orchester wurde diese Entscheidung damals mit großer Begeisterung aufgenommen; es war sogar von einer "Liebeshochzeit" und vom Beginn einer neuen Ära die Rede.
Diskussionen um die Personalie
Der 37-jährige Shani gilt als ehrgeizig und voller Energie. Bereits im März hatte er angekündigt, mit den Münchner Philharmonikern verstärkt auf Reisen zu gehen. Auch vor seinem offiziellen Amtsantritt stand er mehrfach am Pult des Orchesters.
Allerdings blieb seine Berufung nicht ohne Kritik. Weil Shani zugleich Musikdirektor des Israel Philharmonic Orchestra ist, wurde auch seine Haltung zur israelischen Regierung im Zusammenhang mit dem Krieg in Gaza diskutiert. Kritiker warfen ihm vor, sich dazu nicht eindeutig genug zu äußern.
Für Aufsehen sorgte unter anderem die Entscheidung des Flanders Festival Ghent, die Münchner Philharmoniker und Shani für ein geplantes Gastspiel 2025 wieder auszuladen. Dieser Schritt wurde nicht nur in Deutschland als antisemitisch kritisiert. Auch der belgische Regierungschef distanzierte sich damals deutlich und sprach von einem Imageschaden für sein Land. Bei anderen Auftritten kam es zudem zu Protesten.
Die Münchner Philharmoniker stellten sich hingegen klar hinter ihren Chefdirigenten. Beim Premierenabend waren vorsorglich auch Polizeikräfte vor Ort.
Begeisterung auch für Martha Argerich und die Chöre
Neben Shanis Einstand sorgte auch Martha Argerich für einen Höhepunkt des Abends. Die Starpianistin beeindruckte mit Maurice Ravels Klavierkonzert in G-Dur in einer außergewöhnlichen Interpretation. Ebenso wurden der Solist des Tölzer Knabenchors und der Philharmonische Chor München für Leonard Bernsteins Chichester Psalms mit lang anhaltendem Applaus gefeiert.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber