Feuer an Nebeneingang der Synagoge in Wuppertal gelegt
An der Bergischen Synagoge in Wuppertal ist am frühen Nachmittag ein Feuer auf einer Treppe an einem Seiteneingang entfacht worden. Nach Angaben der Polizei konnten Mitglieder der Gemeinde die Flammen rasch selbst löschen. Verletzt wurde niemand, der entstandene Schaden soll gering sein. Der Staatsschutz wurde eingeschaltet. Zuerst hatte die "Jüdische Allgemeine" über den Vorfall berichtet.
Wie die Polizei mitteilte, steht ein 37-jähriger afghanischer Staatsangehöriger unter Verdacht. Der Mann sei den Behörden bereits bekannt und habe nach bisherigen Erkenntnissen allein gehandelt. Die weiteren Ermittlungen liegen beim Staatsschutz.
Dem bisherigen Stand zufolge soll der Verdächtige gegen 14.00 Uhr eine brennbare Flüssigkeit auf den Stufen vor der Eingangstür verteilt und anschließend angezündet haben. Um welche Substanz es sich genau handelte, war zunächst noch unklar.
Die Bergische Synagoge wurde im Jahr 2002 eröffnet. Nach Angaben des Zentralrats der Juden zählt die Jüdische Kultusgemeinde Wuppertal mehr als 2.000 Mitglieder.
Zentralrat wertet Tat als Brandanschlag
Der Zentralrat der Juden sprach in einer Stellungnahme von einem Brandanschlag. Zentralratspräsident Josef Schuster erklärte, erneut sei während der jüdischen hohen Feiertage eine Synagoge attackiert worden. Dass der Täter am helllichten Tag gehandelt habe, zeige, dass es weder Unrechtsbewusstsein noch Scham gebe. Dies sei ein Ausdruck einer zunehmenden gesellschaftlichen Gewöhnung an Judenhass, auf die bislang keine ausreichende Antwort gefunden worden sei.

Auch der Zeitpunkt der Tat sei aus Sicht des Zentralrats kein Zufall. Schuster zog Parallelen zu früheren Angriffen, darunter zu Taten an Chanukka 2025 in Sydney, an Jom Kippur 2025 in Manchester sowie zum Anschlag in Halle im Jahr 2019. Bereits 2014 war die Synagoge in Wuppertal Ziel eines Brandanschlags. Dahinter stehe ein wiederkehrendes Muster antisemitischer Gewalt: Feiertage würden bewusst gewählt, um Angst zu schüren und jüdisches Leben aus dem öffentlichen Raum zu drängen.
In drei Tagen beginnt mit Jom Kippur der höchste jüdische Feiertag. Schuster betonte, dass die Synagogen dann gut besucht sein würden. Er forderte die Sicherheitsbehörden auf, den Schutz der Gottesdienste sicherzustellen. Zugleich machte er deutlich, dass sich jüdisches Leben davon nicht einschüchtern lassen werde.
Auch die Orthodoxe Rabbinerkonferenz Deutschland verurteilte den Vorfall scharf. Wer jüdisches Leben angreife, richte sich zugleich gegen die Demokratie, hieß es. Jüdinnen und Juden müssten in Deutschland sicher leben und ihren Glauben offen praktizieren können, ohne Angst haben zu müssen.
Rückblick auf den Anschlag von 2014
Schon 2014 war die Wuppertaler Synagoge Ziel eines Brandanschlags. Damals hatten drei Palästinenser Brandsätze auf das Gebäude geworfen und später erklärt, sie hätten damit auf den Gaza-Konflikt aufmerksam machen wollen. Zwei von ihnen, damals 24 und 29 Jahre alt, wurden Anfang 2015 wegen versuchter schwerer Brandstiftung zu Bewährungsstrafen verurteilt. Ein 18-Jähriger erhielt nach Jugendstrafrecht ebenfalls eine Bewährungsstrafe, allerdings ohne festgelegtes Strafmaß.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber