Bayern

Wiesn-Zoff: Warum das «Teufelsrad» einen Schuh trägt

Radlerhosen für Pappmaché? Die Teufelsrad-Figuren auf der Wiesn lösen Streit aus – was jetzt sogar die Stadt infrage stellt.

17.09.2026, 17:06 Uhr

Kritik an umgestalteten Wiesn-Figuren beim traditionellen Rundgang

Die Überarbeitung von Figuren an Fahrgeschäften auf dem Oktoberfest hat auch beim traditionellen Wiesn-Rundgang für Diskussionen gesorgt. Anlass waren Vorwürfe, bestimmte Darstellungen seien sexistisch.

Betroffen war unter anderem das Traditionsgeschäft „Teufelsrad“. Nach Hinweisen der städtischen Gleichstellungsstelle wurden dort Frauenfiguren über dem Eingang verändert und stärker verhüllt. Eine Figur, die zuvor lediglich mit Bikini und Blumenkranz dargestellt war, trägt nun ein Kleid und zudem Schuhe.

Schausteller kritisieren die Entscheidung

Albert Ritter, Präsident des Deutschen Schaustellerbundes, äußerte deutliche Kritik. Wenn es auf Volksfesten um Belästigung, Sexismus oder ähnliche Probleme gehe, seien es seit jeher die Schausteller, die einschritten, unterstützten und mit den Behörden eng zusammenarbeiteten. Umso mehr stelle sich für ihn die Frage, ob es wirklich dringenderes gebe, als Pappmaché-Figuren zusätzliche Kleidung anzuziehen.

Ritter verwies dabei auch auf Beispiele aus der Kunstgeschichte. Es gebe berühmte Darstellungen wie die Venus von Milo oder die Fresken in der Sixtinischen Kapelle, bei denen Nacktheit ebenfalls kein Anlass für derartige Forderungen sei. Man solle deshalb nicht mit zweierlei Maß zwischen Alltags- und Hochkultur messen. Solche Entscheidungen sollten seiner Ansicht nach im Dialog gemeinsam getroffen werden.

Auch Peter Bausch, Vorsitzender des Münchner Schaustellerverbandes, äußerte sich knapp, aber kritisch. Sein Tenor: leben und leben lassen. Wenn bereits darüber gestritten werde, ob eine Figur barfuß sei, gehe das aus seiner Sicht zu weit.

Oktoberfest Teufelsrad 2012
Nachher links, vorher rechts: Die Frauenfigur hält sich nun bedeckter. (Archivbild) Quelle: Victoria Bonn-Meuser, Sven Hoppe/dpa

Weitere Fahrgeschäfte ebenfalls betroffen

Das „Teufelsrad“ ist nicht das einzige Geschäft, das Änderungen vornehmen sollte. Medienberichten zufolge musste auch das Fahrgeschäft „Happy Sailor“, das in diesem Jahr wieder auf der Wiesn vertreten sein soll, Anpassungen an den Darstellungen einer Meerjungfrau und eines Kapitäns vornehmen.

Gleichzeitig gibt es auf dem Fest weiterhin Fahrgeschäfte mit Figuren, bei denen Frauen mit hochfliegenden Röcken dargestellt sind.

Debatte über Sexismus und Rassismus auf dem Oktoberfest

Schon vor drei Jahren hatten Motive an einer Wurfbude und einem Karussell Kritik ausgelöst, damals wegen des Vorwurfs rassistischer Darstellungen. Politik und Schausteller einigten sich anschließend darauf, diese Motive zu ändern. Eines davon zeigte einen schwarzen Mann, der einer weißen Frau unter den Rock blickte.

Upskirting bleibt ein ernstes Problem

Aus Protest gegen die Aufforderung der Stadt, die Figuren am Teufelsrad zu verändern, hatte der Bundesverband der Schausteller und Marktkaufleute seine Teilnahme am traditionellen Wiesn-Rundgang abgesagt. Die Münchner Schausteller nahmen dagegen wie üblich teil.

Inzwischen wird auch innerhalb der Stadt die Sinnhaftigkeit der Maßnahme hinterfragt. Wiesn-Chef Christian Scharpf (SPD) kündigte Gespräche mit der Gleichstellungsstelle an und sprach von der Notwendigkeit, mehr Augenmaß walten zu lassen. Das eigentliche Problem sei das sogenannte Upskirting – also das heimliche Filmen unter Röcke. Dass solche Aufnahmen von Frauen im Internet veröffentlicht würden, sei keinesfalls hinnehmbar.

Das Teufelsrad gehört seit mehr als 100 Jahren zum Oktoberfest. Weil sich auf der rotierenden Scheibe Röcke leicht heben, hatten die Betreiber bereits in der Vergangenheit Radlerhosen ausgegeben, um Besucherinnen besser zu schützen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen